Überernährung
Als Überernährung bezeichnet man eine Ernährung, bei der mehr als die zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen erforderlichen Nährstoffe in Kalorien gerechnet zugeführt werden. Das Maß der aufgenommenen Nahrung muss an die körperliche Tätigkeit angepasst sein. Dauernde Überernährung führt zu Fettleibigkeit (Adipositas) und damit assoziierten Krankheitsbildern.
Für die Mehrheit aller Menschen heute und in der Geschichte war eher die Unterernährung als die Überernährung ein Problem. Ausserhalb von Eliten hat erst das 20. Jahrhundert mit seiner Massenproduktion und Transportmöglichkeiten sowie mit vorproduzierten Nahrungsmitteln eine weite Überernährung ermögicht. Die parallele Zunahme von Überernährung auch in Ländern der dritten Welt und Hungerepidemien weist auf eine Verteilungsproblematik hin.
Aber nicht nur Menschen, sondern auch Haustiere wie Hunde und Katzen sind in den westlichen Ländern teilweise überernährt.
Ursachen
Eine notwendige Bedingung für die Überernährung ist die Versorgung mit ausreichenden Nahrungsmitteln.
Grundlegend für eine ausgewogene Nahrungsaufnahme ist ein Ausgleich zwischen Hunger- und Sättigungsgefühl, einem unbewussten Mechanismus, der sich als genetische Anpassung des Menschen an seine vorgeschichtliche Umwelt verstehen läßt. Dieser Mechanismus entstand im Umfeld der Jäger- und Sammlerkulturen, als der Zugang zu Nahrungsmitteln schwieriger war als in sesshaften oder modernen Kulturen und als die Nahrungsmittel im Mittel einen geringeren Kaloriengehalt hatten.
Ein Problem moderner Nahrungsmittel ist ein hoher Kaloriengehalt, mit der Folge, dass ein Sättigungsgefühl erst später eintritt als bei der Aufnahme einer gleichen Menge weniger kalorienhaltiger Nahrung. Die Folge ist, dass mehr Kalorien mit einer Mahlzeit aufgenommen werden.
Ein zweiter Unterschied moderner Nahrungsmittel ist ihre schnellere Verdauung: Zucker und Stärke gehen schnell in die Blutbahn über, und werden, falls sie nicht gebraucht werden, als Fett gespeichert. Der leere Magen-Darm-Trakt signalisiert dann ein Hungergefühl, so dass die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme bei leicht verdaulichen Nahrungsmitteln steigt.
Weiterhin ist die gefühlsmäßige Nahrungsaufnahme des Menschen an körperlicher Betätigung angepasst. Um eine Überernährung zu vermeiden, muss ein etwa vorwiegend sitzend arbeitender Mensch seine Nahrungsaufnahme reduzieren.
Unerklärt ist die beobachtete Variabilität in den Essgewohnheiten von Menschen einer Gesellschaft. Auch bei überreichlicher Nahrungsverfügbarkeit pflegt nur ein Teil der Bevölkerung in unterschiedlichem Ausmaß Überernährung. Es werden sowohl eine genetische Variabilität als auch Erziehungsmethoden, Lebensstil, kulturelle Normen und psychologischer Druck für diese Unterschiede verantwortlich gemacht.
Literatur
- Claus Leitzmann: Welternährung zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Die globale Ernährungssituation. Biologie in unserer Zeit 31(6), S. 408 - 416 (2001), ISSN 0045-205X
Siehe auch
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