Erwachsenen- und Weiterbildung

Die Begriffe Erwachsenenbildung und Weiterbildung werden in der Fachliteratur zunehmend synonym, in einzeln Artikeln auch additiv verwendet (Tippelt, 1999, S.11).

Definition Der Deutsche Bildungsrat hatte im Jahr 1970 Erwachsenenbildung (Weiterbildung) definiert als "Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase".

Inhaltsverzeichnis

Erwachsenen- und Weiterbildung im Überblick

Das Berichtssystem Weiterbildung des deutschen Wissenschaftsministeriums unterscheidet:

Neben der Teilnahme an Seminaren zählen auch Fernunterricht, computergestütztes Lernen, training on the job, selbstorganisiertes Lernen zur Weiterbildung.

Erwachsenen- und Weiterbildung lässt sich auch durch ihre Zielgruppe unterscheiden: Frauenbildung, Männerbildung, Familienbildung, Arbeiterbildung, usf. Für die Erwachsenenbildung/Weiterbildung wurden eigene theoretische Grundlagen und Methoden entwickelt oder adaptiert.

Zur Erwachsenenbildung gehört auch die schulische Weiterbildung, bei der auf dem Zweiten Bildungsweg fehlende Schulabschlüsse, wie z.B. das Abitur, nachgeholt werden können.

Eine große Bedeutung hatte bis Anfang der 1990er Jahre die durch die Arbeitsämter (Arbeitsagenturen) öffentlich geförderte berufliche Weiterbildung.

Geschichte der Erwachsenen- und Weiterbildung

Die Ursprünge der Erwachsenenbildung in Deutschland gehen zurück auf Bemühungen der Arbeiterbildungsvereine im 19. Jahrhundert, die anfänglich deutlich einem emanzipatorischen Ansatz verschrieben waren. Hier gründen auch die ersten gewerkschaftlichen und sozialistischen Weiterbildungsinitiativen. Die Praxis der gegenwärtigen bundesdeutschen Erwachsenenbildung dagegen sieht sich eher in der Tradition des bürgerlichen Bildungsideals.

Lese- und Literaturgesellschaften boten im Bürgertum des 19. Jahrhunderts erste Ansätze. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die Volksbildungsvereine. Daneben entwickelte sich die Bewegung der Arbeiterbildung, die sich in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit fortsetzt. Erste Einsichten zu einer Notwendigkeit eines "Life long Learning" finden sich in der Industrialisierten Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts.

In den USA entstanden Ende des 19. Jahrhunderts Chautauquas als erste Veranstaltungen zur Massenweiterbildung.

Recht und Weiterbildung

Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist in verschiedenen Kodexen auf nationaler und internationaler Ebene festgeschrieben. Daraus ergibt sich auch eine staatliche Pflicht zur Förderung von Erwachsenenbildung. In Deutschland sind die unterschiedlichen Landesgesetze Grundlage der Förderung, die dementsprechend unterschiedlich gestaltet ist.

Insbesondere im Bereich der Umschulung hatte die Erwachsenenbildung in den letzten Jahren aufgrund der real restriktiven Sozialgesetzgebung Rückgänge zu verzeichnen. In Folge von Hartz IV ist der Zugang zu Bildungsgutscheinen für Arbeitslose sehr erschwert worden.

Unter dem Motto "Europa tut Deutschland gut" wirbt die Bundesregierung in Tageszeitungen mit folgenem Zitat aus der EU-Verfassung:

"Jede Person hat das Recht auf Bildung sowie Zugang zur beruflichen Ausbildung und Weiterbildung".

Artikel II-74, Ziffer 1, EU-Verfassung

Institutionen der Erwachsenen- und Weiterbildung

Träger und Anbieter der Erwachsenenbildung/Weiterbildung sind u.a. die Volkshochschule, gewerkschaftliche und kirchliche Einrichtungen, Bildungszentren der Kammern (z.B. Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer), private Bildungseinrichtungen, Bildungseinrichtungen in Betrieben und auch an den Hochschulen (Wissenschaftliche Weiterbildung). Regional unterschiedlich arbeiten weitere weltanschaulich gebundene wie auch unabhängige nichtkommerzielle Einrichtungen.

Die Allgemeine Hochschulreife (das Abitur) kann an einem Abendgymnasium, per Fernunterricht oder - in Tagesform - auch an einem Kolleg erworben werden.

Neben einzelnen Instituten der Universitäten und kleineren Forschungseinrichtungen beschäftigt sich z.B. das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung ([1]) wissenschaftlich mit der Erwachsenen- und Weiterbildung.

Weiterhin gibt es Einrichtungen, die Weiterbildung ausschließlich über das Internet als E-Learning betreiben.

Siehe auch: Zweiter Bildungsweg, Computeria

Weiterbildungsbeteiligung

Dem aktuellen Berichtssystem Weiterbildung (Kuwan et al., 2003) lassen sich jeweils aktuelle Zahlen zur Weiterbildungsbeteiligung der Deutschen entnehmen.

Im Jahr 2000 haben demnach 43 Prozent der Befragten zwischen 19 und 64 Jahren an beruflicher oder allgemeiner Weiterbildung in Form von Lehrgängen/Kursen oder Vorträgen teilgenommen, die Gesamtteilnahmequote war damit - verglichen mit den Jahren 1986-19997 erstmals rückläufig (Kuwan, 2003, S. 17).

Siehe auch: Andragogik

Literatur

Weblinks


Kategorie:Schultypen/-system

See also: Erwachsenen- und Weiterbildung, 19. Jahrhundert, Abendgymnasium, Abitur, Allgemeinbildung, Allgemeine Hochschulreife, Andragogik, Berufliche Weiterbildung, Bürgertum, Chautauqua