Überrest
Ein Überrest ist zunächst etwas Übriggebliebenes. In der Geschichtswissenschaft meint man damit eine unabsichtliche Überlieferung im Unterschied zur Tradition.
Zu unterscheiden sind:
- konkrete Überreste, z.B. Skelette, Gebrauchsgegenstände, z.B. Werkzeug, Gräber, Bauten, Kunstwerke
- abstrakte Übereste, z.B. Sprache, Institutionen, Sitten und Bräuche, Namen
- abstrakte Überreste auf konkretem Substrat, d.h. im Wesentlichen Schriftdokumente für den täglichen Gebrauch, die ohne Überlieferungsabsicht für die Nachwelt produziert worden sind. Beispiele sind: Urkunden, Akten, Werke der Dichtkunst.
Der Vorteil der Überreste für die Quellenkritik ist, dass sie nicht ein durch Absicht verfälschtes Bild liefern. Der Nachteil ist, dass sie erst durch methodische Aufarbeitung und Interpretation für historische Fragestellungen verwertbar gemacht werden müssen.
Zu beachten ist, dass - insbesondere im Mittelalter - viele Überreste, insbesondere Urkunden, gefälscht und auch verfälscht worden sind, zwar nicht um das Geschichtsbild zu verfälschen, aber um einen rechtlichen Vorteil in Gegenwart und Zukunft zu erlangen. Damit stellen diese Fälschungen aber in sich wieder eine Quelle dar, die von historischem Interesse sein kann.
