Vladislav Heinrich
Vladislav Heinrich (tschechisch Vladislav Jindřich) (* um 1160; † 12. August 1222 war ein Herzog von Böhmen und Markgraf von Mähren.
Der zweite Sohn des Vladislav II. und seiner Frau Judith von Thüringen erlebte seine Jugend in Zeiten der Streitigkeiten unter dem Geschlecht der Přemysliden. 1192 erhielt er vom Kaiser Heinrich VI. die Markgrafschaft und Herrschaft über Mähren. Nach zwei Jahren wurde ihm vom böhmischen Herzog die Macht wieder entzogen und er befahl ihm auf die Prager Burg, damit er ihm unter Aufsicht hatte. Er lebte dann auf dem Hof seines Cousins des Herzogs und Bischofs Heinrich Břetislav. Als 1197 der ältere Bruder von Vladislav Heinrich Ottokar I. in Böhmen einfiel vertraute ihm sein Cousin nicht und ließ ihm einsperren. Ein Jahr später stirbt der Herzog. Der böhmische Adel befreit Vladislav Heinrich und wählt ihm 23. Juni 1197 zum böhmischen Herzog. Auf diesen Titel erhob aber auch sein älterer Bruder Ottokar I. Anspruch, der im Dezember 1197 wieder in Böhmen einfiel. Alles sah nach einem Bruderkrieg aus. Damit die politische Instabilität, die durch stetige Machtstreitigkeiten innerhalb der Familie nicht weiter anwächst, tat Vladislav Heinrich etwas bis dorthin Einmaliges. Er verzichtete auf den Titel und alle damit verbundene Privilegien und Erbansprüche zugunsten seines Bruders.
1205 gründete Vladislav Heinrich das Kloster der Zisterzienser in Velehrad. Er wollte damit ein Zeichen der Zugehörigkeit mit Großmähren setzen. Dieses Kloster sollte gleichzeitig die Begräbnisstätte der Markgrafen werden.
Nach Verhandlungen innerhalb der Familie wurde er 6. Dezember 1197 zum ersten mährischen Markgraf. Seine Nachfolger sollten diesen Titel durch Erbrecht behalten. Im Goldenen Bulletin aus dem Jahre 1212 wird Mähren dann stillschweigend als ein neuer Bestandteil des Königsreichs vereinnahmt. Vladislav Heinrich erhält vom Kaiser symbolisch einen Teil von Sachsen, damit er auch weiterhin zu den kaiserlichen Herzögen gezählt werden kann.
Er arbeite politisch eng mit seinem Bruder, dem böhmischen Herzog, zusammen. 1216 erlassen Sie ein Dokument, in dem das Prinzip der Primogenität (Erstgeburt) für die Nachfolge auf dem Thron festgelegt wird. Damit sollen die Zwistigkeiten und Intrigen während der Wahlen beseitigt werden. Vladislav Heinrich tritt hier als Zeuge auf, das heißt, er stimmt dem neuen Gesetz zu. Er war bis zu seinem Tode seinem Bruder loyal ergeben und unterstützte ihn bei Verhandlungen gegenüber dem Kaiser. Sein größter Verdienst für Mähren war die innenpolitische Stabilität, die er schaffte.
Vladislav Heinrich war mit Hedwig verheiratet, deren Herkunft nicht bekannt ist. Er starb ohne Nachkommen, so dass die Nachfolge um die Markgrafschaft in die Hände des Königs Ottokar I. fiel. Er wurde im Kloster Velehrad begraben.
Siehe auch: Portal Tschechien
| Vorgänger Heinrich Bretislav III. | Herzog von Böhmen 1197 | Nachfolger Ottokar I. Přemysl |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Heinrich, Vladislav |
| ALTERNATIVNAMEN | Jindřich, Vladislav |
| KURZBESCHREIBUNG | Herzog von Böhmen und Markgraf von Mähren |
| GEBURTSDATUM | um 1160 |
| GEBURTSORT | |
| STERBEDATUM | 12. August 1222 |
| STERBEORT | |
