Walden
Walden ist das bekannteste Buch von Henry David Thoreau.
Er beschreibt darin sein Leben in einer Blockhütte, die er sich 1845 in den Wäldern von Concord (Massachusetts) baute, um dort für mehr als zwei Jahre der industrialisierten Massengesellschaft der jungen USA den Rücken zu kehren.
Laut eigener Aussage ging es ihm dabei jedoch nicht um naive Weltflucht, sondern um den Versuch, einen alternativen und ausgewogenen Lebensstil zu verwirklichen.
Das 1854 veröffentlichte Buch kann nicht als Roman im eigentlichen Sinne angesehen werden, vielmehr ist es eine Zusammenfassung und Ausformung seiner Tagebucheinträge, die er in den symbolischen Zyklus eines Jahres integriert und zusammenfasst. Dabei ist sein
Stil geprägt von hoher Flexibilität und Sprachkunst, die die Übertragung in andere Sprachen oft erschwert hat.
Die achtzehn Kapitel des Buches sind unterschiedlichen Aspekten menschlichen Daseins gewidmet, so enthält es zum Beispiel Reflexionen über die Ökonomie, über die Einsamkeit, Betrachtungen über die Tiere des Waldes oder über die Lektüre klassischer literarischer Werke.
Die Wirkung von Walden ist untrennbar mit der amerikanischen Geschichte verbunden. Es steht in der Tradition des amerikanischen Transzendentalismus (Thoreau war eng mit Nathaniel Hawthorne befreundet) und hat heute einen festen Platz unter den einflussreichsten Büchern der amerikanischen Literaturgeschichte.
In vormarxistischer Zeit war es in vielen Arbeiterhaushalten zu finden, im zwanzigsten Jahrhundert inspirierte es dann die Naturschutzbewegung ebenso wie die 68er-Generation und auch ausserhalb der Vereinigten Staaten fand es breite Anerkennung, so berief sich beispielsweise Mahatma Gandhi mit seinem Ideal gewaltfreien Wiederstandes und seiner asketischen Lebensführung ausdrücklich auf Walden.
Kapitel:
1. Ökonomie
2. Wo und wofür ich lebte
3. Lektüre
4. Töne
5. Einsamkeit
6. Besuch
7. Das Bohnenfeld
8. Das Dorf
9. Die Teiche
10. Baker Farm
11. Höhere Gesetze
12. Meine Nachbarn, die Tiere
13. Heizung
14. Frühere Bewohner und Wintergäste
15. Wintertiere
16. Der Teich im Winter
17. Frühling
18. Schluss
Links:
Zitate und mehr
Der Walden See (englisch)
Zitate aus Walden
- "Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht leben war, in die Flucht geschlagen wurde."
- "Ich hatte drei Kalksteine auf meinem Pult liegen, fand aber zu meinem Entsetzen, dass sie tägliches Abstauben benötigten, während mein geistiger Hausrat noch unabgestaubt dastand, und voller Abscheu warf ich sie zum Fenster hinaus."
- "Das eine wenigstens lernte ich bei meinem Experimente: Wenn jemand vertrauensvoll in der Richtung seiner Träume vorwärts schreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden nichts träumen ließ. Er wird mancherlei hinter sich lassen, wird eine unsichtbare Grenze überschreiten. Neue, allgemeine und freiere Gesetze werden sich um ihn und in ihm bilden oder die alten werden ausgedehnt und zu seinen Gunsten in freierem Sinne ausgelegt werden."
