Ulcinj

Ulcinj (alb. Ulqini, ital. Dulcigno) ist die südlichste Stadt Montenegros und liegt an der Adria nahe der Grenze zu Albanien. In Ulcinj leben 30.000 mehrheitlich albanisch sprechende Einwohner. Sie sind zum Teil Muslime, zum Teil bekennen sie sich zur katholischen oder zur orthodoxen Kirche.

Es gibt eine sehr schöne Altstadt und direkt bei ihr ist der Stadtstrand gelegen. Das Stadtbild zeigt die türkische Vergangenheit am deutlichsten. Zahlreiche Minarette überragen das Stadtbild.

Tourismus

Ulqinj ist touristisch gut erschlossen und es gibt eine Vielzahl Hotels und Pensionen. Im Sommer übertrifft die Zahl der Gäste die der Einwohner bei weitem. Ausserhalb der Stadt beginnt der große Strand der bis zur albanischen Grenze eine Länge von 13 Kilometern erreicht. Somit ist er der längste Strand an der ganzen Adriaküste des ehemaligen Jugoslawien. Dazu gehört auch das FKK-Gebiet auf der Insel Ada an der Mündung des Flusses Bojana. Der Großteil der Sommergäste kommt aus dem nahegelegenen Albanien angerreist.

Geschichte

Die ersten namentlich bekannten Bewohner der Gegend um Ulcinj waren die Illyrer. In der Antike bestand eine Siedlung griechischer Kolonisten, die - so haben archäologische Grabungen ergeben - im 5. Jahrhundert v. Chr. zur Stadt Colchinion erweitert wourde. In der Zeit des Hellenismus stand der Ort unter dem Einfluss der verschiedenen kurzlebigen illyrischen Königreiche und gelangte 163 vor Chr. als Olcinium (= Stadt der Olcinjaten, ein illyrischer Stamm) unter römische Herrschaft. Unter diesem Namen wird Ulcinj bei Plinius dem Älteren in den Naturalis historiae zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Während römischer Herrschaft war Ulcinj eine befestigte Siedlung römischer Bürger. Sie hatte den status eines oppidum civium Romanorum und wurde später municipium - also eine eigenständige Stadt römischen Rechts.

Nach der Teilung des Römischen Reiches fiel Ulcinj mit der Provinz Praevalis an Ostrom und die Bewohner nahmen das Christentum an. In der Spätantike war Ulcinj Bischofssitz, der mit Unterbrechungen bis zum Beginn der Türkenherrschaft im 16. Jahrhundert existierte.

Ulcinj gehörte im 9. und 10. Jahrhundert und dann wieder im 12. Jahrhundert zu den serbischen Reichen Duklja und Raszien. nach der Jahrtausendwende Duklja und des Nemanjica-Staates. Er wird zum bedeutenden Handels‑ und Seefahrtszentrum des Raska-Staates. Im Mittelalter stand Ulcinj zeitweise unter venezianischer Herrschaft, meist war die Stadt faktisch unabhängig. Ihre Einwohner, die Dulcinoten (ital.) waren gefürchtete Piraten in der Adria. Von 1571 bis 1880 Jahrhundert war Ulcinj Teil des Osmanischen Reiches.

[[Bild:Ulcinj.JPG|thumb|400px|left|Ulcinj und die Mündung der Bojana ]] Im Krieg mit der Türkei hat Montenegro am 20. Januar 1878 Ulcinj erobert. Beim Abschluss des Vorfriedens von San Stefano wurde Ulcinj von den Russen aber wieder der Hohen Pforte zugestanden, während Montenegro nur ein paar Dörfer am Shkodrasee bekam. Der Berliner Kongress revidierte die Vereinbarungen von San Stefano auch in Bezug auf Ulcinj und sprach die Stadt Montenegro zu. Der Sultan weigerte sich aber die Stadt zu räumen. Erst nach Intervention der Großmächte, unter anderem durch eine gemeinsame Flottendemonstration vor der türkischen Küste gaben die Osmanen nach. Am 30. 11. 1880 wurde Ulcinj nach langem diplomatichen Hin und Her endgültig dem Fürstentum Montenegro angeschlossen.

Weblinks

See also: Ulcinj, Adriatisches Meer, Albanien, Albanische Sprache, Berliner Kongress, Bojana, FKK, Illyrer, Montenegro, Plinius der Ältere