Vergiftung (Erste Hilfe)
Dieser Artikel behandelt die Maßnahmen der Ersten Hilfe bei Vergiftungen. Allgemeine medizinische Infos findet man im Artikel Vergiftung
| Inhaltsverzeichnis |
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1.1 Aufnahme über den Verdauungsweg |
Ursachen
Aufnahme über den Verdauungsweg
- Unbewußte Einnahme bei Kindern. Bei Kindern kommt es am häufigsten zu Vergiftungen durch Medikamente, gefolgt von Tabak, Reinigungsmitteln und Giftpflanzen.
- Versehentliche Einnahme giftiger Substanzen aufgrund von Verwechslungen, weil diese zum Beispiel in Lebensmittelgefäßen gelagert sind.
- Übermäßige Einnahme von Substanzen, zum Beispiel bei einer Alkoholvergiftung
- Beabsichtigte Einnahme aufgrund eines Suizidversuches.
Aufnahme über die Atemwege
- Gase, zum Beispiel Gas im Haushalt oder Autoabgase
- Dämpfe, zum Beispiel aggressive Pflanzenschutzmittel
- Aerosole, zum Beispiel Sprühnebel von Insektiziden oder Desinfektionsmitteln
Aufnahme über den Blutkreislauf
- Injektionen
- Tierbisse, Stiche
Aufnahme über die Haut
- Kontaktgifte
Erkennen
Symptome einer Vergiftung sind:
- Plötzlich auftretende Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Bewusstseinstrübung
- Erregungszustände, Schock
- Bewusstlosigkeit, Atemstörung, Atemstillstand, Herz-Kreislauf-Stillstand
- bei Kontaktgiften (z.B. Schädlingsbekämpfungsmittel): Krämpfe, Lähmungen, vermehrter Speichelfluß (blau und schaumig)
Zur Identifizierung des Giftstoffes schauen Sie sich am Notfallort um, ob Sie Verpackungen, Pflanzenreste o.ä. entdecken. So läßt sich die Ursache oft schnell ermitteln.
Besonderheiten bei Kindern
Kinder sind besonders von Vergiftungen gefährdet, da sie Vieles in den Mund nehmen. Außerdem tritt das Problem auf, dass kleine Kinder Beschwerden nicht oder nicht differenziert artikulieren können.
Maßnahmen
Generell ist das Schema der Rettungskette der Ersten Hilfe auch hier zu beachten.
Absichern und Eigenschutz, Notruf
Wie bei jeder Maßnahme der Ersten Hilfe sind zunächst Maßnahmen zum Eigenschutz zu treffen. Es hilft niemandem, wenn Sie sich auch noch selbst in Gefahr bringen. Zunächst ist nach Möglichkeit die Gefahrenquelle zu beseitigen. Ist dies nicht möglich, so ist die betroffene Person unverzüglich aus der Gefahrenzone zu bringen, da die Schwere der Vergiftung maßgeblich durch Konzentration und Dauer der Gifteinwirkung beeinflusst wird.
Notruf / Vergiftungszentralen
Dann sollte schnellstmöglich der Notruf erfolgen. Dabei sind neben den normalen Angaben auch folgende Angaben wichtig:
- Angaben zu den aufgenommenen Giften (Art, Konzentration)
- Angaben zum Zeitpunkt und der Dauer der Giftaufnahme
- Angaben zu Symptomen und ergriffenen Maßnahmen
Für Vergiftungsfälle gibt es in vielen Regionen einen spezialisierten Notruf, die so genannten Vergiftungszentrale:
- Deutschland: 030/19 240
- Österreich: 01/406 43 43
- Schweiz: 145 (Aus dem Ausland: +41 1 251 51 51)
Kontrolle der Vitalfunktionen
Wichtig ist gerade bei Vergiftungen eine kontinuierliche Kontrolle der Vitalfunktionen, da der gesamte Organismus durch die Vergiftung belastet wird.
bei Aufnahme über den Verdauungsweg
gibt es je nach eingenommener Substanz folgende Maßnahmen:
- Bei Säuren und aggressiven Substanzen: Wenn der Betroffene bei Bewußtsein ist, können die Gifte durch Einnahme von Flüssigkeit im Körper verdünnt werden. Am besten eignet sich Wasser, Milch ist ungeeignet! Keinesfalls darf Erbrechen ausgelöst werden, da dies zu einer weiteren Schädigung von Speiseröhre und Rachenbereich führen würde.
- Bei schaumbildenden Substanzen (vor allem Reinigungsmittel): Mäßiges Verdünnen durch Wasser. Das Entstehen von Schaum kann durch Einnahme von Speiseöl oder spezielle Medikamente ("SAB-Tropfen") gemindert werden. Um das Eindringen von Schaum in die Lunge zu vermeiden, darf kein Erbrechen ausgelöst werden.
- Bei anderen Giftstoffen: Erbrechen durch Auslösen des Brechreizes im Rachen. Dies sollte nur vom Betroffenen selbst unternommen werden, wenn er dazu in der Lage ist. Dann ist dem Patienten Hilfestellung zu geben. Das Erbrochene hilft bei der Analyse der Vergiftung und sollte daher, wenn möglich, aufgefangen werden.
bei Aufnahme über die Atemwege
- ist die Gefahr für den Helfer groß. Zum Einen kann er die Giftstoffe selbst einatmen, zum Anderen besteht oft Explosionsgefahr. Im Zweifelsfalle sollte die Rettung immer durch Rettungspersonal mit Atemschutzausrüstung erfolgen.
- Vermeiden Sie Feuer und elektrisches Licht.
- Vorsicht bei geschlossenen Räumen, Silos und Gruben, da sich hier schwere Gase ansammeln können!
- Sorgen Sie für ausreichende Belüftung.
bei Aufnahme durch Injektionen und Tierbisse
- Vor allem bei Injektionen gilt es, die betroffene Stelle zum Bluten anzuregen, damit das Gift nach Möglichkeit wieder aus dem Körper gelangt. Dazu wird um die betroffene Stelle herum gerieben, idealerweise durch leichte Stauung ein Blutfluss angeregt. Diese Maßnahme sollte 1 bis 2 Minuten durchgeführt werden; wenn vorhanden, die Stelle mit einem alkohol-haltigen Desinfektionsmittel benetzen, da dadurch viele Erreger abgetötet werden können.
bei Aufnahme über die Haut
- Achtung! Da die Gifte über die Haut auch in den Körper des Ersthelfers eindringen können (Kontaktgift), ist jeglicher Kontakt mit dem Gift und dem Patienten zu vermeiden!
- Erste Hilfe: Das Gift von der Haut entfernen (abwaschen) bzw. den Betroffenen dabei unterstützen. Darauf achten, dass es nicht zu einer Verteilung des Giftes auf größere Hautbereiche kommt. Soweit möglich, sollten dabei Handschuhe getragen werden. Sollte sich das Gift im Gesichtsbereich befinden (z. B. nach Einnahme von Pflanzenschutzmitteln), darf keine ungeschützte Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchgeführt werden.
Besonderheiten bei Kindern
- beruhigen des Kindes und selbst Ruhe bewahren.
- wenn das Kind ansprechbar ist, Mund öffnen und eventuell vorhandene Reste des Eingenommenen mit einem Finger auswischen.
- bei Säuglingen und Kleinkindern auf keinen Fall ein Erbrechen herbeiführen. Das sollte nur von einem erfahrenen Arzt mit einem speziellen Medikament ausgelöst werden.
- Das "Hausmittel" Milch kann bewirken, dass das Gift schneller ins Blut aufgenommen wird. Also Finger weg davon! Auch Salzwasser ist schädlich, da es den Elektrolyt-Haushalt des Kindes aus dem Gleichgewicht bringen kann.
- Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlücken und Mengen verdünnt das Gift.
weitere Maßnahmen durch Rettungsdienst bzw. im Krankenhaus
Manche Vergiftungen können mit spezifischen Gegengiften (Antidota) behandelt werden.
Siehe auch
- Vergiftung (medizinisch)
- Gift
- Überdosis
- Letale Dosis
- Erste Hilfe
Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
