Wendland

Das Wendland (oder auch Hannoversches Wendland) ist geografisch teilweise identisch mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen. Es wird im Nordosten von der Elbtalniederung (Elbe), im Südosten von der Altmark und im Westen von der Lüneburger Heide (vgl. auch Drawehn) begrenzt.

Das Wendland ist eine dünnbesiedelte, alte Kulturlandschaft, in der noch einige, andernorts zurückgedrängte Arten (z.B. Kranich, Rotbauchunke) vertreten sind.

Der Name leitet sich von den Wenden (slawische Einwohner im deutschsprachigen Raum, u.a. die Sorben, Polaben) her, die um die Jahre 1000 hier gewohnt haben und die die typischen Rundlingsdörfer hinterlassen haben.

Städte und Orte im Wendland sind:

Im Osten befindet sich der Ort Gorleben, in dem sich verschiedene Einrichtungen zur Behandlung und Lagerung radioaktiver Abfälle befinden (u.a. ein oberirdisches Zwischenlager für mehrere hundert CASTOR-Behälter, eine sogenannte Pilotkonditionierungsanlage (PKA) und ein Bergwerk zur Prüfung eines dortigen Salzstockes auf seine Tauglichkeit als Endlager für hochradioaktive Abfälle u.a. aus der sogenannten Wiederaufbereitung).

siehe auch: Republik Freies Wendland

In Gartow gibt es zwei Sendemasten mit 326 Metern und 344 Metern Höhe. Letzterer diente bis 1990 für die Realisierung einer Richtfunkverbindung nach Berlin (Gegenstation: Berlin-Frohnau).

Inhaltsverzeichnis

Dörfer und Gebäude im Wendland (Dorfnamen und ihre Herkunft)


Das Hannoversche Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist das Kerngebiet der Rundlinge. Mit über 100 Dörfern ist diese Siedlungsform noch heute im Ortsbild ablesbar. Aber auch die Altmark sowie östliche Teile der Landkreise Lüneburg, Uelzen und Gifhorn weisen ebenfalls eine erhebliche Zahl von Rundlingen auf. Diese sind aber im Gegensatz zum Wendland stärker überformt und die historischen Bauernhäuser sind nur in geringerem Maße erhalten geblieben.

Es gibt unter den gewachsenen und geplanten bäuerlichen Siedlungsgebilden der europäischen Landschaften keine Dorfform, die eine derart überzeugende bauliche Geschlossenheit bietet. Die Ausrichtung aller Höfe mit den hohen Giebeln der Hauptgebäude zum Dorfplatz hin ist ein städtebaulich besonders charktervoller Ausdruck dieses bäuerlichen Lebensraumes.

Über die Entstehungszeit der meisten Rundlinge ist wenig bekannt. Die ältesten Rundlinge tauchen bereits in Urkunden des 9. Jh. im Ilmenaugebiet (Kreis Uelzen) an der Westgrenze des slawischen Siedlungsgebietes auf, im Wendland stammen die ersten Erwähnungen aus dem 11. und 12. Jh. Eine erstmalige urkundliche Nennung von Ortsnamen ist zumeist für das 14. Jh. nachweisbar. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass vom 8. bis zum 11. Jh. eine kontinuierliche slawische Bevölkerung für das ganze Gebiet zwischen Elbe und Ilmenau angenommen werden kann. In der Zeit der frühen Ostkolonisatiaon im 12. Jh. erfolgte eine Ordnung der slawischen Kleinsiedlungen unter deutschem Einfluss. Zur Regelung von Abgaben und Diensten wurden innerhalb eines Dorfes in der Größe etwa übereinstimmende Höfe (Vollhufner) gebildet. Zur Verbindung zwischen den slawischen Bauern und der deutschen Grundherrschaft wurde in jedem Ort ein Dorfschulze eingesetzt (Burmesterhof).

Die besondere Form der Dörfer hat zu verschiedenen Hypothesen über deren Entstehung geführt, deren wissenschaftliche Diskussion noch nicht abgeschlossen ist. Der bisherige Stand zeigt folgende Ergebnisse: Die Siedlungsform der Rundlinge ist weder im Gebiet der westdeutschen Altstämme noch in den Ursprungsgebieten der slawischen Völkergruppen anzutreffen. Runddörfer sind nahezu ausschließlich in den Durchdringungszonen der slawischen und deutschen Volksgruppen zu finden. Bisher konnte nicht nachgewiesen werden, dass im Wendland schon seit den ersten kolonisatorischen Vorgängen voll ausgebildete Rundlingsdörfer vorkamen. Bei der Ordnung der slawischen Kleinsiedlungen durch die deutsche Grundherrschaft scheinen vielfach kleine Halbrunde und Bogen, wohl auch sackgassenartige Anlagen entstanden zu sein. In ihnen wurden Slawen an- und umgesiedelt, später auch deutsche Zuwanderer angesetzt. Im gesamten deutsch-slawischen Grenzstreifen entwickelten sich aus ihnen Rundlinge, wenn der Anteil der slawischen Bevölkerung zur Zeit der deutschen Ostkolonisation größer war. Damit dürfte es sich um eine Siedlungsform der westslawischen Bevölkerung des östlichen Niedersachsen handeln.

Die Bevölkerung in den Dörfern wuchs, je besser der Boden und damit der Ertrag war. Besonders in der fruchtbareren niederen Geest kam es zu Nachsiedlungen und frühe Halbrunde wandelten sich zum vollausgebildeten Rundling, während sich in der hohen Geest mit leichten Böden die Halbrunden erhielten. Zu der Schicht der ersten Siedler, der Vollhufner, kamen seit dem 14. Jh. in den meisten Dörfern etwa einem Viertelhufner gleichgestellte Nachsiedler (Kossater), deren Ansiedlung oft den Abschluss des Dorfplatzes in runder Form bewirkte. Die im 15. bis 17. Jh. zu verfolgende Teilung der Vollhufen in Halb-, Drittel- und Viertelhufen führte dazu, dass zahlreiche Hauptgebäude auf die Hofplätze zurückgenommen werden mussten. Oft entstand dadurch aus kleinen Halbrunden ein wirklicher Rundling. Zu einer weiteren Verdichtung der eng bebauten Rundlinge trugen im 15.-17. Jh. weitere Nachsiedlungen durch Kossater sowie Brinksitzer, An- und Abbauer im 17.-19. Jh. bei. Zahlreiche Brände der weichgedeckten Häuser hatten meist verheerende Ausmaße und führten zur Ausdünnung der engen Bebauung, in einigen Fällen auch zur teilweisen oder völligen Neuordnung der Siedlungsform.

Der typische Wendland-Rundling liegt abseits von großen Verkehrswegen, ist ursprünglich mit drei bis zehn keilförmigen Vollhofstellen sehr klein und hat normalerweise nur einen einzigen Zugang. Die dicht nebeneinander stehenden niederdeutschen Hallenhäuser gruppieren sich um einen verschieden variierten rundförmigen Dorfplatz, die Wirtschaftsgiebel alle diesem Platz zugewandt.

Das heutige Erscheinungsbild der Rundlinge ist aber nicht nur durch die Siedlungsform, sondern ebensosehr durch den Haustyp und seine Erhaltung geprägt. Die kulturhistorisch ansprechende, einmalig erhaltene Bausubstanz der heutigen Rundlinge entstand im wesentlichen zwischen 1770 und 1870. Dies war die Zeit der großen Agrarreformen sowie der intensiven hausgewerblichen Leinwandherstellung. Nach dieser relativen wirtschaftlichen Blütezeit, in der sich ein verhältnismäßig wohlhabender Bauernstand entwickeln konnte, kam es nie wieder zu einer positiven Agrarkonjunktur im Wendland und das Ausbleiben neuer Bauphasen führte zum Erhalt der traditionellen vorindustriellen Siedlungs- und Bauformen.

Wendland und Lüneburger Heide gehören zum Gebiet des niederdeutschen Hallenhauses. Dieser früher hier ausschließlich vorkommende Bautyp, dessen Eigenart auf dem Prinzip der Vereinigung von Viehstall, Ernteraum und Wohnung unter einem Dach beruht, bestimmt auch heute noch das Erscheinungsbild zahlreicher Dörfer. Die ältere Form dieses Hauses ist das Zweiständerhaus (Kübbungsbau), das seit dem 17. Jh. zunehmend vom Vierständerhaus abgelöst wurde. Eine Mischform aus Zwei- und Vierständerbau ist das Dreiständerhaus. Mit nahezu gleichem Volumen, gleicher Hausbreite und -höhe, aber vielfach gewandelter Fachwerk- und Giebelaufgliederung, gleichen Baustoffen und gleichem Maßstab bestimmen diese Häuser das räumlich geschlossene Bild dieser Dörfer.

Rundlingsdörfer

Reihendörfer

Verheerende Brände in den eng bebauten Rundlingsdörfern und ihren meist mit Stroh gedeckten Hallenhäusern ließen es ratsam erscheinen, den Dörfern beim Neuaufbau eine andere Form zu geben, bei der die Gebäude weiter auseinander standen. So entstanden im Wendland einige Reihen- oder Straßendörfer. Andere sind vermutlich in einer jüngeren Periode des Landausbaues als neue Straßendörfer entstanden.

Marschhufen- und Wurtendörfer

Das Überschwemmungsgebiet der Elbe konnte erst nach der Landsicherung und -entwässerung bewirtschaftet und in stärkerem Maße besiedelt werden. Eine planmäßige Kolonisation der Elbmarsch begann im 13. Jh. .Die Anlage der Marschhufendörfer setzte Anschüttungen (Wurten, Warften) oder die Eindeichung der Marschen voraus. So konnten hinter dem neugebauten Deich und den zwischen den Hufen angelegten Entwässerungsgräben bisher brachliegende, feuchte Elbmarschflächen in fruchtbares Ackerland umgewandelt werden. Zahlreiche Marschhufendörfer mit ihren sehr schmalen, aber bis zu mehreren Kilometer langen, parellel hinter den Höfen liegenden Acker- und Wiesenstreifen (Hufen) wurden von holländischen Siedlern planmäßig angelegt. Die große Länge und geringe Breite der Flurstücke erklärt sich aus der Deichunterhaltungspflicht, die für jeden Anlieger abhängig von der Breite der Hufen hohe Lasten mit sich brachte.

Andere Dörfer und ländliche Bauten

siehe auch: Sehenswertes im Wendland und Auenteufel

Literatur

See also: Wendland, Altmark, Barnitz, Bergwerk, Berlin, Berlin-Frohnau, Bischof, Bösel, CASTOR, Dambeck