Virelai
Ein Virelai (von altfranzösisch virer, "drehen" oder "biegen") ist ein mittelalterliches Tanz- und Liebeslied. Seit etwa 1450 war es auch als eigenständige Gedichtform ohne Musik etabliert.
Es ist neben der Ballade und dem Rondeau eine der drei formes fixes (festen Formen) der altfranzösischen Lyrik. Es ist eine recht freie Form, in dem die Anzahl und die Länge der Strophen nicht vorgeschrieben ist. Am Beginn und am Ende des Virelais steht der Refrain, der nach jeder Strophe wiederholt wird.
Das Virelai war vom 13. bis zum 15. Jahrhundert eines der weitsetverbreiteten Liedarten. Guillaume de Machaut war einer der Meister der Form, 33 seiner Schöpfungen sind erhalten geblieben. Einige der ältesten virelais stammen von Jehannot de l'Escurel (†1304); Guillaume Dufay (†1474) steht am Ende der Tradition. eingeleitet durch einen Refrain, der nach jeder Strophe wiederholt wird.
Beispiel
Douce Dame Jolie von Guillaume de Machaut
- Douce dame jolie,
- Pour dieu ne pensés mie
- Que nulle ait signorie
- Seur moy fors vous seulement.
- Qu'adès sans tricherie
- Chierie
- Vous ay et humblement
- Tous les jours de ma vie
- Servie
- Sans villain pensement.
- Helas! et je mendie
- D'esperance et d'aïe;
- Dont ma joie est fenie,
- Se pité ne vous en prent.
- Douce dame jolie,
- Pour dieu ne pensés mie
- Que nulle ait signorie
- Seur moy fors vous seulement.
