Turkestan (Landschaft)
385px|thumb|Turkestan und dessen Anteil an den heutigen zentralasiatischen Staaten
Turkestan, auch bekannt als Turkistan bzw. Türkistan, ist eine trockene Gebirgsregion in Zentralasien. Es erstreckt sich vom Kaspischen Meer im Westen bis zur Wüste Gobi im Osten. Es umfasst 2.500.000 km² und rund 20 Millionen Einwohner.
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Namensbedeutung
Turkestan war im Altertum als Turan und im 13. bis 16. Jahrhundert auch als „Große Tatarei oder auch Tatarstan“ bekannt und griff im Süden auch in persisches Gebiet über. Aber noch heute macht dessen Tiefland als „Turanische Senke“ oder „Turanisches Tiefland“ den größten Teil West-Turkestans aus.
Der Name „Turkestan“ bedeutet Land der Türken und gilt als eines ihrer ältesten Heimatländer. Es ist das engere Stammland der als „West-“ und „Osttürken“ bezeichneten Völker.
Türkisch besiedelt ist das Land seit den Zeiten der „Hunnenstürme“ und galt seit jeher als wichtiges Durchgangsgebiet zwischen Ost- und Vorderasien.
Die Völker Turkestans
Ferner spielte es für die Entstehung der heutigen Turkotataren eine große Rolle: In Turkestan wurde z. B. die Buqai-Horde - auf dem Gebiet des westlichen Kasachen-Khanates - gegründet, die das letzte Aufbäumen der Kasak-Tataren gegen die Russen darstellte.
Heute leben auf dem Gebiete Turkestans die Völker der Tadschiken, Afghanen, Perser und Chinesen. Ferner sind Deutsche, Russen, Ukrainer und etliche Koreaner dort ansässig.
Das Gros der Bevölkerung wird jedoch durch die turkstämmigen Völker gestellt: Uiguren, Karakalpaken, Kasachen, Kirgisen, Aserbaidschaner, Karäim, Mescheten, Krimtataren, Türken und Usbeken. Die größeren Turkvölker bilden in diesem Gebiet eigene Turkstaaten.
Alte Turksprachen Turkestans
In Turkestan entstanden die bedeutenden türkischen Literatursprachen Karlukisch, Choresmisch und Tschagataiisch.
Gliederung Turkestans
Das Gebiet Turkestans ist in drei Bereiche unterteilt: West-Turkestan besteht aus dem südlichen Bereiche Kasachstans sowie Kirgisiens, Tadschikistans, Turkmenistans, Usbekistans sowie dem nördlichen Teile Afghanistans, das Süd-Turkestan genannt wird. Ost- oder Chinesisch-Turkestan umfasst den südwestlichen Teil der Autonomen Region Xinjiang-Uyghur.
Kleine Geschichte Turkestans
Turkestan ist im Verlauf seiner langen Geschichte dauernd von den asiatischen Großmächten umkämpft worden. In seinen Grenzen lagen folgende überwiegend turkstämmige Reiche:
- Kimek
- Karluken
- Karachaniden
- Tardusch
- Uyghuren
- Tabgatsch (Ost-Turkestan)
- Naimanen
- Türgesch
- Kara Khitai
- Scha-t'o (zumindest teilweise)
- Kirgisen (teilweise)
Auch standen große Gebietsteile zeitweise unter der Kontrolle der Kyptschaken, der Seldschuken und des Choresm-Schah.
Im 13. Jahrhundert gehörte es zum mongolischen Khanat Moghulistan.
Im 15. Jahrhundert kam es zur Teilung des Landes an der Grenze zwischen Altai-Tienschan-Pamir, als der Westteil Turkestans an Timur-i Lenk fiel, während der Ostteil nun unter einheimischer Dynastie verblieb.
Nach Ende der Timuridenzeit gelangte Turkestan nochmals unter mongolischer Herrschaft, als die Oiraten ihr kurzlebiges Reich begründeten.
Ab 1500 entstanden auf dem Gebiet Turkestans die usbekischen West-Khanate Chiwa, Buchara und das kirgisische Khanat Kokand sowie die uigurischen Ost-Khanate Kaschgar, Tufan und Khotan.
Während der Westteil seit Timur unter persischen Einfluss geriet, so gehörte der Ostteil des Landes seit 1759 zum Kaiserreich China.
1867/97 eroberte der deutschstämmige General Kaufmann West-Turkestan, das bis 1991 dann die Geschichte Russlands teilen sollte.
Kleine Geschichte West-Turkestans
Bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. siedelten iranischsprechende Stämme im westlichen Turkestan (s.a. Gutäer). Die südlichen Bereiche West-Turkestans fielen dann mit der Eroberung des Persischen Reiches an Alexander den Großen.
West-Turkestan oder Russisch-turkestan (turkotatarisch: Batys Türkistan, türkisch: Batı Türkistan) im eigentlichen Sinne entstand im 15. Jahrhundert aus der Teilung des Mongolen-Khanates Tschagatai, als der Westen Turkestans an den Tatarenherrscher Timur fiel. West-Turkestan bildete nun den Westteil des Landes.
Ab dem 16. Jahrhundert fanden die Gründung der türkischen Khanate Chiwa, Buchara und im 19. Jahrhundert - Kokand auf dem Gebiet West-Turkestans statt. Aber es fielen bereits im selben Jahrhundert slawische Völker ein, endgültig von den Russen erobert wurde es jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Seit 1867 gehörte das westliche Turkestan zu Russland, als der russische General Kaufmann, ein Deutscher in russischen Diensten, das Kasachische Khanat eroberte und dort nun das russische „Generalgouvernement Turkestan“ errichtete.
Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wurden auf dem Gebiete West-Turkestans zahlreiche Inschriften der Hunnen, der Hephthaliten und der Göktürken gefunden. Diese Inschriften sammelten sich vor allem in der Region des Talas und waren in einer Abart der türkischen Runen (Turan-Stil) abgefaßt.
Nach der Russischen Revolution (1917) wurden im Gebiet West-Turkestans die sowjetischen Volksrepubliken Buchara und Chiwa sowie die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Turkestan gebildet. Aus dieser wurden dann zwischen 1924 und 1936 neue Republiken gebildet. Süd-Turkestan, das von Russland beansprucht worden war, wurde bereits durch Grenzverträge (1858/98) an Persien abgetreten.
West-Turkestan heute
Auf dem Gebiet West-Turkestans befinden sich die heutigen turkmenischen Republiken Kasachstan, Turkmenien, Usbekistan, Kirgisien und - als iranischsprachige Ausnahme - Tadschikistan.
Kleine Geschichte Ost-Turkestans
Ost-Turkestan oder auch Chinesisch-Turkestan (turkotatarisch: Sherqiy Türkistan, türkisch: Doğu Türkistan) liegt, wie der Name bereits sagt, im östlichen Landesteil Turkestans.
Ost-Turkestan gelangte im 2. Jahrhundert v. Chr. unter chinesische Herrschaft, wurde aber nach dem Fall der Han-Dynastie im Jahr 220 n. Chr. den Persern überlassen.
In nachfolgenden Jahrhunderten wurde Ost-Turkestan von verschiedenen asiatischen Herrschern regiert, darunter auch von Dschingis Khan im 13. Jahrhundert. Im 9. Jahrhundert setzte die Islamisierung bei den Uiguren Ost-Turkestans ein: sie gründeten nun das „Khaganat Uyghuristan“, das sie auch als „Dschungarei“ bezeichneten. Sie traten damit die Nachfolge der alten Uyghurenstämme an, die dieses Gebiet 744 unterwarfen.
Das heutige Ost-Turkestan entstand im 15. Jahrhundert aus der Teilung Turkestans, als sich in seinem Gebiet die Herrscher der mongolischen Tschagatai-Dynastie zurückzog. Im 18. Jahrhundert gehörte das Gebiet Ost-Turkestans zum mongolischen Oiratenreich.
1759 fiel Ost-Turkestan an China und wurde dort mit der benachbarten Dsungarei zusammengelegt. Im 19. Jahrhundert erhob sich die moslemische Bevölkerung Ost-Turkestans mehrfach erfolglos gegen die chinesische Herrschaft. 1865 gründete Jakub Beg, der Khan Kashgars, ein Turkreich, das jedoch nur bis 1877 Bestand hatte. Bereits 1871 besetzten russische Truppen das Ili-Gebiet, das sie jedoch zehn Jahre später wieder räumten. In der Folgezeit konnte China Ost-Turkestan gegen weitere russische Annexionsversuche behaupten, doch gehörte die Region wie die Äußere Mongolei und die Mandschurei bis in das 20. Jahrhundert hinein zum unmittelbaren Einflussgebiet Russlands. 1884 wurde Ost-Turkestan mit der benachbarten Dsungarei als Provinz Xinjiang der chinesischen Zivilverwaltung unterstellt. Nach Ausbruch der Chinesischen Revolution im Jahre 1911 verblieb Ost-Turkestan im Gegensatz zur Mongolei und Tibet bei China, war aber de facto autonom. Seit 1928 geriet Ost-Turkestan zeitweilig unter sowjetischen Einfluss. Während des Chinesischen Bürgerkriegs marschierten 1949 Truppen der kommunistischen „Volksbefreiungsarmee“ in Ost-Turkestan ein, das als Provinz Xinjiang Teil der Volksrepublik China wurde. Die rigide Durchführung einer Sinisierungspolitik löste bereits 1950 einen uigurischen Aufstand aus, der gewaltsam niedergeschlagen wurde. 1964 führte die VR China in dem 1955 zur „Autonomen Region“ ernannten Ost-Turkestan erstmalig einen Atombombentest durch. 1967 folgte die erste Zündung einer chinesischen Wasserstoffbombe.
Ost-Turkestan heute
Die heutige Bezeichnung Ost-Turkestans lautet Sinkiang-Uigur und liegt im äußersten Westen der Volksrepublik China.
Kleine Geschichte Süd-Turkestan
Der Süden des Khanates Buchara gelangte nach den Grenzverträgen von 1858/98 als Persisch-Turkestan an den heutigen Iran.
Mit der Unabhängigkeit Afghanistans fiel Süd-Turkestan an diesen neuen Staat und umfasst heute die turkmenischen und usbekischen Nordgebiete des Staates.
1973 putschte sich der Vetter des amtierenden Königs, Mohammed Daud Khan an die Macht und vertrieb Mohammed Sahir ins Exil. Daud Khan war von 1963/73 Premierminister Afghanistans und errichtete nun ein autoritäres Regime.
1978 ergriffen die Kommunisten unter Nur Mohammed Taraki die Macht im Lande, ermordeten Mohammed Daud Khan und baten Anfang 1979 die UdSSR um Waffenhilfe. Erste Familien-Klans des Nordens begannen, die einheimischen Kommunisten als Mudschaheddin zu bekämpfen und Ende des Jahres 1979 fielen die Russen in das kleine Nachbarland ein, um einen Abfall des Landes aus dem „sozialistischen Bruderlager“ zu verhindern. Die Turkvölker des Landes beschlossen darauf hin geschlossen den bewaffneten Widerstand.
Als „Schlachtordnung“ gegen den Aggressor diente die alte Klanordnung der Turkvölker: Jeder Familien-Klan diente gemeinsam in einer Einheit, und dort wurde aus den fähigsten Männern ein gemeinsamer „Führer“ geboren - es erinnerte stark an die Khanswahlen der alten Göktürken. Den Mudschaheddin erwuchs im neuen Machthaber Babrak Karmal ein starker Widersacher. Von 1979/86 bekämpfte dieser mit Hilfe von rund 120 000 Rotarmisten blutig die afghanischen Freiheitskämpfer, doch brechen konnte er den Widerstand nicht. Mit Mohammed Nadschibullah kam 1986 der letzte Kommunist Afghanistans an die Macht.
Von 1989 bis 1990 versank Afghanistan im blutigen Bürgerkrieg. Die Kriegsfürsten der afghanischen Turkvölker hatten ursprünglich nur eine Führerschaft auf Zeit. Doch diese „Khane“ oder „Warlords“ erlangten mit der Zeit eine reale Macht im Lande. So wurde nun 1990 auf dem Gebiet Süd-Turkestans aus den turkstämmigen Mudschaheddins die Afghanische Nordallianz gebildet, deren uneingeschränkter Führer der Usbeke Raschid Dostum war. Diese umfaßte vor allem die Turkvölker Afghanistans und als 1994 die ersten Taliban aus dem benachbarten Pakistan erschienen, stand die Nordallianz ursprünglich auf deren Seite. Gemeinsam war ihnen die Erneuerung des Islam. Bis 1998 hatten die Nordallianz 30% und die Taliban 70% des Landes unter Kontrolle.
Als aber die Taliban ab 1999 begannen, Afghanistan nach iranischem Vorbild zum totalitären Gottesstaat umzuwandeln, begann die Nordallianz diese zu bekämpfen. Rückzugs- und Nachschubgebiet der Nordallianz war vor allem das benachbarte Usbekistan, wo die Angehörigen militärisch ausgebildet und aus alten Armeebeständen bewaffnet wurden. Weitere großzügige Unterstützung erhielt die Nordallianz durch die USA und ab 2001 kämpfte die Nordallianz auf Seiten der Amerikaner.
Die Nordallianz gilt noch heute in Afghanistan als bedeutender Machtfaktor, da vor allem die Usbeken großzügige Unterstützung durch Usbekistan und Turkmenistan erhalten.
