Vaudeville

Das Wort Vaudeville leitet sich wahrscheinlich vom französischen "Vau de Vire" (Tal der Vire in der Normandie) ab, wo Olivier Basselin um die Mitte des 15. Jahrhunderts lustige, in seiner Heimat viel gesungene Trinklieder dichtete. Eine andere Definition führt es auf "voix de ville" (Stimme der Stadt) zurück.

Als Vaudeville wurde dann derbe Unterhaltung und Volkslieder ab ca. 1715 in Paris bezeichnet. Heute bezeichnet es meist ein (satirisches, spottendes) Musiktheater, in dem kleine Lieder nach bekannten Melodien in die Dialoge eingearbeitet sind.

Geschichte

Als Theaterstil wird das Vaudeville oft auch als "Varieté" bezeichnet. Es begann populär zu werden in den 1880er-Jahren mit dem Wachsen der Industrie in Nord-Amerika und erlebte seinen Niedergang ab den 1920er-Jahren mit dem Aufkommen des Tonfilms und des Radios und der großen Depression in den 1930er-Jahren.

Ein erstes Theater für das Vaudeville wurde 1865 in Manhattan von dem Impressario Tony Pastor eröffnet. Eine ganze Kette von Theatern gehen auf Benjamin Franklin Keith zurück. Im Vaudeville traten eine ganze Reihe unterschiedlicher Künstler auf: Musiker, Komödianten, Magier, Tierdresseure, Akrobaten und Gymnastikkünstler, Bauchredner und viele mehr. Darunter waren so bekannte Personen wie W. C. Fields, Buster Keaton, die Marx Brothers, Edgar Bergen mit seiner Puppe Charlie McCarthy und die "Drei Stooges", die allesamt ihre Karrieren im Vaudeville-Theater begannen. Sogar gestandene Schauspieler, wie z.B. Sarah Bernhardt, ergänzten manchmal ihr Einkommen durch das Auftreten in Vaudeville-Shows.

In Großbritannien wurde dieser Theatermix mehr als "Music Hall" bezeichnet, wohingegen dort der Begriff "Vaudeville" einen eher anrüchigen Charakter bekam durch das Einbeziehen von Strip-Shows und erotischen Tänzen (dieses wurde dann wiederum in Amerika als "burlesque" bezeichnet). Ein in Deutschland bekannter englischer Vaudeville-Künstler ist Freddie Frinton, dessen Dinner for One (die am meisten wiederholte Fernsehsendung der TV-Geschichte) auf eine Vaudeville-Akt zurückgeht.

Das Vaudeville kennzeichnete in den USA auch die Einführung des so genannten "Big Business" in die Welt der populären Unterhaltung. Verschiedene Vaudeville-Ketten kämpften um die Vorherrschaft auf dem Unterhaltungsmarkt. Sie legten ein genaues Regelwerk an, was in den Shows gezeigt werden durfte und was nicht und sie engagierten Vollzeit-Künstler, die von einem Theater zum anderen reisten. Diese Ketten scheuten sich auch nicht, sich untereinander die besten Künstler abspenstig zu machen.

Weblinks

See also: Vaudeville, Bauchredner, Buster Keaton, Dinner for One, Freddie Frinton, Manhattan, Marx Brothers, Musiktheater, Paris, Sarah Bernhardt