U-Bahn
thumb|250px|London Underground
Die U-Bahn, auch Untergrundbahn oder Metro genannt, ist ein zu den Bahnen gehöriges öffentliches Nahverkehrsmittel ähnlich der S-, der Straßen- oder der Stadtbahn (zusammengefasst als Schienenpersonennahverkehr). Das U steht für unterirdisch oder auch für unabhängig.
Der international gebräuchlichste Begriff ist Metro. Dieser dürfte auf die Metropolitan Railway, heute Metropolitan Line, die erste U-Bahn-ähnliche Eisenbahn in London, sowie den Chemin de fer métropolitain, kurz Métro, in Paris zurückgehen. Weiter sind auch Underground und Subway gebräuchlich, im skandinavischen Raum auch T-Bana (Tunnelbana). Die Londoner U-Bahn wird wegen der röhrenförmigen Tunnels als Tube bezeichnet. Die U-Bahnen in Manila, Singapur und Taipeh tragen die Bezeichnung MRT für englisch Mass Rapid Transit, während in Hong Kong die Abkürzung MTR für Mass Transit Railway verwendet wird.
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Geschichte
Als erste U-Bahn der Welt gilt allgemein die am 10. Januar 1863 in London eröffnete Metropolitan Railway. Es handelte sich dabei jedoch zunächst noch um eine von Dampflokomotiven gezogene Eisenbahn.
In Istanbul eröffnete 1875 mit dem Tünel die erste unterirdische Standseilbahn am europäischen Kontinent. Die Wagen wurden anfangs von Ochsen gezogen. Die Strecke ist bis heute noch in Betrieb.
Die erste elektrische U-Bahn war die City & South London Railway, eröffnet am 4. November 1890 in London. Die zweite elektrische Metro der Welt war die am 4. Februar 1893 eröffnete Liverpool Overhead Railway, welche am 30. Dezember 1956 wieder stillgelegt wurde. Die erste elektrische U-Bahn auf dem europäischen Festland wurde am 2. Mai 1896 in Budapest eröffnet. Im selben Jahr wurde am 14. Dezember die Glasgower U-Bahn eröffnet. Die erste deutsche U-Bahn wurde am 15. Februar 1902 in Berlin eröffnet.
Streckenführung und Betrieb
thumb|Streckenplan der Metro in Madrid
Während in den Geburtsstädten der U-Bahn (London und Paris) die ersten Strecken von Beginn an unterirdisch gebaut wurden, wurde in anderen Städten die U-Bahn oft als Hochbahn auf Viadukten angelegt, bevor zunehmend Tunnelstrecken in den Verlauf eingefügt wurden, wie etwa in Liverpool, Berlin, Hamburg, Wien und New York.
Durch Vermeidung sowohl von Kreuzungen mit Straßen als auch mit auf Straßen verlaufenden Schienen, sollen Störungen des Betriebes auf ein Minimum reduziert werden. Ebenso wird damit ein vollautomatischer Betrieb möglich, wenn auch meistens nicht umgesetzt. Vollautomatische U-Bahnen gibt es etwa in Paris (Linie 14 Meteor), Lyon, Rennes und London (Docklands Light Railway). Auch die Kopenhagener Bahn fährt führerlos. Erste Versuche mit vollautomatischem Betrieb in Deutschland erfolgten in Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main. Die erste vollautomatische U-Bahn im Normalbetrieb in Deutschland soll ab Frühjahr 2006 die zur Zeit im Bau befindliche U3 in Nürnberg werden.
Die unterirdische Bauweise ist in felsigem Untergrund verhältnismäßig einfach zu realisieren. In schlammigem Untergrund ist es dagegen sehr schwierig, wegen des Auftriebs der hohlen, luftgefüllten Tunnel, und wegen der Gefahr des Absinkens von Straßen und Gebäuden. Deshalb gibt es zum Beispiel in Glasgow, Amsterdam und St. Petersburg jeweils nur wenige U-Bahn-Linien.
U-Bahnen zeichnen sich in der Regel durch eine dichte Taktfolge aus; man muss also nur wenige Minuten auf den nächsten Zug warten. Allerdings sind bei tief liegenden Stationen Zeitverluste durch den Weg zum unterirdischen Bahnhof möglich. Ebenso ist Menschen mit Behinderungen, besonders bei älteren Systemen, die Benutzung oft nur erschwert oder gar nicht möglich.
Es gibt bei den zahlreichen auf der Welt vorhandenen U-Bahnsystemen verschiedene Netzformen. So entstehen beispielsweise die Ringnetze meistens auf gleichverlaufenden Ringstraßen. Die Sekantennetze sind sehr typisch für U-Bahn-Systeme in ehemals realsozialistischen Ländern wie zum Beispiel in Minsk, Charkiw oder Prag. Die vermaschten Netze entstehen meistens unter einem bereits vorhandenen Straßennetz wie zum Beispiel in New York oder Paris.
| 120px| Ringnetz (z. B. Glasgow) | 120px| Ring-Radialen-Netz (z. B. Moskau, Wien) | 120px| Sekantennetz (z. B. Minsk, Prag) | 120px| Vermaschtes Netz (z. B. London, Paris) |
| 120px| X-förmiges Netz (z. B. Oslo, San Francisco) | 120px| Durchmesserlinie (z. B. Lima) | 120px| Fischblasennetz (z. B. Lille, Rotterdam, Nürnberg) | 120px| Kreuznetz (z. B. Kyoto, Sapporo) |
thumb|Eine Stromschiene der Amsterdamer Metro Die Energieversorgung erfolgt zwecks Verringerung des Tunnelquerschnitts meist durch eine zwischen oder neben den Schienen liegende Stromschiene. In manchen Städten wie London oder Mailand kommen zur Vermeidung von Streustromkorrosion auch zwei Stromschienen zum Einsatz, von denen sich eine in der Gleismitte und eine neben den Fahrschienen befindet. U-Bahn-Züge haben daher meist keine Stromabnehmer auf dem Dach und wegen der Trennung vom Individualverkehr im Gegensatz zu Stadt- oder Straßenbahnzügen meistens auch keine Blinker oder Außenspiegel.
Daneben gibt und gab es auch U-Bahnen, die als Standseilbahn ausgeführt sind. Eine solche Bahn verkehrte von 1893 bis 1937 in Glasgow. In Istanbul (1874) und Haifa (1958) wurden wegen der großen zu überwindenden Steigung zwei als U-Bahn bezeichnete unterirdische Standseilbahnen errichtet.
In Lyon verkehren auf einer U-Bahn-Linie Fahrzeuge mit zuschaltbarem Zahnradantrieb.
Verbreitung
Während in den Anfangsjahren der U-Bahn vor allem Netze auf dem europäischen Kontinent entstanden sind, gab es einen wahren U-Bahn-Bau-Boom ab den Sechziger Jahren auch in Amerika, zum Beispiel Montréal. Das lag besonders an immer größer werdenden Motorisierung der Bevölkerung und den daraus entstandenen Verkehrsstaus. In dieser planten und bauten viele Städte neue U-Bahnnetze oder verlegten ihre Straßenbahnen in den Untergrund. Doch seit Ende der Achtziger Jahre werden die Neueröffnungen seltener, was an den hohen Kosten des U-Bahnbaus liegt. Derzeit bauen in hohem Maße asiatische Städte an neuen Netzen. Auf anderen Kontinenten werden die bestehenden Netze verlängert, neue werden kaum noch gebaut. Ausnahme ist dabei Russland, wo aufgrund der dortigen Finanzenknappheit seit den Achtziger Jahren immer noch Bauarbeiten für noch nicht eröffnete Netze stattfinden, zum Beispiel Ufa oder Perm.
Deshalb richtet sich die Industrie auf die Errichtung von "Light Metros" aus, da die normalen U-Bahnen ("Heavy Metros") kaum noch durchzusetzen sind. Light Metro-System beziehungsweise Stadtbahnnetz sind beispielsweise in Valencia oder Maracaibo.
Rekorde
thumb|Eine der langen Rolltreppen in Moskau
Die größten U-Bahn-Netze der Welt befinden sich in London (408 km), New York City (368 km), Tokio (292 km), Seoul (286 km) und Moskau (269 km).
Die tiefste U-Bahn besitzt St. Petersburg: die Bahnsteige liegen dort bis zu 90 Meter unter dem Grund. Durch bemerkenswert schnelle Rolltreppen sind sie in etwa drei Minuten erreichbar.
Als Stadt mit den meisten U-Bahn-Planungen der Welt gilt Wien. Es wird sogar von Plänen aus dem Jahr 1843 berichtet [1]. Hingegen wurde das erste Teilstück der Warschauer U-Bahn erst 1995 eröffnet, obwohl die ersten Planungen bereits aus dem Jahre 1925 datieren.
Die Glasgower U-Bahn wurde seit ihrer Eröffnung nie erweitert, die Liverpooler Metro 1956 gar vollständig stillgelegt.
Kürzeste U-Bahn dürfte der 573 m lange Tünel in Istanbul sein, höchstgelegene U-Bahn (3.456 m Seehöhe) die 1.434 m lange Metro Alpin in Saas Fee (Schweiz).
Ebenfalls bemerkenswert ist die U-Bahn Haifa, die als Standseilbahn ausgeführt ist und auf 1,75 km Länge einen Höhenunterschied von 275 m überwindet, was einer durchschnittlichen Steigung von mehr als 15 Prozent entspricht.
Einen weiteren Rekord oder eher eine Eigenart findet man in der Tunnelbana in Stockholm: Auf der gesamten sogenannten blauen Linie haben Künstler an der Ausstattung gearbeitet. Jede Station ist nun schön ausgeschmückt, sei es mit Wandbildern, Wasserfällen oder Licht.
In dieser Hinsicht ähnelt die Stockholmer Tunnelbana der allerdings deutlich älteren Metro Moskaus. In Moskau sind die meisten der Stationen aus der Stalin-Zeit, mit diversen Kunstwerken (meist kommunistischer Art) geschmückt. Die Metrostationen in Moskau bestehen mit Sicherheit auch aus mehr Marmor als die Stationen jedes anderen U-Bahn-Netzes.
Rechtliches
Nach deutschem Recht (§ 4 Personenbeförderungsgesetz) gilt eine U-Bahn als Straßenbahn; sie wird demzufolge nach der Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (BOStrab) betrieben. In Österreich gilt sinngemäß die Straßenbahnverordnung (StrabVO).
Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) definiert eine U-Bahn als schienengebundenes, vom Individualverkehr völlig getrennt geführtes Massenverkehrsmittel, das als solches ein geschlossenes System bildet. Ihre Strecken können sowohl im Tunnel als auch auf Dämmen und Hochstrecken oder im freien Gelände angelegt sein. Die Fahrstromzuführung erfolgt im allgemeinen über eine seitlich am Gleis angeordnete Stromschiene.
Zugleich grenzt der VDV die U-Bahn begrifflich sowohl von der Straßenbahn und der Stadtbahn ab, die beide zumindest in Teilen eine straßenabhängige Streckenführung haben können, in deren Bereich die Straßenverkehrsordnung zu beachten ist, als auch von der S-Bahn, als auch von Hänge- und Schwebebahnen, zu denen u. a. die Wuppertaler Schwebebahn gezählt wird.
- Quelle: "Der Straßenbahner - Handbuch für U-Bahner, Stadt- und Straßenbahner", herausgegeben vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), 2001.
Städte mit U-Bahn
Deutschland
- Berlin: (Das älteste U-Bahn-Netz Deutschlands): Berliner U-Bahn
- Hamburg: (Drei U-Bahn-Linien): Hamburger U-Bahn
- München: Münchener U-Bahn
- Nürnberg: (Jüngstes U-Bahnnetz Deutschlands): Nürnberger U-Bahn
U-Bahn-Netze haben in Deutschland nur diese vier Städte. Andere Städte, etwa das Rhein-Ruhr-Gebiet, Hannover, Frankfurt am Main oder Stuttgart, haben ähnliche Systeme, die allerdings weniger strikt kreuzungsfrei angelegt sind und daher genauer als Stadtbahn bezeichnet werden.
Einen definitorischen Sonderfall stellt die U-Bahn Frankfurt dar: Sie vereinigt in vertakteten Mischsystemen U-, Stadt- und (U-)Straßenbahnlinien, da die komplett unterirdische Linie U4 als U-Bahn gesehen werden kann. Das System soll –ebenso wie fast alle anderen Stadtbahnsysteme– langsam zu einem „echten“ U-Bahn-Netz erweitert werden, obwohl die komplette Realisierung dieser Planungen vor allem wegen der Kosten äußerst fraglich ist. [[Bild:U-Bahn_Wien_am_VIC.jpg|thumb|Wiener U-Bahn an der ]]
Österreich
Die einzige klassische U-Bahn Österreichs befindet sich in Wien, die Wiener U-Bahn. In Serfaus gibt es eine 1.280 m lange unterirdische Luftkissenbahn mit Seilantrieb. In Linz verkehrt seit 2004 die Straßenbahn auf einem 1,9 km langen unterirdischen Abschnitt mit drei unterirdischen Stationen, der zwar als Mini-U-Bahn bezeichnet wird, aber eher einer Stadtbahn entspricht.
Schweiz
In Lausanne wird die Zahnradbahn Lausanne-Ouchy in eine U-Bahn umgebaut und bis nach Epalinges verlängert. Die geplante Eröffnung der m2 (Linie 2 der Métro Lausanne) ist 2007. Aufgrund der Steigungen werden die Züge mit Pneus ausgestattet.
thumb|U-Bahn Pjöngjang thumb|Gummireifen zur Führung und Traktion
Sonstiges
Auch die U-Bahnen sind vom Schienensuizid betroffen. Die Selbstmorde verursachen nicht nur eine massive Betriebsstörung, sie verursachen auch ein Trauma bei den U-Bahn-Fahrern. Es kommt immer wieder vor, daß (betrunkene) Personen leichtsinnigerweise auf die Gleise herabsteigen oder gar in die Tunnel laufen.
Es wurden auch U-Bahn Systeme für den Warentransport realisiert, wie die Post Office Railway in London für die unterirdische Verbindung der wichtigsten Londoner Postämter oder die Chicago Tunnel Company Railroad, die auf etwa 90 km Netzlänge Warenhäuser und andere Gebäude in Chicago mit Fracht und Kohle versorgte.
Inzwischen benutzen einige U-Bahnsystem eine Sonderform des Rad-Schiene Systems, denn es werden statt Stahlrädern Gummiräder benutzt. Besonders häufig findet sich das in Paris, jedoch nutzen inzwischen auch andere Metropolen wie Montréal dieses System.
Siehe auch
Weblinks
- U-Bahnen in Deutschland
- U-Bahnen rund um die Welt (englisch)
- U-Bahnen in der ehemaligen Sowjetunion
- World Rail Transit List mit U-Bahnen weltweit (englisch)
- U-Bahnen der Welt unter verschiedenen Aspekten (englisch)
- Architektur der U-Bahn-Stationen
!U-Bahn Kategorie:Schienenfahrzeug Kategorie:Elektrofahrzeug Kategorie:ÖPNV
