Übersetzungsgerechtes Schreiben

Die meisten heute verfassten technischen Dokumente werden aufgrund der Internationalisierung der Märkte in mehrere Sprachen übersetzt. Dabei machen eine Reihe von Aspekten eine Übersetzung technischer Dokumente erforderlich:

Es besteht ein deutlicher Handlungsbedarf, technische Dokumente den internationalen Gegebenheiten anzupassen, da Sprachprobleme reale und messbare Konsequenzen hervorrufen können [1]. Denn juristische Folgen, wie wir sie besonders aus Fällen des amerikanischen Marktes kennen, sind sehr einfach messbare Konsequenzen.

Aber auch weniger medienwirksame Folgen von Übersetzungsproblemen verdeutlichen den Handlungsbedarf. Technische Dokumentationen, die ohne internationale Ausrichtung verfasst worden sind, bedingen häufig

Und schließlich bewirkt eine nicht übersetzungsgerechte Dokumentation eine Abnahme der Übersetzungsqualität, was oftmals noch durch zu enge Zeitpläne verschärft wird: Kaum einhaltbare Zeitvorgaben verhindern den erforderlichen Spielraum des Übersetzers für Recherchen oder Korrekturen, die ihrerseits häufig durch schlechte Qualität in den Quelldokumenten notwendig werden.

Inhaltsverzeichnis

Warum übersetzungsgerechtes Schreiben?

Viele der genannten Probleme können durch ein übersetzungsgerechtes Schreiben bereits im Vorfeld vermieden werden. So hält eine leichtere Verständlichkeit des Textes nicht nur den Aufwand für Recherchen von Seiten des Übersetzers minimal, sondern hat auch positive Auswirkungen für das dokumentierte Produkt.

Darüber hinaus unterstützen übersetzungsgerechte Ausgangsdokumente den effizienten Einsatz maschineller Übersetzungswerkzeuge, wie etwa von Translation-Memory-Systemen. Nicht zuletzt dadurch werden die Durchlaufzeiten zur Erstellung mehrsprachiger technischer Dokumentationen erheblich verkürzt.

Eine übersetzungsgerechte Dokumentation reduziert also nicht nur den Übersetzungsaufwand, sondern auch die inhaltlichen Fehler und die Gesamtkosten.

Der Übersetzungsprozess

Zum Verständnis übersetzungsgerechten Schreibens ist das Verständnis des Übersetzungsprozesses unabdingbar.

Der Übersetzungsprozess beginnt nicht erst mit der Übergabe der Dokumente an das Übersetzungsbüro, sondern bereits mit der Erstellung der technischen Dokumentation. Der Prozess kann in die Teilschritte Internationalisierung, Lokalisierung und Nachbearbeitung unterteilt werden, für die der technische Redakteur zuständig ist.

Mit einer Internationalisierung soll erreicht werden, dass ein Dokument bereits im Entstehungsprozess möglichst kulturneutral formuliert und gestaltet ist. Dazu zählen Formalien, wie z.B. die landesübliche Anrede, sowie die Verwendung kulturneutraler nonverbaler Mittel, wie z.B. international anerkannter Piktogramme. Eine spätere Anpassung eines solchen Dokumentes an die Gegebenheiten des Ziellandes erfordert damit nur noch einen geringen Aufwand [2]. Die Internationalisierung ist in diesem Sinne der erste Schritt des übersetzungsgerechten Schreibens.

Der nächste Schritt, die Lokalisierung, erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen Übersetzer und technischem Redakteur. Dieser Arbeitsschritt beinhaltet die Anpassung der Dokumentation an die Gegebenheiten des Ziellandes. Man kann hier zwischen einer so genannten Oberflächenlokalisierung und einer Tiefenlokalisierung unterscheiden [2]. Bei der Oberflächenlokalisierung findet lediglich eine Anpassung der Sprache, Währung und Einheiten sowie deren Umrechnung statt. Bei der Tiefenlokalisierung werden zudem kulturelle Aspekte berücksichtigt und es wird zielgruppengerecht übersetzt.

Die Schreibweise des englischen Wortes für "Farbe" verdeutlicht dies: Die Lokalisierung des Wortes ins amerikanische Englisch ergibt die Schreibweise "color" und ins britische Englisch die Schreibweise "colour". So muss auch ein in britischem Englisch verfasster Text für die Verwendung in den USA lokalisiert werden, um dort die Benutzer zielgruppengerecht anzusprechen [1].

Die Nachbearbeitung umfasst schließlich die Kontrolle und gegebenenfalls die Anpassung und Korrektur des lokalisierten Textes im Layout des Enddokuments.

Maschinelle Übersetzungswerkzeuge

Der Übersetzungsprozess kann maßgeblich durch maschinelle Übersetzungswerkzeuge unterstützt werden. Häufig werden Translation-Memory-Systeme (TMS) eingesetzt, die einen neuen Ausgangstext mit bereits vorliegenden Übersetzungen vergleichen und Übereinstimmungen von Sätzen und Formulierungen bis zu einem bestimmten Grad identifizieren. Satzteile bis hin zu Textblöcken können als "bereits übersetzt" oder "teilweise übersetzt" erkannt und entsprechend schneller übersetzt werden. TMS arbeiten auf Grundlage von Terminologiedatenbanken, die nicht auf einzelne Wörter beschränkt sind und auch in komplexen Sätze nach Übereinstimmungen suchen können.

Ein wichtiger Aspekt für ein effizientes Arbeiten mit TMS ist eine konsistente Verwendung von Formatvorlagen, um die Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen und die Nacharbeit möglichst gering zu halten. Ebenso ist die Einhaltung von Konventionen in der Textdarstellung für den Übersetzter bei der Arbeit mit TMS sehr hilfreich [3].

Programme für maschinelles Übersetzen (MÜ) werden für eine automatische Übersetzung von Texten eingesetzt. Das maschinelle Übersetzen spielt derzeit jedoch noch keine große Rolle, da die Komplexität von Sprache nicht ausreichend abgebildet und somit nicht ausreichend analysiert werden kann [2; 4]. Es handelt sich dabei um eine Technologie, die nur unter sehr strengen Rahmenvorgaben (beispielsweise eine stark reglementierte Sprache) wirtschaftlich einsetzbar ist. Maschinelles Übersetzen erfordert somit ein recht hohes Maß an Nacharbeit.

Unter Beachtung bestimmter Vorgaben sind maschinelle Übersetzungswerkzeuge als effiziente Hilfsmittel in der Übersetzung einsetzbar. Insbesondere TMS werden bereits sehr erfolgreich eingesetzt. Wichtig ist die Verwendung einer konsistenten Terminologie sowie konsistente Formulierungen bei der Erstellung von Dokumenten [2].

Kontrollierte Sprache

Eine auf diese Art eingeschränkte Sprache wird häufig als kontrollierte Sprache bezeichnet. Als Merkmale sind zum einen ein reduzierter Wortschatz und zum anderen die Anwendung eines ausgewählten Bereichs der Grammatik zu nennen. Ein einheitliches sprachliches Regelwerk als Basis könnte folgende Rahmenbedingungen vorgeben [5]:

Ähnlich wie es auch bei Programmiersprachen der Fall ist, sollte der technische Redakteur versuchen, seine Texte nach klaren Strukturen und grammatischen Regeln aufzubauen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Sie Kausalsätze immer nach demselben Satzbau gliedern sollten. Genauso sollten Sie Überschriften einheitlich formulieren, also entweder nominal ("Öffnen der Motorhaube") oder verbal ("Motorhaube öffnen") [3].

Zusammenfassend ergeben sich durch die Verwendung einer kontrollierten Sprache die folgenden Vorteile [2; 4: 5; 6]:

Insbesondere im Hinblick auf den Einsatz von TMS und MÜ in der Übersetzung ist die Erstellung technischer Dokumente für eine multilinguale Zielgruppe in einer kontrollierten Sprache das Mittel der ersten Wahl.

Arbeiten mit Übersetzungssystemen

Aber nicht nur die fachlich-inhaltliche Umsetzung spielt beim übersetzungsgerechten Schreiben ein Rolle, sondern auch das Wissen über die Werkzeuge des Übersetzers. So bestimmen die Kenntnisse des technischen Redakteurs über die Arbeitsweise von Übersetzungssystemen die Qualität der Dokumentation in der Zielsprache mit.

Der erste Schritt ist die terminologische Konsistenz der Texte zur Verbesserung der Trefferquote. So sollten Sie beispielsweise bindend festlegen, ob Komposita zusammengeschrieben oder durch einen Bindestrich getrennt werden. Ebenso sind Vereinbarungen über Darstellungen und Formate für Handlungsbeschreibungen festzulegen, da einzelne Direktformatierungen bei TMS zu einer zusätzlichen Unterteilung von Sätzen führen, also die Trefferquote verringert würde.

Indexmarken unterteilen ebenfalls Sätze und können die Identifikation von übereinstimmenden Segmenten verhindern. Dasselbe gilt für Grafiken, die innerhalb eines Satzes platziert sind. Setzen Sie also nach Möglichkeit Textmarken am Satzanfang oder am Satzende und platzieren Sie Grafiken als Marginalie außerhalb des Textes [3].

Regelvorschläge

Regeln, nach denen technische Dokumente im Hinblick auf übersetzungsgerechtes Schreiben verfasst werden sollten, lassen sich wie folgt zusammenfassen [3; 6]:

Fazit

Zum übersetzungsgerechten Schreiben gehören neben den Forderungen nach Verständlichkeit und Konsistenz des Ausgangstextes insbesondere die Kenntnisse über die eingesetzten maschinellen Übersetzungswerkzeuge. Je besser ein Text auf eine automatisierte Verarbeitung zugeschnitten ist, desto schneller, preiswerter und von einheitlicherer Qualität wird eine Übersetzung in eine beliebige Sprache erfolgen können.

Literatur

[1] Hoft, Anne: International Technical Communication. New York: Wiley 1995.

[2] Göpferich, Susanne: Interkulturelles Technical Writing. Tübingen: Narr 1998.

[3] Göpferich, Susanne: Verständlich und übersetzungsgerecht schreiben. tekom-Workshop am 18. November 2000 in Karlsruhe.

[4] Lehrndorfer, Anne: Kontrolliertes Deutsch. Tübingen: Narr 1996.

[5] Willaschek, Detlef: Untersuchungen zur Verständlichkeit von AECMA Simplified English. Saarbrücken: Universität des Saarlandes 1997.

[6] Nübel, Jutta: Teamarbeit zwischen Technischem Redakteur und Übersetzer: Optimierung der Schnittstellen. In: technische kommunikation Heft 5/1999, S. 4-7.

Weblinks

Weitere Informationen zu

Ursprüngliche Autorenschaft

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Jens Hasler für transline - Übersetzungsdienst für technische Übersetzung - geschrieben, und von Marc Mittag in Wikipedia mit Genehmigung von transline veröffentlicht.

See also: Übersetzungsgerechtes Schreiben, Internationalisierung, Konsistenz, Lokalisierung, Maschinelle Übersetzung, Sprache, Technischer Redakteur, Terminologie, Terminologische Datenbank, Translation Memory