Viereckschanze

Als Keltenschanze oder Viereckschanze bezeichnet man die vor allem in Süddeutschland anzutreffenden Reste von quadratischen, manchmal auch rechteckigen, Gevierten mit Wall und umlaufendem Graben. Alleine in Bayern und Baden-Württemberg sind mehr als 300 dieser Anlagen bekannt. Daneben gibt es, wenn auch deutlich seltener, Viereckschanzen in der Schweiz, in Böhmen sowie in Nordfrankreich.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Die Seitenwälle sind zwischen 80 und 140 m lang. Davor liegt ein Graben, dessen Aushub für den Wall verwendet wurde. Die Wallecken sind daher überhöht. Alle Viereckschanzen weisen ein meist nach Westen oder Osten, niemals nach Norden gerichtetes Tor und eine meist als Brunnen oder Opferschacht gedeutete Schachtanlage auf. Die Innenfläche liegt oft häher als das Außenterrain, was jedoch auf eine natürliche Überprägung des Geländes zurückzuführen sein dürfte. Im Inneren der Wälle ist der natürliche Bodenabtrag durch Erosion geringer als im Umfeld. Neuere Grabungen zeigen, dass im Inneren oft ein wiederkehrendes Bauschema auftritt, bei dem in den beiden dem Eingang gegenüberliegenden Ecken Gebäude anzutreffen sind.

Forschungsstand

Nachdem lange Zeit nur wenige und zudem kleine archäologische Aufschlüsse aus Viereckschanzen vorlagen (Z.B. Oberesslingen, Fellbach-Schmiden, Tomerdingen), konnten zahlreiche Rettungsgrabungen der Denkmalpflege einige Anlagen vollständig untersuchen (z.B. Eningen, Riedlingen, Bopfingen, Heilbronn). Dabei ist es zunehmend gelungen auch das Umfeld der Schanzen zu berücksichtigen. Damit ist deutlich geworden, dass die Anlagen in ein größeres Siedlungsgefüge eingebunden waren. In einigen Fällen konnten Vorgängeranlagen mit einer einfachen Zaun- oder Palisadeneinfassung erfasst werden. Damit ist es möglich, die viereckschanzen als eine Weiterentwicklung der sogenannten "Herrenhöfe" der Urnenfelderzeit und der frühen Eisenzeit (Hallstattzeit) zu sehen, wie sie vor allem aus dem heutigen Südbayern bekannt sind. Angesichts der derzeitigen Einsparungen bei der Denkmalpflege ist es fraglich, inwieweit künftig neue Ergebnisse zu erzielen sind.

Ursprung und Funktion

Im 19. Jahrhundert wurden die Schanzen als römische Befestigungen oder Gutshöfe gedeutet, inzwischen kann man die Viereckschanzen der jüngeren La-Tène-Zeit zuordnen. Die Funktion der Bauwerke war jahrzehntelang heftig umstritten, die Theorien reichten von Verteidigungsbauwerken (wenige Unterstützer) über Heiligtümern (die lange favoriserte Theorie) bis zu Gutshöfen. In neuerer Zeit verdichten sich die Hinweise, dass sie in erster Linie als landwirtschaftliche Höfe dienten, aber auch sakralen Zwecken dienten. Sakralen Zwecken dürften Bauwerke gedient haben, deren Grundriss gallo-römischen Umgangstempeln ähnelt.

Vor allem in Esoterik-Kreisen blühen viele gewagte Interpretationen der Schanzen, etwa die von Gernot Geise aufgestellte These, dass mittels der in fast allen Schanzen zu findenden Schächte das Klima Mitteleuropas beeinflusst wurde. Wissenschaftlich sind solche Theorien indessen nicht ernst zu nehmen.

Literatur

Links

See also: Viereckschanze, Baden-Württemberg, Bayern, Esoterik, Gallorömer, La-Tène-Zeit, Schachtanlage, Süddeutschland