Universelles Leben

right|thumb|300px|Hauptsitz des Universellen Lebens in WürzburgUniverselles Leben ist der Name einer Neuen religiösen Bewegung die unter den Neuoffenbarungsbewegungen eingeordnet wird. Ursprünglich Heimholungswerk Jesu Christi, seit 1984 Universelles Leben, abgekürzt UL.

Inhaltsverzeichnis

Organisation

An der Spitze des Universellen Lebens steht, nach wie vor, die als Prophetin verehrte Gabriele Wittek, deren angebliche Offenbarungen neben der Bergpredigt die Glaubensgrundlage bilden und als verbindlich gelten.

Die einzelnen Gemeinden werden als „Christuszellen“ bezeichnet, deren Mitglieder intensive Kontakte zueinander pflegen.

Das Universelle Leben unterhält Schulen, Krankenhäuser und einen Verlag. Von Anhängern des Universellen Lebens geführte Betriebe (von denen sich viele der biologischen Landwirtschaft widmen) sind in einer eigenen "Interessengemeinschaft" zusammengefasst. Diese Betriebe sind jedoch meist nicht offiziell mit dem Universellen Leben verbunden.

Das Universelle Leben finanziert sich nicht durch Kirchensteuern (wozu ihnen der rechtliche Status fehlen würde) oder andere staatliche Zuwendungen, sondern ausschließlich durch Spenden von Mitgliedern und die obengenannten Betriebe.

Geschichte

Nach dem Tod der Mutter habe Gabriele Wittek die ersten „inneren Worte“ gehört. Nach einem Jahr erscheint die Mutter ihrer Tochter, und im Rahmen eines spiritistischen Kreises glaubt Gabriele Wittek, mit ihr sprechen zu können. Frau Wittek erlebt später weitere Erscheinungen: ein Geistwesen „Bruder Emmanuel“ begegnet ihr und schließlich Jesus Christus persönlich. Am 18. April 1987 habe Christus in einer großen Offenbarung u.a. über den „Inneren Weg“ gesprochen.

Verbreitung

Genaue Zahlen sind schwer anzugeben, da es beim Universellen Leben keine formelle Mitgliedschaft gibt.

Georg Schmid in "Kirchen, Sekten, Religionen" schätzt die Anzahl der Anhänger weltweit auf 100.000, davon 40.000 in Deutschland.

Andere Schätzungen gehen von etwa 10 000 Mitgliedern weltweit aus, von denen 3000 im Raum Würzburg leben,

Die Tätigkeit des Universellen Lebens konzentriert sich auf Bayern, die Organisation ist aber auch in anderen Regionen Deutschlands sowie in Österreich und in der Schweiz aktiv.

Lehre

Das Universelle Leben versteht sich als die urchristliche Glaubensgemeinschaft, die an die Lehre Jesu Christi anknüpft. Bibel und christliche Tradition sind nach der UL-Lehre von den Kirchenvätern bewusst verfälscht worden und erst vom UL wieder hergestellt.

Die Einzelheiten der Lehre berufen sich auf Offenbarungen, die die Gründerin Gabriele Wittek nach ihren Aussagen seit den Siebzigerjahren von ihrem persönlichen Schutzengel, von verschiedenen Geistwesen, darunter Bruder Emmanuel und von Jesus Christus empfangen hat. Gabriele Wittek, intern auch die Prophetin genannt, gilt bei den Anhängern des Universellen Lebens als größter Prophet seit Jesus von Nazareth.

Die Lehre setzt sich aus christlichen, hinduistischen und gnostischen Elementen zusammen, wobei christliche und hinduistische Begriffe oft mit neuen Inhalten gefüllt werden.

Gott gilt als unpersönliches Prinzip, als „Äther", der alles Sein durchdringt und in sich alle positiven und negativen Kräfte birgt. Diese „Urkraft“ habe Geistwesen wie „Gott-Vater“ und „Gott-Sohn“ geschaffen, aber auch das weibliche Prinzip „Satana“, das gegen Gott rebellierte. Es sei zu „Lucifer“ geworden und habe Anhänger um sich gesammelt, die als „Fallwesen“ bezeichnet werden. Diese „Fallwesen“ seien zu Menschen materialisiert. Das Geistwesen „Christus“ habe als menschliche Hülle Jesus einen Funken der „Urkraft“ in jeden Menschen gepflanzt. Somit sei jede Seele wieder Teil des Göttlichen geworden. Diese „Heimholung“ durch Jesus Christus bestehe also darin, den materiell belasteten Funken in das reine „universelle Leben“ zurückzuholen. Der Mensch müsse durch viele Wiedergeburten, und so sein Karma, die Summe aller guten und bösen Taten aus allen Leben, erarbeiten. Christus habe zwar das „Menschheitskarma“ getilgt, aber jeder einzelne müsse sich selbst erlösen.

Gemäß den Offenbarungen von Gabriele Wittek sind in der Bibel Fälschungen, Verdrehungen und Widersprüche vorhanden. Vorbehaltlos als wahr annerkannt und als Richtschnur für ethisches Handeln genommen wird nur die Bergpredigt.

Weitere Offenbarungen besagen, dass die christlichen Kirchen sich vom Urbild der christlichen Kirche weit entfernt und die christliche Lehre verfälscht hätten.

Charakteristisch für die Lehre des Universellen Lebens ist auch der starke Glaube an einen nahen Weltuntergang, an den sich ein „tausendjähriges Reich des Friedens“ anschließen werde. Ob ein bestimmter Mensch in dieses Reich treten dürfe, bestimme sein Karma, das sich während seiner Zeiten als materialisiertes Wesen herausgebildet habe. Dieses drohende Weltende erfordert intensive Mission.

In den Offenbarungen fordert Christus auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Aktivitäten, deren Erfolg sich als direkte Folge des richtigen Glaubens einstelle.

Gottesdienst und Praxis

Die Veranstaltungen des Universellen Lebens werden in viele Orte, die sie "Orte der urchristlicher Begegnung" nennen, ins In- und Ausland übertragen.

Die Mitglieder sind angehalten täglich längere Zeit zu meditieren.

Um den Zustand des "fortgeschrittenen Gott-Menschen" schneller zu erreichen, wird von den Anhängern erwartet, dass sie "irdischen Dingen" wie Drogen und bestimmten Lebensmitteln wie Fleisch oder Kaffee völlig entsagen, beim Geschlechtsverkehr Zurückhaltung üben und vom Universellen Leben "offenbarte" Therapien zur Heilung verschiedener Krankheiten einsetzen. Die Großfamilie in Wohngemeinschaften wird als Ideal angesehen.

Angeworben werden neue Anhänger vielfach mit Werbeaktionen, die etwa eine vegetarische Lebensweise propagieren und eine Geschäftsstelle der Sekte als Quelle für weiter gehende Informationen anpreisen.

Nach eigener Darstellung der Organisation wird jeglicher Fanatismus bezüglich all dieser Dinge abgelehnt. Vielmehr solle jeder Mensch nach bestem Wissen und Gewissen freiwillig und aus Überzeugung handeln.

Ökumene

Jede Art von Ökumene wird vom Universellen Leben abgelehnt, weil sich die andern Kirchen sich im Laufe der Jahrhunderte stark vom Idealbild der Urkirche entfernt und so die Lehre Jesu Christi verfälscht hätten.

Aus Sicht der christlichen Kirchen handelt es sich um eine synkretistische Neuoffenbarerreligion mit einigen christlichen Elementen.

Synonyme und andere Sprachen

Organisationen und Betriebe die gemäß Kritikern organisatorisch oder ideell mit dem Universellen Leben verbunden sind oder von Mitgliedern betrieben werden:


Die Zeitschrift des Universellen Lebens heisst Der Christusstaat.

Das Universelle Leben ist nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Universal Life Church von Kirby Hensley.

Kontroversen

Im Jahr 2002 berichtete das Veganer-Magazin Voice (siehe Weblinks) über stark zunehmende Aktivitäten führender Mitglieder des Universellen Lebens innerhalb der deutschen Tierrechtsszene, unter anderm die "Initiative zur Abschaffung der Jagd" mit prominenten Fürsprechern. Weiterhin wurden Strukturen innerhalb des Universellen Lebens und das Verbindungsgeflecht der Organisation näher beleuchtet. Das Magazin erhielt mehrere Unterlassungserklärungen und Klagen vom UL, wegen des Titelblattes, Abbildungen desselben und einzelnen Formulierungen. Es existiert heute nicht mehr.

Kritik und Diskussionsversuche übergeht das UL gerne, indem es sich vergleicht mit historischen Beispielen von religiöser Verfolgung wie etwa Kreuzzüge, Ketzerverfolgung, Judenverfolgung, Inquisition, oder Hexenverbrennungen.

Manche Kritiker werfen dem UL totalitäre Strukturen vor. (vgl. Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes (Az. 7 CE 93.2403/M 7 E 93.1976) Quelle: [1] [2]).

Literatur

Pro:

Kontra:

Weblinks

Pro:

Kontra:

See also: Universelles Leben, Bayern, Bergpredigt, Bibel, Christentum, Deutschland, Droge, Fleisch, Geschlechtsverkehr, Gnostizismus