Vishnuismus

Vishnuismus ist eine der drei Hauptrichtungen des Hinduismus (neben Shivaismus und Shaktismus), die als höchstes Allwesen und höchste Gottheit Vishnu annimmt, der alle anderen Götter untergeordnet sind.

Nach Vorstellung der Vaishnavas (Vishnuiten) kehrt Vishnu in zehn Inkarnationen (Avatara) dann auf die Welt, wenn Recht und Ordnung (Dharma) schwinden. Die zehnte Inkarnation (Kalkin) steht noch aus. Die Vorstellung von diesen Inkarnationen hatte sich bis zum 6.Jh. etabliert. Es entwickelte sich eine dem Kshatriya-Ethos verpflichtete, königliche, herrschaftsorientiert Vishnu-Mythologie, die vor allem in Gestalt der Inkarnation Rama, dem König von Ayodhya, sichtbar wird.

Neu am Vishnuismus war zu jener Zeit die Konzeption dieses Gottes als höchster und ein einzig wahrer wirklicher Gott, der die Welt und alle Wesen einschließlich der anderen Götter in sich trägt und hervorbringt. Neu war auch der Weg zur Erlösung: einerseits pflichtgemäßes und vor allem selbstloses Handeln in der Gesellschaft und andererseits bedingungslose Hingabe (Bhakti) an ihn, den Gott Vishnu. Bhakti wird zu einem wichtigen Teil der religiösen Praxis, vor allem die liebende Hingabe an die Inkarnationen Krishna oder Rama. Bhakti kennzeichnet die neue Beziehung zwischen Mensch und Gottheit, welche das vedische Opfer ablöst und zugleich die intellektuelle Suche nach erlösendem Wissen in eine starke emotionale Beziehung einbindet. Vor allem in der Bhagavadgita wird Bhakti-Yoga als einer der vier Wege zur Erlösung geschildert.

Im Gegensatz zum Shivaismus handelt es sich beim Vishnuismus um ein monistisches System, bei dem die Welt und ihre Erscheinungen auf ein einziges Prinzip zurückgeführt werden. Hier kommen die philosophischen Vorstellungen des Vedanta zum tragen.

Die Wurzeln des Vishnuismus reichen sehr weit zurück aber erst um 5.Jh. n.Chr. haben sich die verschiedenen Zweige des Krishna/ Vasudeva/ Narayana/ Vishnu-Kultes unter der übergreifenden Bezeichnung Vishnuiten (Vaishnava) vereinigt.

Die wichtigsten Texte des Vishnuismus:

Der Vishnuismus ist heute vielleicht die nach der Zahl der Gläubigen größte unter den indischen Religionen, dicht gefolgt vom Shivaismus. Er beherrscht heute den indischen Mittelstand und ist vor allem in Nordindien vertreten. Viele berühmte Menschen waren Anhänger Vishnus, so der Dichter Kabir, der Dichter Tulsidas oder Mahatma Gandhi, der Zeit seines Lebens ein Rama-Mantra benutzte.

Im 20. Jahrhundert fand der Krishna-Kult des Chaitanya, unter dem Namen Krishna-Bewusstsein internationale Verbreitung.

See also: Vishnuismus, Avatara, Ayodhya, Bhagavadgita, Bhagavatapurana, Bhakti Yoga, Chaitanya, Dharma, Hinduismus, Kabir