Uriel Acosta
Uriël Acosta (auch: Uriel da Costa; * 1585; † 1640) war ein jüdischer Philosoph und Theologiekritiker.
Uriël Acosta wurde vermutlich 1585 in Porto unter dem Namen Gabriël da Costa in einer Familie geboren, die nach 1497 zur Konversion vom Judentum zum Katholizismus gezwungen worden war. Der junge, katholisch sozialisierte Gabriël da Costa studierte an der Universität Coimbra von 1604 bis 1608 kanonisches Recht und bekleidete danach die Funktion eines Schatzmeisters in einer Kirche seiner Heimatstadt. Der Druck der Inquisition auf die Conversos und Marranen zwang die Familie zwischen 1612 und 1615 zur Flucht nach Amsterdam, wo sie zum sephardischen Judentum zurückkehrte, und Gabriël den Namen Uriël Acosta annahm.
Dort entwickelte er eine rationalistische Kritik am rabbinischen Judentum, welche er in seinen Schriften Propostas contra a tradicao (1616) und Examen das tradicoems phariseas conferidas com a Ley Escrita (1624, eine Polemik gegen den Arzt und Philosophen Semuel da Silva) darlegte. So kritisierte Acosta beispielsweise die Vorstellung von einer unsterblichen Seele und bezeichnete die jüdische wie die christliche Religion als Menschenwerk ohne einen Anspruch auf die ewige Wahrheit. Ebenso lehnte Acosta die vielfältigen religiösen Regeln und Vorschriften des Judentums für das tägliche Leben ab.
Zwischenzeitlich hielt Acosta sich auch in Hamburg, wo er das erste Mal 1618 von der dortigen Gemeinde gemassregelt wurde und in Utrecht auf. Nach mehreren Ausschlüssen aus der Amsterdamer sephardischen Gemeinde und darauffolgenden Wiederaufnahmen nahm Acosta sich 1640 in Amsterdam das Leben. Neben seinen philosophischen Schriften verfasste Acosta einen Exemplar Humanae Vitae betitelten autobiographischen Text.
Uriël Acostas Schriften inspirierten u.a. den Philosophen Baruch Spinoza; als literarische Figur erscheint er in Karl Gutzkows Drama Uriel Acosta (1846) und in Robert Menasses Roman Die Vertreibung aus der Hölle (2001).
Werke
- Examen das tradicoems phariseas com a Ley Escritas (1624)
- Exemplar humanae vitae
- Propostas contra a tradicao (1616)
Literatur
- Karl Gutzkow: Uriel Acosta (1846)
- Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle (2001)
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