Tularämie

Unter Tularämie (Francisella tularensis) versteht man eine tödlich verlaufende ansteckende Erkrankung bei frei lebenden Nagetieren, die durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst wird. Die Erkrankung kann auf den Menschen übertragen werden.

Da das Beschwerdebild dem der Pest ähnelt und die Erkrankung sehr häufig Hasen und Wildkaninchen befällt, wird sie häufig auch als Hasenpest bezeichnet. Andere Namen sind Nagerpest, Lemming-Fieber, Parinaud-Krankheit und Hirschfliegen-Fieber.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erreger

Der Erreger der Tularämie ist das Bakterium Francisella tularensis (früher auch: Pasteurella tularensis). Es handelt sich um ein sehr kleines, gramnegatives, kokkoides, sporenloses Stäbchen, das bisher keiner Bakterienfamilie zugeordnet werden kann und das schwer anzüchtbar ist. Das Bakterium wird durch Wärme und die herkömmlichen Desinfektionsmittel zerstört, ist aber gegenüber Kälte resistent. Der Erreger kann in gefrorenem Hasenfleisch bis zu 3 Jahre überdauern.

Es sind zwei Varianten bekannt:

Verbreitung

Infektionsweg

Das Reservoir für den Erreger stellen blutsaugende Ektoparasiten dar, also auf der Körperoberfläche lebende Parasiten, wie z.B. Mücken, Flöhe, Läuse, Wanzen, Milben oder Zecken.

Die Parasiten kommen auf wild lebenden Säugetieren (Hasen, Wildkaninchen, Ratten, Mäuse, Eichhörnchen) vor, seltener auf Wildgeflügel, Fuchs, oder Nutz- und Haustieren (Schafe, Schweine, Rinder, Hunde, Katzen, Hamster)

Übertragung

Übertragungen von Mensch zu Mensch sind theoretisch möglich, bisher jedoch nicht bekannt geworden.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit der Tularämie bei Tieren beträgt 2 bis 3 Tage.
Beim Menschen liegt sie bei 2 bis 5 Tagen, kann aber auch bis zu 30 Tagen betragen.

Symptome

Die Tularämie verläuft bei Tieren und beim Menschen unterschiedlich.

Tularämie bei Tieren

Nach Übertragung der Erreger durch Parasiten auf die Nagetiere kommt es nach 2 bis 3 Tagen zu einer Septikämie, also einer Aussaat der Erreger mit dem Blut. Die Tiere fallen durch Schwäche, Fieber und eine gesteigerte Atmungsfrequenz auf. Lymphknoten und Milz sind vergrößert. Innerhalb von 4 bis 13 Tagen sind die meisten Tiere verstorben. Chronisch verlaufende Infektionen verlaufen nach 14 bis 60 Tagen tödlich.

Tularämie beim Menschen

Äußere (lokalisierte) Formen

Innere (invasive) Formen

Die innere Form der Tularämie entsteht, wenn die Erreger eingeatmet werden oder auf dem Blutweg innere Organe erreichen. Es handelt sich dann um eine hochfieberhafte, gefährliche Erkrankung.

Diagnose

Die Diagnose der Erkrankung wird im Tierversuch gestellt. Dazu wird erregerhaltiges Material auf Meerschweinchen, Ratten oder Mäuse übertragen. Indirekter Erregernachweis serologisch mit Agglutinationstest gegen Ende der 2. Woche. Der serologische Erregernachweis ist schwierig, da Kreuzreaktionen, z.B. mit dem Erreger von Typhus möglich sind.

Therapie

Die Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika. Am besten wirksam ist Streptomycin. Alternativ kann Doxycyclin oder Gentamicin eingesetzt werden. Die Erreger sind aber auch empfindlich gegenüber Tetrazyklinen, Erythromycin und Cloramfenicol. Gegenüber Penicillin und Sulfonamiden besteht jedoch eine Resistenz.

Prognose

Bei der inneren Form der Tularämie de Menschen handelt sich um eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung, die behandelt in ca. 5 % der Fälle tödlich verläuft. Ohne antibiotische Behandlung kann die Sterblichkeit über 30 % betragen.

Die amerikanischen Tularämieformen haben eine höhere Virulenz, mit einer Letalität von 10 bis 35 %, als die europäischen Stämme. Hier liegt die Letalität bei ungefähr 5 %.

Prophylaxe

Besonders gefährdete Personen, wie z.B. Laborpersonal oder in der Land- bzw. Forstwirtschaft Tätige, können gegen Tularämie geimpft werden. Verwendet wird ein in seiner Wirkung abgeschwächter Lebendimpfstoff, die Gaisky-Elbert-Vakzine. Das Überstehen der Erkrankung hinterlässt eine langjährige Immunität. ---- Attenuierte Lebendimpfstoff deutlich wirksamer als Todimpfstoff.

Weblinks


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See also: Tularämie, 1911, 1912, 1919, 1928, 1931, 1936, 1950, 1966