Tunte
Als Tunte werden in heterosexuellen, aber auch manchen homosexuellen Kreisen oft Schwule definiert, die durch ein besonders affektiertes Verhalten auffallen. Dort wird das Wort oft mit Begriffen wie Travestie, Transvestit oder Transgender gleichgesetzt und als Schimpfwort benutzt.
Einige überholte klischee-hafte Vorstellungen, die mit dem Begriff oft verbunden werden, sind:
- Die Affektiertheit einer Tunte drückt sich häufig aus in Stimme (oft erhöht), Gestik (klassisch ist der abgespreizte kleine Finger beim Halten einer Kaffeetasse) und Wortwahl (häufiger Gebrauch von Interjektionen wie "Huch" oder "Hach").
- Manchmal, aber nicht zwingend, gehört eine gewisse Neigung zu femininer oder schriller Kleidung zur Tuntenhaftigkeit; die meisten Drag Queens legen ein tuntiges Verhalten an den Tag.
- Tuntenhaftigkeit wird manchmal als Präferenz für die Rolle des passiven Partners beim Sex gedeutet.
- Einige Schwule kokettieren mit dem Tuntenimage, da es in gewisser Weise das (weniger akzeptierte) Bild des "Hardcore-Lederschwulen" süßlich überdeckt, so z.B. in Japan (siehe Homosexualität in Japan).
Tatsächlich hat die Bezeichnung Tunte allerdings in den letzten Jahren, vor allem in schwulen Kreisen, eine Wertewandlung erfahren, vor allem durch prominente Tunten, die mit der Einstufung als Tunte selbstverständlich umgehen. Besonders in der Homo-Metropole Berlin bezeichnen sich viele offen schwul lebende Künstler bewußt und mit Stolz als Tunte. Ovo Maltine sagte dazu: "Die engagierte Berliner Tunte präsentiert sich nicht in Federn und Pailletten. In Berlin Tunte zu sein, heißt, dass man auch einen politischen Gestaltungswillen hat."
Dagegen werden Personen, die den oben genannten Klischeevorstellungen entsprechen, eher abfällig "Tucke" oder "Trine" genannt .
Bekannte Tunten sind Tima die Göttliche oder Olivia Jones. Schillernde Beispiele in der Öffentlichkeit für Tunten sind Ralph Morgenstern oder Rudolph Moshammer. Letzterer ist ein Beispiel für die Tatsache, dass Tunten nicht zwingend offen schwul lebende Menschen sind.
Die Frage, ob Homosexualität eine Bedingung für die Einordnung als Tunte ist, scheint nicht eindeutig ("Heterotunte").
