Unzucht

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Der Begriff Unzucht bezeichnet abwertend ein bestimmtes menschliches Sexualverhalten das gegen das allgemeine Sittlichkeits- und Schamgefühl verstößt.

Der Sachverhalt ist unklar und lässt sich ohne weiteres nicht deutlich umgrenzen. Historisch gesehen meint er das aktive Handeln, das den Menschen vom Status der Reinheit in den Status der Unreinheit bringt.

Früher wurden z.B. die Masturbation, der voreheliche Sex, gleichgeschlechtlicher Sex oder der Ehebruch als Unzucht bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Der Bundesgerichtshof entschied noch 1962, dass der Beischlaf unter Verlobten Unzucht und deren Förderung durch das Zurverfügungstellen einer Wohnung als Kuppelei strafbar sei.

§180 Reichsstrafgesetzbuch von 1871: Wer gewohnheitsmäßig oder aus Eigennutz durch seine Vermittlung oder durch Gewährung oder Verschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vorschub leistet, wird wegen Kuppelei mit Gefängnis bestraft; auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, sowie auf Zulässigkeit von Polizei-Aufsicht erkannt werden.

Im StGB findet sich der Begriff "Unzucht mit Minderjährigen" übrigens nicht mehr. §176 bezieht sich auf "Sexuellen Missbrauch von Kindern".

Österreich

Der Begriff der Unzucht kommt im Strafgesetzbuch nur noch im § 220A vor, der die Werbung für Unzucht mit Tieren unter Strafe stellt.

USA

In den USA wird Unzucht juristisch als (vaginaler) heterosexueller Verkehr zwischen zwei unverheirateter Personen definiert und wurde als Verbrechen geahndet. Inzwischen wurden die meisten dieser Gesetze widerrufen oder werden heute nicht mehr ernsthaft durchgesetzt.

Islam

In vielen muslimischen Ländern gilt Unzucht als Kapitalverbrechen und kann sehr hart bestraft werden. Siehe Schari'a.

Bibel

Der Ausdruck wird häufig verwendet im biblischen Zusammenhang, wo er der Interpretation weiten Raum bietet. Die Bibel bezeichnet mit dem Begriff Unzucht auch eine dem Menschen eigene Veranlagung, die Befolgung von Gottes Wort zu verfehlen.

Vergangenheit. Geschichtliche Relativität

„Unzucht“ – so scheint es – ist als solche weitgehend zeitabhängig und relativ. Was in einer Zeit als zivilisierte Lebensart („Zucht“) galt, oder toleriert wurde, ist es im Wertesystem einer anderen Zeit nicht, wird umgewertet und verfolgt (=Un-Zucht).

Beispiele:

Das Christentum setzte neue moralische Maßstäbe und brandmarkte diese Formen der Sexualität als Unzucht.

In der Folge wurde Unzucht ein rechtlicher Begriff für sexuellen Missbrauch von Personen. Dabei unterschied man von der Notzucht (Vergewaltigung): Die Unzucht waren sämtliche Delikte, die den gültigen sexuellen Sittlichkeitsnormen widersprachen.

Umgangssprachlich wurde der Begriff der Unzucht für alle anderen sexuellen Verhaltensweisen verwendet, die nicht dem heterosexuellem Umgang innerhalb der Ehe entsprachen.

Als Gewerbsunzucht wurde dem entsprechend die Prostitution bezeichnet.

Die Aktualität in der Gegenwart

Die Sprache der Gegenwart hat sich von dem Wort „Unzucht“ weitgehend verabschiedet. Gleichwohl hat der Sachverhalt, dass durch bestimmte menschliche Verhaltensweisen Tabus gebrochen werden und auf heftigen emotionalen Widerstand stoßen, offenkundig nichts eingebüßt. Diese Verhaltensweisen werden als eklatante Verletzungen des sozialen Miteinanders angeprangert. Sie werden anders benannt. Die heute für den Ausdruck „Unzucht“ gebrauchten Begriffe umfassen eine Bandbreite von Präsidentenaffäre bis Kinderschänderskandal.

Ein zeitgemäßer adäquater "Unzuchts"-Begriff wäre noch zu finden.

Siehe auch

Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Rechtsthemen!

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See also: Unzucht, 1962, Antike, Beischlaf, Bibel, Bundesgerichtshof, Ehebruch, Gott