Unterschichtenfernsehen

Unterschichtenfernsehen ist eine zynische Bezeichnung für Sender und Sendungen mit geringem Anspruch.

Das Wort „Unterschichtenfernsehen“ wurde 2005 vom TV-Satiriker Harald Schmidt popularisiert. Er entnahm den Begriff einem Buch Paul Noltes, Generation Reform (Beck-Verlag, München 2004, ISBN 3-406-51089-2). Paul Nolte spricht von einer „neuen Unterschicht“, die jedoch nicht durch ihr niedriges Einkommen, sondern durch ihre mangelnde Bildung gekennzeichnet sei.

Nolte ist allerdings nicht Erfinder des Ausdrucks „Unterschichtenfernsehen“. Das Satiremagazin Titanic verwendete den Ausdruck zuerst in der Titanic-Ausgabe 9/1995 (S. 10).

Das Schlagwort löste eine öffentliche Diskussion aus, die mit dem Inhalt von Noltes Buch wenig zu tun hatte.

Das Wort „Unterschichtenfernsehen“ wurde vor allem im Rahmen der Medienkritik aufgegriffen. Hier wurde das Privatfernsehen kritisiert, mit Reality TV und sogenanntem Affektfernsehen anspruchslose, billig gemachte und geschmacklose Fernsehunterhaltung zu produzieren, die keinen Bildungswert besitzt und nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Vergleichbare Argumente werden allerdings gegen das Fernsehen vorgebracht, seit es existiert. Die Theorie der Kulturindustrie von Theodor Adorno und Max Horkheimer sowie die so genannte „Verdummungsthese“ des US-amerikanischen Medienkritikers Neil Postman gehören zu den bekanntesten Angriffen gegen die angeblich verdummende und manipulative Wirkung des Fernsehens.

Andererseits wurde das Wort „Unterschichtenfernsehen“ stark kritisiert, weil es (angeblich) der einkommensschwachen Unterschicht einen Mangel an Geschmack und Bildung unterstellt. Dieser Zusammenhang ist soziologisch gesehen sehr fragwürdig.

Die Bezeichnung „Unterschicht“ für sozial schwache Mitglieder der Gesellschaft gilt seit längerer Zeit als negativ belegt. Nach Ansicht von Kommentatoren hat die durch Sozialreformen ausgelöste Angst vor Armut dazu beigetragen, dass die Bezeichnung „Unterschichtenfernsehen“ öffentlich so heftig diskutiert wurde.

Die Diskussion führte sogar so weit, dass die ProSiebenSat.1 Media AG im April 2005 eine Studie vorlegte, die zeigen sollte, dass auch Gutverdienende und überdurchschnittlich Gebildete Privatfernsehen schauen. Die Interpretation der Daten durch die zu dem Konzern gehörige Vermarktungsgesellschaft SevenOneMedia ist jedoch umstritten.

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