Volkspartei (Parteityp)
Volkspartei ist als Parteityp ein fest stehender Begriff (vgl. auch Volkspartei in sonstigem Verständnis). Er kennzeichnet, dass eine Partei nicht nur vom eigenen Anspruch, sondern tatsächlich sowohl von Wählern als auch Mitgliedern her im Prinzip für jeden offen ist. Der Begriff Volkspartei wurde in diesem Sinne zum ersten Mal vom Politologen Dolf Sternberger verwendet und ging später in die Alltagssprache über.
Unter "Volk" versteht die Volkspartei der Gegenwart die Wählerschaft. Aufgrund des Wettbewerbs sind programmatische oder weltanschauliche Unterschiede zwischen mehreren Volksparteien in einem Land sehr gering; das Hauptziel ist jeweils, bei den Wahlen die Regierungsmehrheit zu erhalten.
In Deutschland gab es vor 1945 keine Volksparteien; jede Partei verstand sich als Partei für eine abgegrenzte Wählergruppe: Die SPD war eine Klassenpartei der Arbeiter, das Zentrum religiös gebunden (an die Katholische Kirche), die Deutsche Volkspartei eine Partei des protestantischen Großbürgertums und Großindustrie. Eine Phase der so genannten Entideologisierung hat zum Erfolg und zur Ausbreitung von Volksparteien geführt. Eine gewisse Ideologie wird nicht mehr als die wichtigste, sondern als eine mögliche Entscheidungsrichtung benutzt. Ein Festhalten an einer Ideologie wird vermieden, um eine breite Masse zu gewinnen. Eine Volkspartei versteht sich selbst als grundsätzlich für jeden wählbar. Ihre Politik ist am Gemeinwohl orientiert, und sucht den Ausgleich, den Kompromiss zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Interessen.
Beide heutigen deutschen Volksparteien sind von ihrer historisch-programmatischen Tradition abgegangen. Die Volkspartei SPD versteht sich seit dem Godesberger Programm nicht mehr als Arbeiterpartei. Die Volkspartei CDU als teilweise Nachfolgerin des katholischen Zentrums ist in ihrem Handeln nicht nennenswert katholisch oder christlich beeinflusst.
Einen Gegensatz zur Volkspartei bilden vor allem Klientelpartei oder Interessenpartei - in Deutschland etwa die Grünen und die FDP, oder aber Parteien von reinen Berufspolitikern, bei denen Politik sich nicht mehr in erster Linie an den Überzeugungen der Mitglieder ausrichtet, sondern am Wählermarkt.
Im Laufe der Geschichte führten viele Parteien den Namen Volkspartei - siehe dazu Volkspartei
