Vereinigungskirche

Die Vereinigungskirche wurde vom Koreaner San Myung Mun gegründet und versteht sich als die Vereinigung aller Kirchen. Jesus hat nach ihr seinen Auftrag nicht vollendet, weil er durch seine Kreuzigung keine Gelegenheit mehr hatte, eine Familie zu gründen. Mun hat die Aufgabe übernommen, mit seiner (zweiten) Frau alles zu Ende führen. Bekannt wurde die "Kirche" vor allem durch die Massenhochzeiten (Fussballstadion Seoul oder New Yorker Madison Square Garden), die immer wieder stattfinden, vor allem in Korea. Dabei werden die Brautleute füreinander von Moon bestimmt.

Die Moon-Sekte ist auch für ihre - von manchen als faschistisch bezeichneten - Ansichten bekannt. Junge Mitglieder müssen ohne Bezahlung für den Moon-Konzern arbeiten (zum Beispiel Andenken in den Abendstunden in Kneipen verkaufen). Der Moon-Konzern hält einen großen Anteil am weltweiten Ginseng-Handel.

Die in Deutschland aktive Studentenorganisation der Vereinigung nennt sich CARP.

Die Vereinigungsbewegung ist Inhaber der konservativen US-amerikanischen Tageszeitung The Washington Times und der US-amerikanischen Presseagentur United Press International.

Inhaltsverzeichnis

Wer ist San Myung Mun?

Der Gründer und Führer der „Unification Church“ und einer Vielzahl verbundener Organisationen wurde am 6. Januar 1920 in Chongiy, Provinz Nord-P'yŏngan, im heutigen Nordkorea, geboren. Laut eigenen Angaben erscheit ihm, als er 16 Jahre als ist, am Ostermorgen – seine Eltern sind vor 6 Jahren zum Christentum übergetreten – Jesus Christus während eines Gebets und trägt ihm auf, sein Werk – die Erlösung der Menschheit – zu vollenden.

Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges verbringt er einige Zeit in Japan, wo er Elektrotechnik studiert. Anschließend taucht er in verschiedenen christlichen Gruppen Koreas auf.

Während des Koreakrieges verlässt er spontan seine Familie (er hatte damals schon einen Sohn und war verheiratet) und geht nach Nordkorea. Dort schließt er sich einer christlichen Gruppe an, die von einer Frau geleitet wurde, die angeblich regelmäßige Gottesoffenbarungen erhielt. In dieser Zeit wird er mehrmals verhaftet, verhört und gefoltert, weil Religion zu dieser Zeit von den Kommunisten unterdrückt wurde, besonders Sekten wurden verfolgt. Schließlich wird er zu 5 Jahren Haft in einem Arbeitslager in Tong Nee verurteilt. Nach 3 Jahren wurde er aus dem Arbeitslager entlassen, denn das Lager wurde von UNO-Truppen befreit. Seitdem ist er erklärter Gegner des Kommunismus.

1950 zieht er nach Busan (Südkorea), wo er vier Jahre später die „Gemeinschaft vom Heiligen Geist zur Vereinigung des Weltchristentums“, dem Vorläufer der Vereinigungskirche, gründet. In dieser Zeit werden seine Lehren (Die Göttlichen Prinzipien) aufgeschrieben und in systematisierter Form veröffentlicht.

Den koreanischen Behören zufolge gab es vier Hochzeiten. Nach offiziellen Angaben der Kirche nur zwei, außerdem gibt es noch einen Sohn Moons, den er mit einem jungen Mitglied unehelicherweise zeugte. Die heutige Ehefrau von Mun heißt Hak-Ja Han Mun, geboren am 6. Januar 1942. Sie ehelichte Moon am 15. April 1960, war also erst 18 Jahre alt und 22 Jahre jünger als er. Nicht nur in Korea erregte die Eheschließung großes Aufsehen. Er nannte die Eheschließung "prophezeit" und interpretierte sie als die "Heilige Hochzeit" des Lammes der Johannesapokalypse (19,6-10), womit sie für Kirchenmitglieder als absolut legitim gilt. Sie haben 12 Kinder miteinander, von denen zwei nicht mehr leben. Der zweitälteste Sohn kam bei einem Autounfall ums Leben, ein weiterer Sohn nahm sich offensichtlich 2001 das Leben. Die meisten sind bereits verheiratet und haben selbst Kinder.

Wegen einer zweiten Erscheinung Jesu Christi am 1. Januar 1972, in welcher ihm aufgetragen wird, die Welt auf den neuen Messias (wie Moon sich selber bezeichnet) vorzubereiten, zieht er in die USA, um von dort aus die Gemeinschaft vom Heiligen Geist zur Vereinigung des Weltchristentums zu leiten.

Der Führer der Vereinigungskirche San Myung Mun hat in Deutschland seit 1995 Einreiseverbot, das seitdem regelmäßig verlängert und für alle Staaten des Schengener Abkommens gilt. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz hat am 19. Juni 2002 das Einreiseverbot bestätigt, weil es nicht, wie von der Vereinigungskirche vorgetragen, die Religionsfreiheit verletze und deshalb Bestand haben könne.

Die Ideologie und der Glaube der Mun-Sekte

Die Lehre der VK beruht auf einer Bibelinterpretation, die inspiriert ist durch die Offenbarungen Muns. Sie ist eine missionarische Erlösungsreligion. Die zentralen Themen sind das Ideal (drei Segen), der Sündenfall und die Wiederherstellung des Ideals.

Das Ideal: Die Drei Segen

Die Stelle 1. Moses 1:28 wird von Mun so interpretiert, dass Gott den ersten Menschen drei Segen gab: a) fruchtbar zu werden, b) sich zu vermehren und c) die Erde zu erobern. Nach der Lehre Muns bedeutet das a) Vollkommenheit zu erreichen, b) eine vollkommene Familie zu gründen und c) eine vollkommene Welt aufzubauen.

Der Sündenfall

Vor dem Erreichen der persönlichen Vollkommenheit fielen die Menschen in Unglauben und wandten sich von Gott ab. Die in der Bibel geschilderte Szene vom Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wird von der Vereinigungslehre als unerlaubte sexuelle Handlung interpretiert. Diese Sünde vererbt sich nach den Vorstellungen der VK an all ihre Nachkommen (die gesamte Menschheit) über die physische Blutslinie weiter. Demnach sind alle Menschen grundsätzlich Kinder des Bösen.

Die Wiederherstellung

Die VK interpretiert die Geschichte der Menschheit als Wiederherstellungsgeschichte, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten abläuft. Das bezieht sich nicht auf die biblische, sondern auch auf die historische Geschichte und schließt die Gegenwart mit ein. Die Heilsgeschichte wird durch zentrale Figuren vorangebracht, die biblische Heilsgestalten des Alten wie Neuen Testaments, aber auch historische Gestalten wie Karl der Große, Martin Luther oder Philosophen wie Kant mit einbezieht. Selbst der Erfinder des Kommunismus (Marx) spielt eine, wenn auch negative, Rolle. Diese Personen und ihre Missionen finden ihre Vollendung in der Gestalt und den Taten Muns.

Im Vergleich zu Jesus Christus ist Mun der vollkommenere Messias, da er den sog. Plan Gottes – eine vollkommene Familie zu gründen – erfüllt hat, Jesus hingegen – in den Augen Muns – starb vor der Erfüllung seiner Aufgabe.

Die Lehre der VK sieht das irdische Leben nur als Vorbereitung auf das Jenseits an, bei dem man durch sein Verhalten, durch seine Taten und auch durch Gedanken und Worte den Ort bestimmt, an welchem man in der Geistigen Welt verweilt.

Da Mun sich selbst als Gottes Sohn sieht, ist er von der ursprünglichen Sünde (von Adam und Eva) befreit. Durch eine Zeremonie, in welcher mittels eines Tropfens seines Blutes – in vielen 100 Litern Wein – diese ursprüngliche Sünde wiederum von anderen Menschen genommen werden kann, befreit er die Menschheit. All diejenigen, welche diesem Ritual beiwohnen, sind fest davon überzeugt, dass sie nun reingewaschen sind. Sie sind nun Teil der göttlichen und wiederhergestellten Blutslinie. (Holy Wine Ceremony)

Heiraten ein Mann und eine Frau der göttlichen Blutslinie, so entsteht eine „gesegnete Familie“. Die Kinder, welche aus dieser Ehe hervorgehen, nennt man „gesegnete Kinder“. Es ist ausgeschlossen, dass sich „gesegnete Kinder“ mit nicht gesegneten Menschen verbinden (Sex haben), da sonst die Sünde erneut begangen wird. Ein „gesegnetes Kind“, das sich sexuell mit einem Nicht-Moonie (von der satanischen Blutslinie) einlässt, ist „gefallen“. Es gibt nach der Lehre Muns keine Möglichkeit, einem Gefallenen die Reinheit wiederzugeben. Es darf auch nicht mehr ins Himmelreich eintreten, sondern muss in der Hölle schmoren.

Ein „gesegnetes Kind“ darf erst dann heiraten – und wenn, dann auch nur innerhalb der VK – wenn die Eltern oder es selbst sich als bereit für die „Segnung“ betrachten.

Die Massenhochzeiten der Mun-Sekte sind in den 70ern und 80ern mit viel Misstrauen und Verachtung betrachtet worden. Dabei werden über 10.000 Paare gleichzeitig vom Ehepaar Mun gesegnet (deswegen „Segnung“) und bekommen somit die Erlaubnis, sich zu vermählen. Bei diesem Vorgang bekommen die Mitglieder auch den „Holy Wine“, sofern sie nicht schon „gesegnete Kinder“ sind. Gefallene haben keine Chance auf die Segnung mit anderen „gesegneten Kindern“ mehr. Sie dürfen die Sünde nicht weitergeben.

Die „gesegneten Kinder“ werden auch die Zweite Generation genannt. Deren Eltern, aber auch diejenigen, die erst später eingetreten sind, nennt man die Erste Generation.

Rituale

Wie in allen großen Weltreligionen sind nicht alle Familien der Mun-Sekte gleichermaßen „fromm“, jedoch sind einige Rituale in jeder Familie eingewurzelt. Die Quellen dieser Rituale und Veranstaltungen sind meine eigene Erfahrung und die meiner Eltern und anderer VK-Mitgliedern.

Tätigkeiten

Organisation

Neben dem Reinheitsgebot gibt es noch 2 weitere Regeln: Weder Alkohol noch andere Drogen wie zum Beispiel das Rauchen sind erlaubt. Es wird gelehrt, dass solche Drogen den Körper zerstören und andere negative Auswirkungen haben. So könne es unter Einfluss von Alkohol zum Beispiel durchaus passieren, ohne es wirklich zu wollen und zu wissen, das Reinheitsgebot zu brechen.

1. Stufe: Kinderworkshops Kinder im Grundschulalter werden eine Woche lang von ihren Eltern getrennt und in einem Zentrum der VK (z.b. Camberg im Taunus) behalten. Dort werden sie in kleine Gruppen (ca. 4-8 Kinder, Jungen und Mädchen getrennt) aufgeteilt, die jeweils von einer „Gruppenmama/Gruppenpapa“ (ein VK-Mitglied, dass sich freiwillig für diese Aufgabe meldet) betreut. Jeder Gruppe denkt sich einen netten Namen für sich aus und verbringt fast den ganzen WS (Workshop) gemeinsam. Es werden nur wenige Aktivitäten mit allen Gruppen gleichzeitig unternommen, damit in der kleinen Gruppe eine Art Familiengefühl entsteht. Gegessen wird in großen Esssälen, davor wird gebetet und gesungen. Natürlich werden die allgemeinen Riten wie das Gelöbnis am Sonntag beibehalten. Es werden verschiedene Aktivitäten angeboten, z.b. Schwimmen gehen, Holzarbeiten, Töpferei, Seidenmalerei, Theater-AGs etc. Jeden Tag bekommen die Kinder drei Unterrichtseinheiten von 45 Minuten mit 15 Minuten Pause dazwischen. Geschlafen wird in großen Sälen, Männer und Frauen getrennt, d.h. alle Mädchen und Frauen in einem Saal, alle Männer und Jungen in einem anderen.

2. Stufe: Junior HARP WSs In diesen WSs werden junge Menschen intensiv in die VK-Lehre eingeführt. Der Junior HARP-WS für Mitteleuropa findet in Holland statt und geht eine Sommerwoche lang. Der WS ist insgesamt etwas strenger als der Kinder-WS: man muss früher aufstehen, die Unterrichtseinheiten sind länger und komplizierter. Auch hier werden die Jugendlichen in Gruppenaufgeteilt (bis vor 3 Jahren nach Jungs und Mädchen getrennt), die allerdings von älteren HARP-Mitgliedern geleitet werden. Angeboten werden immer noch viele Freizeitaktivitäten, diesmal allerdings konzentrierter auf der gemeinschaftlichen Ebene, z.B. Kinobesuche, Diskussionsrunden, Stadtbesichtigungen in kleineren Gruppen, eine Band-AG etc. Die Unterrichtseinheiten (Lectures) werden entweder von älteren HARPies oder Erwachsenen gehalten. Bei Junior-HARP-WSs ist die Besprechung des Sündenfalls ein besonders wichtiges Anliegen für die Eltern der Kinder, damit die jungen Leute die Sünde nicht wiederholen und sich damit den Weg für die Segnung verwehren. Die Schlafsäle sind hier aufgeteilt in mehrere Jungen- und Mädchenschlafsäle, die Gruppenleiter werden jeweils in Zimmer für junge Frauen und für junge Männer (also auch hier getrennt!) aufgeteilt.

3. Stufe: HARP-WSs Nachdem man in die Prinzipien oberflächlich eingeführt wurde, geht man in den Lectures bei diesen WSs sehr intensiv auf die einzelnen Punkte der Ideologie ein. Da sowohl Gruppenleiter als auch Teilnehmer im gleichen Alter (ca. 14-20 Jahre) sind, wird bei der Schlafzimmerverteilung nun kein Unterschied mehr zwischen ihnen gemacht. Wohl aber immer noch bei der strengen (jetzt besonders strengen) Teilung der Herren- und Damenschlafsäle. Oft befinden sich diese auf verschiedenen Stockwerken oder – wenn möglich – in anderen Gebäuden. Die Teilnehmenden werden nun ganz in die Lectures einbezogen und es steht ihnen frei, jederzeit selbst eines zu halten. Beliebte Themen neben den „Göttlichen Prinzipien“ sind wiederum die Testimonies, aber auch Fragen wie: „Was tun, wenn ich mich verliebt habe?“, oder: „Wieso habe ich so wenig Freunde in der Schule?“. Es werden auch reine Mädchen-WS und Jungen-WS angeboten, damit man möglichst unter dem gleichen Geschlecht bleibt, um nicht auf unreine Gedanken zu kommen. Zusätzlich zu den Sommer-WSs werden auch Winter-WSs, Faschings-WSs, Herbst-WSs aber auch sog. HARP-Core-WSs angeboten. Die HARP-Core ist die Zeitschrift der HARP, die von HARP-Mitgliedern geleitet, gedruckt und geschrieben wird. (Anhang: ein Exemplar der HARP-Core)

4. Stufe: CARP-WSs Mit etwa 20 Jahren wird man Mitglied der CARP. Als solches muss man bestimmte Bedingungen erfüllen wie beispielsweise einen 21-tägigen Segnungs-Vorbereitungs-WS. Ohne diesen absolviert zu haben, wird man zur Segnung nicht zugelassen.

Weblinks


See also: Vereinigungskirche, 1. Januar, 15. April, 1920, 1942, 1960, 1972, 6. Januar, Busan, Japan