Volksfront zur Befreiung Palästinas
Die Volksfront zur Befreiung Palästinas (arab. الجبهة الشعبية لتحرير فلسطين al-Dschabha asch-Scha'biyya li-Tahrīr Filastīn), engl. Popular Front for the Liberation of Palestine, allgemein als PFLP abgekürzt) ist eine seit den 1970er Jahren aktive marxistisch-leninistische, militante Palästinenserorganisation, die vor allem durch ihre Rolle im Deutschen Herbst bekannt wurde.
Die PFLP wurde am 11. Dezember 1967 gegründet. Sie wurde in ihrer Anfangszeit von Vadia Haddad und dem Kinderarzt George Habash geführt und gehört seit 1968 zu den Mitgliedsorganisationen der PLO, wo sie zweitstärkste Fraktion ist. Im Mai des Jahres 2000 zog sich Habash aus gesundheitlichen Gründen zurück.
Habashs Nachfolger als Generalsekretär wurde Abu Ali Mustafa, der 2001 einer gezielten Tötung durch die israelische Armee (Zahal) zum Opfer fiel. Nach ihm sind die Abu-Ali-Mustafa-Brigaden benannt, die in der Al-Aqsa-Intifada der militärische Arm der PFLP sind. Sein Nachfolger wurde Ahmad Saadat. Saadat baute unter anderem auch jene Terrorzelle auf, die am 17. Oktober 2001, als Vergeltung für die Tötung Abu Ali Mustafas, den früheren israelischen Tourismusminister Rehavam Ze’evi ermordete.
Die zwei Hauptbüros der PFLP befinden sich in Syrien und im Westjordanland. Während der Amtszeit des früheren palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas wurde im Sommer des Jahres 2003 eine "Hudna" (palästinensische Waffenpause) ausgehandelt, an der sich doch einige Organisationen, unter ihnen auch die PFLP, nicht beteiligten.
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Aktionen
- 1968: Die erste arabische Flugzeugentführung, die gegen Israelis gerichtet war, bei der drei Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP, Gruppe outside-operations unter Wadi Hadad) ein El-Al-Flugzeug nach Rom entführten. Nach Algier umgeleitet, dauerten die Verhandlungen über vierzig Tage. Sowohl die Entführer als auch die Geiseln kamen frei. Dies war die erste und einzige erfolgreiche Entführung eines El-Al-Fluges.
- 1969: Erste Flugzeugentführung der PFLP-Aktivistin Leila Khaled. Der Flug TWA 840 wurde nach Damaskus entführt. Die Maschine wurde dort evakuiert und danach am Boden gesprengt. Das Bild vom abgerissenen Cockpit ging um die Welt. Syrien nahm sechs der von den Entführern freigelassenen israelischen Passagiere als Geiseln und tauschte sie später gegen 13 Kriegsgefangene aus.
- 1976: die Entführung eines Air-France-Flugzeugs von Athen nach Entebbe (siehe Operation Entebbe). In Entebbe wurden die Passagiere israelischer Staatsangehörigkeit vorübergehend von den anderen getrennt, was de facto einer Selektion in Juden und Nicht-Juden gleichkam.
- 1977: die Entführung eines deutschen Flugzeugs, einer Boeing 737 der Lufthansa namens Landshut, auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt/Main. Bei den Terroristen handelte es sich um den als „Captain Martyr Mahmoud“ bekannten Zohair Yousif Akache (23), der einige Monate vor der Entführung an der Ermordung des früheren Premierminister von Nord-Jemen beteiligt gewesen war, seine Verlobte Nadia Shehadah Yousuf Duaibes (22), Nabil Harb (23) und die als „Soraya Ansari“ bekannte Suhaila Sami Andrawes Sayeh (23).
- In jüngerer Geschichte sind unter anderem zu nennen: 16. Februar 2002 das Selbstmordattentat in Karni-Schumron mit drei Toten, das Selbstmordattentat an der Geha-Kreuzung mit vier Toten am 25. Dezember 2003 und ein Selbstmordanschlag am 1. November 2004 auf einen Markt in der Innenstadt von Tel Aviv mit drei Opfern.
Medien
Das englischsprachige Organ der PFLP ist die Zeitschrift Democratic Palestine.
Abspaltungen
Im Laufe der Geschichte haben sich zwei Organisationen von der PFLP abgespalten:
- Die PFLP-GC (PFLP-Generalkommando) wird manchmal missverstanden als Führungsgremium der PFLP.
- Die DFLP (Demokratische Front zur Befreiung Palästinas) ist eine kleinere Organisation, ebenso Mitglied der PLO und politisch eher moskauorientiert (bzw. orthodox-marxistisch) gewesen.
Literatur
- Gerrit Hoekmann : Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow. Geschichte und Politik der palästinensischen Linken. ISBN 3-928300-88-1
