Wang Laboratories
Die Wang Laboraties waren eine Computer-Firma, gegründet im Jahre 1951 von Doktor An Wang. Sitz der Firma waren Cambridge, Massachusetts (1954 bis 1963), Tewksbury, Massachusetts (1963 bis 1976) und Lowell, Massachusetts (1976 bis 1992). Auf ihrem Höchststand in den achtziger Jahren verbuchte die Firma Jahreseinnahmen in der Höhe von drei Milliarden Dollar und beschäftigte über 30.000 Angestellte.
Die Firma wurde stets durch Dr. Wang geführt, der direkt Einfluss auf die Geschäfts- und Produktstrategie nahm. Deswegen müssen die Erfolge sowie die Fehlschläge der Firma ihm zugerechnet werden.
Dr. Wang stellte sicher, dass seine Familie die Kontrolle über seine Firma auch nach dem Börsengang behalten würde. Er gab Vorzugsaktien (Class B stocks) mit höheren Dividenden, dafür aber nur mit einem Zehntel des Stimmrechts, heraus. Während die Öffentlichkeit mehrheitlich diese Vorzugsaktion bezogen, behielt die Famile Wang die Stammaktien. Die Wang-Aktien wurden an der New Yorker Börse gehandelt, da aber jenes Vorgehen mit Aufteilung der Aktien in zwei Klassen nicht die dortigen Regeln erfüllten, musste Wang zur American Stock Exchange wechseln.
Unter der Führung Dr. Wangs wechselten die Erzeugnisse der Firma mehrmals.
Elektronischer Schriftsetzer
Das erste größere Projekt war ein elektronischer Bleisatz-Schriftsetzer mit Namen Linasec und wurde 1964 vorgestellt. Er wurde hergestellt im Auftrag der Compugraphic, die aber das Recht der Herstellung ohne Zahlung eines Gewinnanteils an Wang behielt.
Rechner
Die Wang LOCI-2 (es gab auch eine LOCI-1, war aber kein richtiges Produkt) wurde im Jahre 1965 vorgestellt. Sie war der wahrscheinlich erste Tischrechner, der Logarithmen berechnen konnte. Dies war durchaus eine Errungenschaft angesichts der Tatsache, dass der Rechner ohne integrierte Schaltkreise auskam, weil er mit 1275 einzelnen Transistoren arbeitete. Tatsächlich wurden Multiplikationen durch Addition von Logarithmen berechnet. Dies führte zu auffälligen Rundungsfehlern - Als Ergebnis von Zwei mal Zwei zum Beispiel errechnete die Maschine 3,999999999.
Wang war eine angesehene Rechnerfirma von 1965 bis 1971. Die Wang-Rechner benutzten Nixie-Röhren zur Darstellung der Zahlen, konnten verschiedentlich programmiert werden und nutzten die Technologie der Kernspeicher. Der Preis eines Wang-Rechners bewegte sich im mittleren vierstelligen Bereich. Konkurrenz-Firmen waren Hewlett Packard, die das Modell HP9100A im Jahre 1968 vorstellte, und traditionelle Rechnerfirmen wie die Monroe und Marchant.
Wang-Rechner wurden zunächst von Wissenschaftlern und Ingenieuren benutzt, wurden später aber auch im Finanz-Sektor populär, da früher mit komplizierten Tabellen Hypotheken und Rentenpapiere berechnet wurden. Eine zweifelhafte Geschichte berichtet von einem Bankier, der die Ergebnisse der Wang-Rechner mit den Tabellen verglich und die Unkorrektheit letzterer feststellte, womit der Ruf von Wang gesichert wurde.
In den frühen Siebzigern verließ Dr. Wang das Rechnergeschäft, da er glaubte, es würde zu wenig Gewinn abwerfen.
Textverarbeitungsrechner
Der Textverarbeitungsrechner Wang WPS (Wang Word Processor System) wurde im Jahre 1976 vorgestellt und war sogleich, wie auch der Nachfolger, die Wang OIS (Wang Office Information System) im Jahre 1977, ein Erfolg.
Diese Rechner waren ein technologischer Durchbruch ihrer Zeit. Sie waren ein Mehrfach-Benutzer-System; jede Arbeitsstation besaß einen Z80-Mikroprozessor und 65 KB Arbeitsspeicher. Der Plattenspeicher wurde zentral von einer Master-Station verwaltet. Untereinander vernetzt wurden die Stationen mit Hochgeschwindigkeits-Koaxialkabel. Mehrere Master konnten zusammengeschlossen werden, was das Arbeiten mit denselben Dateien von einigen hundert Anwendern ermöglichte.
Jegliche Software für die Systeme wurden von Wang Laboratories geschrieben. Die Spezifikationen des Betriebssystems, der Dateiformate und der Schnittstelle waren Firmengeheimnis. Wang wollte keine Drittfirmen, die Produkte zum Anschluss an sein System entwickelten. Diese Praxis wurde jedoch in den späten Achtzigern gelockert.
