Wem die Stunde schlägt
Wem die Stunde schlägt (im Original For Whom the Bell Tolls) ist ein Roman von Ernest Hemingway aus dem Jahr 1940.
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Übersicht
Der Roman erzählt eine Episode von vier Tagen aus der Geschichte des US-amerikanischen Guerillakämpfers Robert Jordan im spanischen Bürgerkrieg. Hemingways eigene Erlebnisse als Kriegsfreiwilliger auf Seiten der Republikaner gaben Anstoß zu diesem Thema und begründen die Wirklichkeitsnähe der Darstellung.
Die Rahmenhandlung stellt der Auftrag an den Sprengstoffexperten Robert Jordan dar, eine Brücke zeitgleich zum bevorstehenden Angriff der Nationalisten auf die Stadt Segovia zu sprengen. Hinter den Linien der Feinde sucht Robert Jordan die Zusammenarbeit mit der Guerrillagruppe um Pablo. Pablos zögerlicher Einsatz für die Operation steht Robert Jordans Pflichtgefühl entgegen. Weitere Spannungen werden durch Robert Jordans erwachende Liebe zu María, einer Mitkämpferin Pablos, ausgelöst.
Ein bedeutender Teil des Romans ist aus der Sicht Robert Jordans geschrieben, mit Erinnerungen an einige Treffen mit Russen in Madrid sowie an seinen Vater und Großvater. Daneben berichtet Pilar, eine weitere Figur des Romans, in erschreckender Realitätsnähe von der Brutalität des Bürgerkrieges, einmal in Gestalt einer aufgebrachten republikanischen Menschenmenge, ein anderes Mal durch nationalistische Regierungstruppen.
Das Werk ist in einem "lapidaren" Stil geschrieben und bedient sich der Kunstmittel der Kurzgeschichte. Damit wird ein Unmittelbarkeit erzielt, die den Leser begeistert. Der Protagonist Robert Jordan wird so leidenschaftlich geschildert, dass damit Parallelen zu Hemingways Erlebnissen möglich scheinen. Auch er nahm rege Anteilnahme am Freiheitskampf der Republikaner.
Geschichtlicher Zusammenhang
Der Roman bezieht in ideologischen Auseinandersetzung zwischen Republikanern (linksgerichtet, anarchistisch bis kommunistisch) und Nationalisten (rechtsgerichtet, faschistisch) Partei, indem Robert Jordan die Hoffnung wachhält, dass weltweite Unterstützung dem Anliegen der Republikaner zum Sieg verhelfen könne.
Daneben wird die Unterstützung beider Seiten durch fremde Mächte (Sowjetunion für die Republikaner, Deutschland und Italien für die Nationalisten) deutlich gemacht.
Roman
Titel
Der Titel des Romans stammt vom englischen Dichter John Donne (1572-1631):
- "No man is an island, entire of itself;... and therefore never send to know for whom the bell tolls; it tolls for thee."
Hemingways Erlebnisse
Hemingway konnte neben seinen Erlebnissen im spanischen Bürgerkrieg auch Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg verarbeiten. Nach Anthony Burgess gleicht eine Abschiedsszene Hemingways Aufbruch an die italienische Front.
Auch die letzten Gedanken Robert Jordans klingen an Hemingways eigene an, als er bei Fossalta verwundet wurde.
Die Romanfigur María hat deutliche Parallelen zu Catherine Barkley aus dem teil-autobiographischen Roman A Farewell to Arms. Allerdings ist María weniger komplex entwickelt und erscheint eher farblos.
Erzählstil
Der Roman wechselt zwischen einem allwissenden Erzähler in der dritten Person, Dialogen zwischen den Romanfiguren und umfangreichen Betrachtungen Robert Jordans.
Das verwendete mittelalterliche Englisch (thou, thee anstelle des modernen you) soll Alter und formale Struktur der spanischen Sprache vemitteln. Es dient auch, den Leser daran zu erinnern, das die Sprache der Romanfiguren nicht englisch ist.
Im letzten Teil des Romans teilt sich der Erzählstrang, und folgt auch Andrés, der eine Nachricht an die Republikaner übermitteln soll.
Motive
Ein Hauptthema des Buches ist die Kameraderie inmitten der alltäglichen Bedrohung durch den Tod sowie der selbstlose Einsatz des Einzelnen für ein Ideal oder das Allgemeingut. Ausdruck findet diese Enge gemeinschaft der Schicksalsgefährten in Gesten wie Umarmen oder Schulterklopfen. Stärke ziehen die Kämpfer ebenfalls aus einer Verbundenheit mit dem Land (Spanien), oft symbolisiert durch den Waldboden mit seinen Kiefernnadeln.
Ein weiteres Motiv ist das des Suizids, den Hemingway im Roman zu rechtfertigen sucht. Die Kämpfer ziehen alle den Tod einer eventuellen Gefangenschaft vor, und sind bereit, sich im Notfall selber das Leben zu nehmen oder aber dieses jemandem anders anzuvertrauen. Dieses Motiv ist angesichts Hemingways Suizid 21 Jahre später interessant.
Hemingway zeichnet im Roman ein Bild von Gewalt und Tod in Gestalt der militärischen Vernichtungsmaschine. Damit wird das klassische Bild des Krieges vom Kampf zwischen Menschen auf eine andere Ebene gebracht. Heldentaten werden durch Abschlachtszenen abgelöst, symbolisiert in der Erschießung von Marías Eltern an der Schlachthauswand.
Ein anderer Aspekt von Gewalt findet sich in der Beziehung zwischen den Hauptfiguren. Hier wird physische Gewalt durch psychische Gewalt ersetzt. Beispielhaft ist die Auseinandersetzung zwischen Robert und Pablo, wobei Robert letzteren zu provozieren versucht, um einen Vorwand zu haben, ihn zu erschießen. Pilar ist gleichfalls eine Figur, die vielfach psychische Gewalt anwendet, ohne je jemanden physisch zu verletzen.
Film
Der Roman wurde 1943 mit Gary Cooper, Ingrid Bergman, Akim Tamiroff und Katina Paxinou in den Hauptrollen verfilmt. Die Bearbeitung des Romans zum Drehbuch stammte von Dudley Nichols, Regie führte Sam Wood.
Der Film wurde für eine Reihe von Oscars nominiert: Katina Paxinou gewann den Oscar als beste Nebendarstellerin. Weiter waren Gary Cooper (Hauptrolle), Ingrid Bergman (Hauptrolle) und Akim Tamiroff (Nebendarsteller) nominiert; daneben bestanden Nominierungen für Ausstattung, Kamera, Schnitt, Musik und als bester Film.
Musik
"For Whom the Bell Tolls" ist ein Lied von Metallica aus dem Album Ride the Lightning (1984). Es thematisiert eine Episode, in der Guerrillaführer El Sordo auf einem Hügel eingeschlossen ist, und gemeinsam mit fünf Gefährten bei einem Luftangriff umkommt.
