Waldrapp

Waldrapp
none|250px|WaldrappWaldrapp (Geronticus eremita)
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Ibisse (Threskiornithidae )
Unterfamilie: Ibisse (Threskiornithinae)
Gattung: Geronticus
Art: Waldrapp (G. eremita)

Der Waldrapp (Geronticus eremita), auch „europäischer Ibis“ oder „Schopfibis“ genannt, gehört zur Familie der Ibisse.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Der Waldrapp hat als erwachsenes Tier ein nacktes, rotes Gesicht und einen ebenfalls roten, langen, nach unten gebogenen Schnabel. Der Hinterkopf und der Nacken weisen verlängerte Federn auf. Das Gefieder ist schwarz mit grünem Metallschimmer, die mittleren Oberflügeldecken schillern jedoch rötlich. Die beiden Geschlechter unterscheiden sich äußerlich nicht.

Sein Gewicht beträgt bis 1,4 kg, er wird 65-67 cm lang und hat eine Lebenserwartung von etwa 15 bis 20 Jahren.

Verhalten

Der Waldrapp ist ein geselliger Vogel, der den engen Kontakt zu Artgenossen sucht und sich zu Kolonien von mehreren Dutzend bis über hundert Exemplaren zusammenschließt.

Nahrung

Die Nahrung besteht aus Insekten und deren Larven, Würmern, Heuschrecken, Spinnen, aber auch aus kleinen Säugetieren, Reptilien und Amphibien sowie aus pflanzlicher Nahrung.

Fortpflanzung

Es findet nur eine Brut pro Jahr in den Monaten März bis Juni mit 2-4 Eiern statt. Brutkolonien finden sich in Felswänden und an Steilküsten. Nester werden aus Zweigen, Gras und Blättern in Felsnischen gebaut. Am Nestbau beteiligen sich beide Geschlechter. Die Brutzeit beträgt 27 bis 28 Tage. Nach 45 bis 50 Tagen, in denen die Jungtiere auch von anderen Alttieren der Kolonie gefüttert werden, sind sie flügge, verbleiben jedoch noch längere Zeit bei den Eltern, um die Nahrungsbeschaffung zu erlernen.

Geschichte

Waldrappe waren bis in die frühe Neuzeit Teil der mitteleuropäischen Fauna. Als Kulturfolger wanderten diese Ibisvögel möglicherweise erst mit dem Menschen in größerem Ausmaß in den Alpenraum ein.

86 n. Chr. berichtet Plinius der Jüngere über den Präfekten Engatius Calvinus, der den Ibis auch in den Alpen gesehen haben will.

Vom 4. bis ins 17. Jahrhundert war der Waldrapp im Balkan über Ungarn, Italien, Österreich, Schweiz, Süddeutschland, Nordafrika und dem Nahen Osten verbreitet.

Aus dem 16. Jahrhundert gibt es mehrere Belege für die Existenz des Waldrappen in Mitteleuropa, vor allem in Form von Verfügungen der Obrigkeit zu seinem Schutz. Als Wappentier der Grazer Stadtpfarre taucht er im Jahre 1560 auf. Auf das Jahr 1582 datiert ist eine Abbildung im Wiener Messbuch Missale Romanum. Das letzte Bild eines Waldrappen wurde um 1600 von G. Hoefnagel für Kaiser Rudolf II. angefertigt. Im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts verschwindet der Waldrapp aus Mitteleuropa. Der genaue Ablauf seines damaligen Verschwindens ist nicht bekannt. Möglicherweise war eine klimatische Veränderungen, die so genannte Kleine Eiszeit dafür verantwortlich. Die letzten Exemplare sollen während des 30-jährigen Krieges im Kochtopf gelandet sein, wofür es jedoch keine sicheren Belege gibt.

Der Waldrapp wurde zuerst von dem Zürcher Arzt und Naturforscher Conrad Gesner im Jahre 1557 in seiner „Geschichte der Tiere“ beschrieben. Er soll auf steilen Felsen und in alten Gemäuern genistet und in Gärten und Wiesen seine Nahrung gesucht haben. Er sei schwarz gewesen und habe auf seinem Kopf «streusslin hindersich (nach hinten) gricht» getragen. Sein Schnabel sei «rotlecht» und lang gewesen und außerdem «komlech (gut geeignet) im erdtrich zu graben, damit er die verborgenen würmlin und käferlin härauss ziehe».

Zeitweilig für ein Fabeltier gehalten, war die Sensation um so größer, als im Jahr 1897 die Vogelkundler Rothschild, Hartert und Kleinschmidt zweifelsfrei nachwiesen, dass der mittelalterliche Waldrapp mit dem im Laufe des 19. Jahrhunderts im Nahen Osten und in Nordafrika entdeckten Schopfibis identisch ist.

Noch heute verweisen in den bayerischen Voralpen (und nicht nur dort) Gelände- und Flurnamen auf frühere Vorkommen des Waldrappen: Rappenköpfe, Rappenspitze, Rappenklamm, Rappenschrofen, Rappenbach, Rabenkopf und Rappinschlucht, allesamt im Isarwinkel und Loisachtal.

Eine besondere Häufung von Rappennamen findet sich am Nordrand der Alpen von der Isar an westwärts bis zum Alpenrhein und im Südschwarzwald, also in der Region, die Gesner als Heimat des Waldrapp bezeichnet.

Wenn die Bezeichnungen, die auf Krähen - einem Vogel der offenen Landschaften - auf Alpendohle, Alpenkrähe als Bewohner der Gipfelregionen der Alpen oder dem Kolkraben zurückgehen könnten, aussortiert werden, dann verbleibt ein großer Teil von Namen, die sich nicht mit anderen Namensgebern erklären lassen. Wenn dann noch alte Darstellungen aus dem Umfeld dieser Örtlichkeit den Waldrapp zeigen und die bekannten Habitatansprüche des Waldrapp erfüllt werden, kann angenommen werden, dass es sich bei den so festgestellten Örtlichkeiten um historische Waldrapphabitate handelt. Für solche frühere Habitate des Waldrappen wird über eine Habitatevaluation zur Erforschung einer später möglichen Wiederansiedlung nachgedacht.

Verbreitung

Von der Spätantike bis in die frühe Neuzeit war der Waldrapp nicht nur in ganz Norafrika und dem Nahen Osten verbreitet, sondern kam auch in Italien, auf dem Balkan bis nach Ungarn und weiter bis in den Alpenraum und nach Süddeutschland vor.

Heute gibt es nur noch wenige Vorkommen:

In Zoos gibt es aber wieder mehr als 1500 Tiere (2002), die sich gut fortpflanzen, so dass in einigen Zoos der Platz eng wird. Nicht nur deshalb wurde vom Konrad Lorenz-Institut in Grünau im Almtal in Österreich ein Auswilderungsprojekt für Österreich und Italien gestartet. Ein weiteres Auswilderungsprojekt läuft in Mesguitem in Marokko, wo bis 1985 Waldrappen brüteten und bis 1995 vorkamen. 2001 sind dort bereits die ersten Jungvögel geschlüpft.

Weblinks

Siehe auch: Ausgestorbene Tierarten Europas

See also: Waldrapp, 1560, 16. Jahrhundert