Voluntarismus
Der Voluntarismus (Lat.: voluntas: das Wollen, der Wille, der Wunsch; auch: die Willkür) bezeichnet eine Anschauung, die im Unterschied zum Intellektualismus (als Gegensatz) und zum Emotionalismus den Willen als Grundtatbestand der Erkenntnis (d.h. als erkenntnistheoretischer Voluntarismus) oder als Wesen, Urgrund des Weltganzen (als metaphysischer Voluntarismus bei Schopenhauer) betrachtet und das Denken und Fühlen auf den Willen (als psychologischer Voluntarismus) zurück führt.
Der Begriff „Voluntarismus“ wurde von Ferdinand Tönnies in die philosophische Literatur eingeführt und besonders von Wilhelm Wundt und Friedrich Paulsen verwendet.
Hauptvertreter des metaphysischen Voluntarismus ist Arthur Schopenhauer. Für ihn ist der Wille in seinem Kern nicht vernünftig, sondern ein irrationaler, sinn- und zweckloser dunkler, triebhafter Drang, dem gegenüber der Intellekt ein sekundäres Phänomen darstellt. Der Wille ist das Ding an sich, Kern und Wesen aller Wirklichkeit. Diese Herausstellung der triebhaft-vitalen Dynamik hat auf Friedrich Nietzsche (als Wille zur Macht), bei Eduard von Hartmann, Sigmund Freud und in die Lebensphilosophie weitergewirkt.
In einem anderen Kontext voluntaristisch ist die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie von Hugo Dingler, die ihren Anfang im unhintergehbaren Willensakt (als „Ich-Hier-Jetzt") setzt. Im Anschluss daran ist der methodische Konstruktivismus Erlanger Schule und der Marburger Methodische Kulturalismus zu sehen.
