Desertifikation
Desertifikation bezeichnet einen Prozess, der in ariden, semiariden und trockenen sub-humiden Gebieten eine Degradation (Verschlechterung) des Bodens bewirkt und damit zur Ausbreitung bzw. Entstehung von wüstenähnlichen Verhältnissen führt.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind weit über eine Milliarde Menschen und ca. ein Drittel aller landwirtschaftlich nutzbaren Flächen der Erde von Bodendegradation und damit von Desertifikation betroffen. Hauptbetroffen sind vor allem weite Teile Nordafrikas (Sahel), aber auch Südafrika, Zentral- und Südasien, Australien, Nord- und Südamerika und auch Südeuropa.
Ursachen
Die wesentlichen Ursachen der Desertifikation beruhen auf menschlichen Handlungen, die Desertifikation ist also anthropogen bedingt. Daneben spielen aber auch natürliche Schwankungen der Niederschläge, ihre Variabilität, eine Rolle, indem durch Dürreperioden ein Desertifikationsprozess ausgelöst oder verstärkt werden kann.
Der häufigste Eingriff des Menschen in den Naturhaushalt der Trockengebiete besteht in der Überweidung, das heisst, der Viehbestand pro Fläche ist unter den gegebenen trockenen klimatischen Verhältnissen zu groß. Durch das Weiden wird deshalb die Pflanzendecke immer schütterer und der Boden wird aufgelockert. Die Folge ist eine zunehmende Erosion, wodurch dem Pflanzenwuchs die Basis noch weiter entzogen wird.
An zweiter Stelle ist eine unangepasste ackerbauliche Nutzung zu nennen. Verkürzte Brachezeiten, fehlerhafte Bewässerungstechniken, die Erosion begünstigendes Pflügen auf geneigten Flächen senkrecht zur Hangneigung und ungeeignete Pflanzen sind Ursachen von Bodenveränderungen, die zu geringerem Bewuchs und damit stärkerer Erosion führen.
Schließlich ist auch die Entwaldung in Trockengebieten als wichtige Ursache der Desertifikation zu nennen. Die Gewinnung von Ackerland und der Bedarf an Brenn- und Bauholz haben in vielen ariden Gebieten der Erde den Baumbestand dramatisch reduziert.
Gegenmaßnahmen
Gegenmaßnahmen sollten sich nicht nur auf Wiederaufforstung oder die Anlage von Waldschutzstreifen beschränken, sie müssen vielmehr auch Maßnahmen zur Einschränkung des Bevölkerungswachstums umfassen. Weiterhin ist es notwendig, auch die ökonomischen und politischen Probleme der betroffenen Länder zu lösen, um eine wirksame und langfristige Bekämpfung der Desertifikation zu erreichen.Ein in der Entwicklungszusammenarbeit häufig diskutierter und vielversprechender Ansatz sind agroforstliche Maßnahmen. Dabei werden auf Ackerflächen Bäume gepflanzt. Diese bremsen einerseits die Erosionswirkung des Windes und andererseits mindern sie aufgrund ihrer Schattenwirkung die Verdunstungsverluste und steuern so der Aridifizierung des Bodens entgegen.
Siehe auch: Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung
