Urum

185px|thumb|Georgisches Siedlungsgebiet der Urum

Eine kleine turksprachige Minderheit im Kaukasus, der Südwestukraine, der Krim und dem Balkan bilden die Urum (Eigenbezeichnung: Urum, Pl. Urumları).

Als Alternativbezeichnung ist aus der deutschen Turkologie auch Graeko-Tataren bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Ethnische Herkunft

Die Angehörigen dieser Volksgruppe sind aus ethnischer Sicht als Griechen (türkisch Rum = Grieche) anzusehen, deren Vorfahren (rund 9.600 Menschen) um das Jahr 1780 die tatarische Sprache annahmen. Sie siedelten schwerpunktmäßig in Abchasien, als sie vom georgischen König aufgefordert wurden, in die Gebiete der in das Osmanische Reich abgewanderten Abchasier und Tscherkessen zu kommen.

Kopfzahl und Religion

Die Volksgruppe der Urum umfaßt heute rund 13.000 Menschen. Die Urum sind bis heute griechisch-orthodoxe Christen.

Geschichte

1780 wurden die griechischen Vorfahren der heutigen Urum nach Georgien geholt, wo sie als Christen die zwischenzeitlich islamsierten Tscherkassen und Abchasier ersetzen sollten. Doch waren diese anatolischen Griechen bereits sprachlich vom „Osmanentum“ stark beeinflusst; teilweise sprachen sie bereits türkisch.

In den neuen Siedlungsgebieten kamen die Urum mit den Nogaier-Tataren und anderen turkstämmigen Völkern in Verbindung. Sie nahmen nun endgültig das Tatarische als Muttersprache an, ohne jedoch ihren Glauben aufzugeben. Besonders groß war hier der Einfluss des Krimtürkische auf die Sprache der Urum. Heute gilt diese Variante des Tatarischen als engste Verwandte urumischen Sprache.

Nach der Unterwerfung des Krimkhanates und der anschließenden Unterdrückung der Turkotataren durch die Russen zogen zwischen 1821 und 1825 auch große Teile der Urum in den Kaukasus und nach Ostanatolien. Heutiges Hauptsiedlungsgebiet bildet der Süden Georgiens (wo sie im 19. Jahrhundert abwanderten und sich in der Nähe der meschetischen Siedlungsgebiete niederließen) und der Osten der heutigen Türkei (Trapezunt, Giresun, Erzurum und Kars).

Besonderheit in Georgien

Bei Volkszählungen werden die Urum in Georgien aufgrund ihres griechisch-orthodoxen Glaubens stets als „Griechen“ und nicht als Turkvolk aufgeführt.

See also: Urum, 1780, 1821, 1825, 19. Jahrhundert, Abchasien, Anatolien, Balkan, Christen, Erzurum