Übersetzung (Sprache)

Unter Übersetzung versteht man in der Sprachwissenschaft

  1. die Übertragung eines schriftlichen Textes von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache; sie wird auch als Übersetzen bezeichnet
  2. das Ergebnis dieses Vorgangs

Die Übersetzung fällt gemeinsam mit dem Dolmetschen unter den Betriff Sprachmittlung. Der Unterschied liegt darin, dass beim Übersetzen schriftlich und beim Dolmetschen mündlich gearbeitet wird.

Inhaltsverzeichnis

Problemstellungen

Idealerweise wählt der Übersetzer jene Ausdruckweise in der Zielsprache, die ein Muttersprachler in derselben Kommunikationssituation gebrauchen würde.

Nicht immer kann ein Wort in der Ausgangssprache durch ein Wort in der Zielsprache 1:1 ersetzt werden (wie z.B. bei Farben oder Zahlen), oft müssen größere Sinneinheiten als ganzes übertragen werden (z.B. Sprichwörter, Höflichkeitsfloskeln u.Ä.) Die Wahl der richtigen Übersetzungseinheit ist also eine der Techniken, die sich Übersetzer aneignen müssen.

Zwei Sprachen unterscheiden sich aber auch auf formaler Ebene. Oft gibt es in der Ausgangssprache Wörter, die in der Zielsprache fehlen. So gibt es im Schwedischen keinen Oberbegriff "Großvater", sondern nur "Großvater mütterlicherseits" (morfar) und "Großvater väterlicherseits" (farfar) und im Französischen oder Englischen gibt es keinen Ausdruck für "Betriebsblindheit". Aber auch beim Satzbau oder dem bevorzugten Gebrauch von Zeitwort- oder Hauptwortkonstruktionen gibt es Unterschiede. Wenn der Übersetzer die Strukturen der Ausgangssprache stur in die Zielsprache überträgt, wirkt die Übersetzung unter Umständen gekünstelt und unidiomatisch. Die englische Formulierung "it's nice and warm" würde zum Beispiel wörtlich übertragen mit "es ist schön und warm" ziemlich "undeutsch" klingen. Idiomatisch wäre dagegen "es ist schön warm". Ebenso ist "bread and butter" ein "Butterbrot" und nicht "Brot und Butter". Bei der Übersetzung müssen daher auch Fragen der Stilistik berücksichtigt werden.

Oberster Grundsatz ist dabei: "So wörtlich wie möglich, aber so frei wie nötig übersetzen".

Neben den sprachlichen Unterschieden muss auch die Textsorte und die Zielgruppe der Übersetzung berücksichtigt werden, denn eine wissenschaftliche Abhandlung wird anders formuliert als eine Zeitungskolumne.

Manchmal kann der Grundsatz, die Übersetzung soll eine Ausdruckweise enthalten, die ein Muttersprachler gebrauchen würde, nicht verwirklicht werden, z.B. bei Eigennamen und Sachverhalte, die es in der Zielsprache nicht gibt. Dann stellt sich die Frage, ob die Ausgangskultur durchscheinen soll? Wie übersetze ich Rhythmik und Ausstrahlung eines Textes? Eine weitere Frage ist, wie man mit Fehlern in den Quelltexten umgeht.

So legt die technische Übersetzung beispielsweise Wert auf das Muttersprachen- und Ziellandprinzip, wogegen es für die Übersetzung von Romanen in der Regel sinnvoll ist, den kulturellen Hintergrund der Ausgangssprache soweit möglich zu bewahren.

Übersetzungswerkzeuge

Die Maschinelle Übersetzung (MT) ist der Versuch, ohne "menschliche" Mithilfe mittels eines Computerprogrammes Übersetzungen automatisch durchzuführen. Die Textqualität solcher computererzeugten Übersetzungen reicht aber an Humanübersetzungen nicht heran. Lediglich stark normierte Texte wie z.B. Wettervorhersagen lassen sich gut maschinell übersetzen (das wird im zweisprachigen Kanada praktiziert). Der Fortschritt beim menschlichen Übersetzen besteht in der Entwicklung von Übersetzungshilfen: Terminologiedatenbanken und Übersetzungsspeicher, die in einem zu übersetzenden Text Formulierungen automatisch erkennen, die schon einmal übersetzt und gespeichert wurden, und die die gespeicherte Übersetzung dann im Textverarbeitungsprogramm zur Übernahme vorschlagen. Auch das Internet hat zur Verbesserung der Übersetzungsqualität beigetragen, da ein Übersetzer dort überprüfen kann, ob eine Formlierung in der Zielsprache möglich oder in der jeweiligen Textsorte üblich ist, auch wenn er keinen Muttersprachler für mündliche Auskünfte an der Hand hat.

In der MAHT (Machine-Aided Human Translation) oder auch CAT (Computer Aided Translation) benutzt ein professioneller Übersetzer ein Translation Memory, in dem bereits übersetzte Sätze gespeichert sind. Für den professionellen Einsatz von Translation Memories ist das übersetzungsgerechte Schreiben des zu übersetzenden Textes eine wichtige Arbeitserleichterung für den Übersetzer.

Das Produkt einer Translation (Übersetzung) wird als Translat bezeichnet.


Gängige Vorurteile gegenüber Übersetzungen sind:

Richtig ist:

Einen guten Einblick in die Übersetzungspraxis mit Übersetzungsbeispielen gibt anhand von Herman Melvilles "Moby Dick" ein Artikel von Dieter E. Zimmer

Weblinks

Siehe auch

Falsche Freunde, AAMT, Terminologie, Software-Lokalisierung, Bibelübersetzung, Schematransformation und -integration

See also: Übersetzung (Sprache), AAMT, Bibelübersetzung, Computer Aided Translation, Computerprogramm, Dolmetscher, Falsche Freunde, Herman Melville, Maschinelle Übersetzung, Moby Dick