Trobador

Ein Trobador war ein Komponist und Sänger von Liedern unterschiedlicher Art besonders im mittelalterlichen Europa. Das Wort Trobador stammt von dem provenzalischen Wort trobar (vgl. franz. trouver), "dichten". Die ursprüngliche Bedeutung von trobar ist "finden"; in dieser Bezeichnung spiegelt sich somit die Selbstauffassung der gesamten mittelalterlichen Dichtung als ein Finden von Ausdruck und sprachlicher Form für vorgegebene Inhalte (vgl. die inventio der Rhetoriklehre). Bei der Lyrik der Trobadors ist mit trobar außerdem das Finden einer jeweils neuen Melodie für ein neues Lied gemeint.

Die Trobador-Kunst kam im Okzitanien des 11. Jahrhunderts auf; Wilhelm IX. von Aquitanien hält man häufig für den erste Trobador. Viele Trobadors unternahmen weite Reisen und trugen so zur grenzüberschreitenden Vermittlung von Informationen und Kultur bei. Durch Wilhelms Enkelin, Eleonore von Aquitanien, wurde die Kunstform in den 1130er Jahren an den nordfranzösischen Adel vermittelt.

Die Trobadors verarbeiteten hauptsächlich Themen des Rittertums und der höfischen Liebe, aber auch sonstige Themen aller Art. Die wahrscheinlich berühmtesten Gesänge waren die, die der Sänger an eine verheiratete Geliebten gerichtet hatte. Offenkundig wegen der festen ehelichen Strukturen war das Thema der wahren (normalerweise tugendhaften) Liebe außerhalb ehelicher Bindungen beim Publikum von hoher Resonanz. Die Aubade bildete das populäre Genre.

Ähnliche Rollen wurden zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Regionen von den Menestrels und Spielleuten ausgefüllt. So hängt der deutsche Minnesang eng damit zusammen, der teilweise durch Trobadors inspiriert wurde.

Trobadors, deren Werk erhalten ist, sind (unter vielen anderen) Bernart de Ventadorn und Jaufré Rudel.

See also: Trobador, 11. Jahrhundert, Aubade, Eleonore von Aquitanien, Europa, Genre, Gesang, Komponist, Lied, Menestrel