Verantwortungsethik

Die Verantwortungsethik zielt auf die Verantwortbarkeit der Folgen des Handelns bzw. der Ergebnisse ab. Im Gegensatz zur Gesinnungsethik stellt sie die tatsächlichen Ergebnisse der Handlung über das Motiv und die Absicht der Handlung.

Beispiel: Ein reiner Verantwortungsethiker wird Spenden für Lebensmittellieferungen an Hungernde in Afrika wahrscheinlich ablehnen, wenn nicht gleichzeitig wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um das dortige Bevölkerungswachstum zu hemmen, da sonst zu erwarten wäre, daß zukünftig pro Jahr mehr Menschen leiden und verhungern als dies jetzt der Fall ist. Auch wird der Verantwortungsethiker berücksichtigen, welche positive Wirkung man durch eine alternative Spendengelderverwendung hätte erzielen können. Bei begrenzten Ressourcen sind also verantwortungsethisch die Maßnahmen vorzuziehen, welche den größtmöglichen Erfolgs/Wirkungs-Koeffizienten haben, oder aber (abgeschwächte Form) die vorhandenen Ressourcen sind nach diesem Koeffizienten (und nicht gleichmäßig!) zu verteilen, letzteres u.a. aus folgendem Grund:

Ein Problem für das Handeln entsprechend der Verantwortungsethik ist die oft mangelhafte Voraussagbarkeit bzw. Abschätzbarkeit der Folgen und Ergebnisse.

Z.B. könnte bei obigem Beispiel passieren, dass der Papst oder eine Regierung den Widerstand gegen bestimmte Verhütungsmethoden nach einer gewissen Zeit aufgibt. Andererseits könnte eine Verringerung von Lebensmittelhilfslieferungen (oder bereits dessen Androhung) dazu führen, dass eine bestimmte Regierung schneller auf eine langfristig tragfähige Politik umschwenkt. Oder es könnte verantwortungsethisch sogar geboten sein, dass die Welt in einem nicht mehr regierbaren Staat oder unmenschlich regierten Staat interveniert. In der Vergangenheit passierte dies jedoch selten aus reiner Verantwortungsethik bzw. Menschenliebe.

Ein weiteres Problem ist das Fehlen einer einheitlichen Hierarchie von Werten. Verantwortungsethiker unterschiedlicher Schulen bzw. philosophischer Richtungen bzw. Kulturen können also zu vollkommen unterschiedlichen Ergebnissen kommen, es sei denn sie einigen sich auf bestimmte Kriterien wie z.B. die Weiterentwicklung oder das Wohl der gesamten Menschheit (was auch erfordert, zu defininieren, wie diese(s) gemessen werden soll, und mit welcher (wissenschaftlicher) Methodik Prognosen gemacht werden sollen bzw. wie diese interpretiert werden sollen). Wenn ein psychisch kranker Diktator solche Überlegungen alleine anstellt, mag er z.B. wie Hitler zur Überzeugung gelangen, dass eine Vorherrschaft tugendhafter Arier über die Welt nicht nur für Deutschland gut sein würde, und daß zur Erreichung dieses Ziels alle Mittel rechtens sind.

Nach Max Weber ist es Aufgabe politisch Handelnder, eine Balance zwischen Verantwortungsethik und Gesinnungsethik zu finden.

Siehe auch

Ethik, Moral, Verantwortung

Literatur

Max Weber, Politik als Beruf (1919) ISBN 315008833X

Weblinks

Max Weber, Politik als Beruf - Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik

See also: Verantwortungsethik, Arier, Ethik, Gesinnungsethik, Hierarchie, Hitler, Koeffizient, Max Weber, Moral, Ressourcen