Weltstadt

Eine Weltstadt ist ein objektiverer Begriff im Deutschen, um eine weltweit einflussreiche Stadt zu benennen (im Gegensatz zu einer „nur“ regional einflussreichen Metropole).

Inhaltsverzeichnis

Faktoren

thumb|200px|Rom Die Bedeutung einer Weltstadt kann herrühren von

Erkennungskriterien

thumb|200px|Singapur Ein einfaches Erkennungskriterium für eine Weltstadt ist, dass ihr Name überall auf der Welt ohne zusätzliche Nennung des Landes einem „etwas sagt“. So kann man Rom oder Paris im Gespräch erwähnen, ohne hinzufügen zu müssen, dass es sich um Städte in Italien oder Frankreich handelt.

Eine Studiengruppe der Loughborough Universität in Großbritannien hat versucht, statistisch erfassbare Kriterien für die Bedeutung einer Stadt zusammenzustellen und unter anderem auch mehrere Dutzend ähnlicher Studien ausgewertet. „world city“ oder „global city“ werden allerdings im Englischen weniger häufig gebraucht, um die Bedeutung einer Stadt hervorzuheben, als „Weltstadt“ im Deutschen, und die englischen Begriffe beziehen sich außerdem mehr auf die Internationalität (viele Kulturen und Verbindungen mit anderen Ländern) einer Stadt als auf ihre internationale Bedeutung.

Die Studie der Globalization and World Cities Study Group & Network (GaWC) listet „Alpha“ (12–10 Punkte), „Beta“ (9–7 Punkte) und „Gamma“-Weltstädte (6–4 Punkte) auf, wobei in den einzelnen Kategorien noch weitere Unterteilungen möglich sind. Städte mit einem bis drei Punkten (z.B. Athen, Marseille oder Lisabon) werden in der Studie als „europäische Weltstadt“ definiert. Die Alpha-Weltstädte sind:

Begriffsabgrenzung

Unterschied zur Millionenstadt

thumb|right|250px|Los Angeles Alle genannten Kriterien werden durch eine hohe Einwohnerzahl begünstigt, so dass viele Weltstädte gleichzeitig auch Millionenstädte sind, aber nicht sein müssen. Weltstädte mit weniger als einer Million Einwohner sind beispielsweise San Francisco, Jerusalem oder Amsterdam. Auch Venedig mit nur 150.000 Einwohnern würden sicher viele als Weltstadt zählen – sowie manche andere Stadt, die zum Weltkulturerbe zählt.

Umgekehrt ist beileibe nicht jede Millionenstadt eine Weltstadt. Gerade in den Entwicklungsländern gibt es viele Metropolen, die einfach durch die Bevölkerungsexplosion zur Millionenstadt „aufgeblasen“ wurden, obwohl ihnen teilweise eine funktionierende Infrastruktur fehlt, beispielsweise Lagos in Nigeria mit fast 15 Millionen Einwohnern. Auch nicht zu den Weltstädten zählen die Mega-Vororte von Weltstädten in Asien oder Amerika, die es als Schlafstadt zu über einer Million Einwohner gebracht haben, deren Bewohner sich aber vorwiegend an der zentralen Metropole orientieren. Beispiele dafür sind Shenzhen (4 Mio. Ew., Vorort von Hongkong), Yokohama (3,5 Mio. Ew., Vorort von Tokio), oder Netzahualcóyotl (2 Mio. Ew., Vorort Mexiko-Stadts).

Unterschied zur Global City

In der Anthropogeographie wird häufig der Begriff der Global City benutzt. Hier wird er eher als globales wirtschaftliches Zentrum verstanden. Die Weltstadt hingegen wird als ein traditionell politisch-kulturelles, kosmopolitisches Zentrum von weltweiter Bedeutung gesehen. Beide Stadttypen schließen sich nicht gegenseitig aus, Städte sind oftmals beides. Die richtige Übersetzung des Begriffs Weltstadt im Englischen lautet daher cosmopolitan city.

Unterschied zur Metropole

Im allgemeinen ist der Einflussbereich einer Metropole eher regional zu verstehen. Vom Begriff her bedeutet Metropole Mutterstadt und teilweise wird der Begriff immernoch dementsprechend verstanden. Frankfurt am Main wird häufig Finanz-Metropole genannt, obwohl damit eigentlich Finanz-Weltstadt gemeint ist. In der Regel wird durch ein Beiwort erklärt, auf welche Region sich der Metropolcharakter bezieht (zum Beispiel die Ostsee-Metropole Rostock).

Weltstadt als Wahlkampf-Kriterium

thumb|150px|right|Alte Oper Frankfurt Im Frankfurter Kommunalwahlkampf 1988 kreierte die CDU (Kandidat: Walter Wallmann) ein Plakat, das ein Oxymoron um diese letzte Bedeutung von „Weltstadt“ darstellte: Auf einem schlichten Foto der international kaum bekannten Alten Oper prangte das Wort „Weltstadt“, behäbig in hausbackenem Schriftsatz, als einzig anderes „Gestaltungsmittel“ daneben die Initialen der Partei. Die hinterwäldlerische Gestaltung des Plakates in Verbindung mit einem unpassend gewählten Motiv konterkarierte die beabsichtigte Botschaft, sich als der Garant für den weltstädtischen Charakter zu empfehlen. Andererseits kann ein gelungener Gegensatz zum Zeitgeschmack auch die Wirksamkeit einer Werbung stark erhöhen.

Weltstädte in Deutschland

Allgemein bekannte Weltstädte in Deutschland sind Hamburg (gewachsen aus seiner Bekanntheit als wichtiger Seehafen), Berlin (als historisches Zentrum Deutschlands in der Neuzeit) und Frankfurt am Main (auf Grund seiner Bedeutung als Finanz- und Handelszentrum).

Die GaWC-Studie nennt folgende Weltstädte in Deutschland:

Weblinks

Studie der Globalization and World Cities Study Group & Network (GaWC)

Siehe auch: Liste von Bezeichnungen für große Städte

See also: Weltstadt, Alte Oper, Amsterdam, Anthropogeographie, Barcelona, Bauwerk, Bedeutung, Berlin, CDU, Dresden