Volkssternwarte Aachen

Die Volkssternwarte Aachen ist eine denkmalgeschützte Sternwarte im Süden der Stadt Aachen. Ihre geografische Lage beträgt 50° 45 35,73 ’’ nördlicher Breite und 6° 4’ 25,14’’ östlicher Länge. Sie liegt 211,94 Meter über Normalnull.

Geschichte

Die Idee zur Errichtung einer Volkssternwarte in Aachen geht auf den Oberlehrer Eduard Heis zurück, der von 1837 bis 1852 an der Real- und Gewerblichen Schule in Aachen lehrte. Er ließ auf dem Dach der damaligen Bürgerschule am Katschhof, zwischen dem Aachener Dom und dem Rathaus, einen „Himmelsposten“ für astronomische Beobachtungen errichten. Heis ging 1852 auf Empfehlung von Alexander von Humboldt als Professor für Astronomie und Mathematik an die Universität Münster. Zu seinem Gedenken wurde später ein Krater auf dem Mond benannt.

thumb|right|Die Volkssternwarte Aachen In den 20er Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts erwuchs der Wunsch, ein Planetarium in Aachen zu errichten. 1924 erging ein Beschluss des Stadtrates, für 150.000 Mark ein Planetarium der Firma Carl Zeiss in Jena zu erwerben, die Stadt nahm ein entsprechendes Bankdarlehen auf. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage wurde 1927 allerdings die Freigabe der finanziellen Mittel abgelehnt. 1934 einigte man sich schließlich mit der Fa. Zeiss dahin gehend, das Planetarium gegen eine Sternwarte zu tauschen, deren Gesamtkosten 45.870 Reichsmark betrugen. Das Hauptinstrument war ein 20 cm-Refraktor (Linsenfernrohr). 1935 wurde die Sternwarte unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit in der Nähe des Hangeweihers eröffnet, erster Leiter war Oberstudienrat Wilhelm Schulze. Bis 1936 hatte die Sternwarte 9.748 Besucher, die an den öffentlichen Himmelsvorführungen teilnahmen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Sternwartenbetrieb eingestellt, die Instrumente wurden 1941 demontiert und im Keller des Aachener Rathauses eingelagert. Die Sternwarte wurde wegen ihrer Lage als Beobachtungsposten für die Flak zweckentfremdet. In dieser Zeit wurde auch die Kupferabdeckung des Kuppeldaches entfernt und durch Dachpappen ersetzt– wahrscheinlich wurde der wertvolle Rohstoff Kupfer für Kriegszwecke eingesetzt. Das Gebäude erhielt einen Bombennahtreffer und wurde schwer beschädigt, wobei die Bibliothek der Sternwarte verbrannte.

Nach dem Krieg wurde die Sternwarte wieder instand gesetzt und 1946 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Organisatorisch wurde sie der Volkshochschule Aachen angegliedert. In den Folgejahren wurde das Führungsgeschehen weiter ausgebaut, ein Arbeitskreis gegründet und sogar wissenschaftliche studentische Arbeiten erstellt. Ein kleiner Vortragsraum wurde eingerichtet.

Da zunehmend bauliche Mängel auftraten, wurde die Sternwarte 1981 vorübergehend geschlossen und saniert und erst im April 1983 wieder geöffnet. 1984 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt.

1996 erfolgten umfangreiche Umbauarbeiten, wobei im Erdgeschoss ein moderner Vortragsraum entstand. Da die Dachabdeckung zunehmend undicht wurde und die Holzkonstruktion der Kuppel durch Feuchtigkeit und Fäulnis gefährdet war, wurde die Kuppel vom Oktober 2003 bis September 2004 aufwändig restauriert, wobei die Holzkonstruktion erneuert und das Dach mit Aluminium verkleidet wurde.

Die Sternwarte bietet regelmäßige öffentliche Führungen sowie Führungen für Gruppen, wie Familien, Kindergärten, Schulen, Vereine und Firmen an. Jährlich suchen etwa 3.500 Besucher die Sternwarte auf.

Einmal monatlich trifft sich ein Arbeitskreis von Amateurastronomen in den Räumen der Sternwarte.

Anlässlich besonderer Ereignisse, wie Sonnenfinsternisse, Mondfinsternisse, Tag der Astronomie, finden besondere Veranstaltungen statt.

Instrumente

[[Bild:Aachen_Refraktor.JPG|thumb|right|Der 20 cm-Refraktor von ]]

Das Hauptinstrument ist der historische Achromat der Firma Carl Zeiss mit 20 cm Objektivöffnung und 3 m Brennweite auf einer schweren parallaktischen Montierung. Er eignet sich besonders für die Beobachtung des Mondes und der Planeten. Die Nachführung erfolgt mechanisch und wird von Bleigewichten angetrieben. Die Nachführgeschwindigkeit wird über einen Fliehkraftregler geregelt.

Für die Beobachtung der Sonne stehen ein H-alpha-Teleskop sowie Objektivfilter für den Refraktor zur Verfügung.

Weblink

Webseite der Sternwarte

See also: Volkssternwarte Aachen, 1837, 1852, 1924, 1927, 1934, 1935, 1936, 1941, 1946