Wanderjahre

thumb|Verschiedene Handwerker auf der Wanderschaft.

Die Wanderjahre, auch Walz oder Tippelei genannt, ist die Zeit, in der ein Geselle nach Abschluss seiner Lehre auf Reisen geht, um von anderen Meistern seiner Zunft zu lernen und Erfahrungen zu sammeln.

Die Wanderjahre waren im Mittelalter eine Voraussetzung, um Meister werden zu können. Heutzutage ist die Wanderschaft freiwillig. Hat man sich aber dafür entschieden, so sind drei Jahre und ein Tag Wanderschaft als Minimum vorgeschrieben. Ausnahmen machen die Freien Vogtländer Deutschlands und Axt und Kelle-Gesellen, welche eine Mindestreisezeit von zwei Jahre und einen Tag vorschreiben.

Die Tippelei war und ist teilweise an schwierige Bedingungen geknüpft. So darf der Fremde in seiner Reisezeit einen Bannkreis von meist 50 km um seinen Heimatort nicht betreten, auch nicht im Winter oder zu Feiertagen. Weiterhin muß er in der Öffentlichkeit immer seine Kluft tragen, stets gepflegt erscheinen und sich einer rechtschaffenen Lebensweise befleißigen. Er darf kein eigenes Fahrzeug besitzen und bewegt sich nur zu Fuß oder per Anhalter fort. Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht verboten aber verpönt. All sein Hab und Gut verstaut der Fremde in einem Charlie oder (seltener) in einem Felleisen, ein historischer Tornister der Schweizer Armee.

Trotz all dieser Bedingungen sind die Wanderjahre für viele Ausgereiste die schönsten Jahre des Lebens, da man in dieser Zeit die größte Freiheit genießen kann.

Viele Wanderlieder sind eigentlich Lieder von Handwerksgesellen. Die Wanderjahre spiegeln sich auch im englischen Wort für Geselle, Journeyman (Reisender), wider.

Siehe auch

Schacht (Vereinigung)

Weblinks

See also: Wanderjahre, Charlottenburger, Englische Sprache, Felleisen, Fremdgeschriebener, Geselle, Kluft, Meister, Mittelalter, Reise