Werner von Blomberg
Werner Eduard Fritz von Blomberg (* 2. September 1878 in Stargard, Pommern; † 14. März 1946 in Nürnberg) war ein deutscher General und Minister.
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Ausbildung zum Berufssoldaten
Werner von Blomberg wurde als Sohn des damaligen Oberleutnants Emil Leopold von Blomberg geboren und besuchte von 1894 bis 1897 die preußische Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde.
Danach trat er als Fähnrich in das Füsilierregiment "Generalfeldmarschall Prinz Albrecht von Preußen" (Hannoversches) Nr. 73 in Hannover ein. 1897 wurde er zum Leutnant befördert und wurde innerhalb von sieben Jahren Dienstzeit zum Oberleutnant befördert.
Nach Berlin wurde er von 1904 bis 1907 auf die Kriegsakademie entsandt. Nach erfolgreichem Abschluss diente er ab 1908 als Hauptmann im Großen Generalstab. Dort glänzte er mit seinen militärischen Kenntnissen, gewandtem Auftreten und Aufgeschlossenheit gegenüber allen Neuerungen.
Ab 1911 übernahm er ein Truppenkommando in Metz beim 1. Lothringischen Infanterieregiment Nr. 130.
Erster Weltkrieg
Der erste Weltkrieg begann für ihn mit der Mobilmachung als 1. Generalstabsoffizier der 19. Reserve-Infanteriedivision. In Belgien hatte diese Division, die von Generalleutnant von Bahrfeld geführt wurde, die erste Feindberührung. Es folgten die Kämpfe bei St. Quentin, die Winterschlacht 1915 in der Champagne. Auch war er Teilnehmer der erbitterten Einsätze um den Hartmannsweilerkopf im Elsass während Weihnachten 1915.
Vor Verdun lag er mit seiner Division von Mai bis Juni 1915. Dann erfolgte eine Verlegung an die Ostfront, wo er an den Kämpfen um Lemberg und Gorlice teilnahm. 1916 wird er als Major zum XVIII. Reservekorps als Generalstabsoffizier versetzt. Ein Jahr später dient er beim Oberkommando der 7. Armee, das vom Generaloberst von Böhn kommandiert wurde, und wird dort enger Mitarbeiter des Generalstabschefs Walther Reinhardt, der später erster Chef der Heeresleitung in der Reichswehr wird.
In den Schlachten von Chemin des Dames und bei Soissons und bei der Sommeroffensive 1918 bewährt sich Blomberg erneut. Die deutschen Truppen dringen in dieser Offensive nochmals weit über die Aisne bis zur Marne vor. Dabei wird Blomberg so hervorgehoben, dass er mit dem höchsten preußischen Kriegsorden, dem Pour le Mérite ("Für das Verdienst") ausgezeichnet wird.
Bis zum zweiten Weltkrieg
Mit General Reinhardt geht Blomberg nach dem Krieg nach Berlin, wo er 1920 Chef des Stabes der Brigade Döberitz (bei Berlin) wird, dann ab 1. Mai 1921 im Range eines Oberstleutnants Chef des Stabes der 5. Division in Stuttgart wird. Reinhardt, der dort zugleich als Generalleutnant Befehlshaber im Wehrkreis V wurde, nachdem General Hans von Seeckt ihn als Chef der Heeresleitung abgelöst hatte, ist nun wiederum sein Divisionskommandeur.
Im Jahre 1925 wird er nun im Range eines Oberst Chef der Ausbildungsabteilung (T4) im Reichswehrministerium, wobei er nun seine Erfahrungen in neue Dienstvorschriften und in die gesamte Truppenausbildung einfließen ließ. 1927 wird er Chef des Truppenamtes, womit er "inoffizieller Generalstabschef" der Reichswehr wird, und am 1. April 1928 wird er in dieser Dienststellung zum Generalmajor befördert, woran sich Dienstreisen in die Sowjetunion, Ungarn und Österreich anschlossen. Diese Reise in die Sowjetunion hatte insoweit eine bestimmte Bedeutung, weil sich dort wegen der Rüstungsrestriktionen für die Reichswehr eine Zusammenarbeit ergeben hatte.
Danach wird er Befehlshaber im Wehrkreis I in Königsberg, wo er auch 1929 Befehlshaber der 1. Division für die nächsten vier Jahre wurde. Im Herbst 1930 unternimmt er eine Studienreise in die USA. Wegen seiner Vielseitigkeit und auch sprachlichen Ausbildung wird er deutscher Delegierter auf der Genfer Abrüstungskonferenz (vom 1. Februar 1932 bis 30. Januar 1933).
1933 wurde Werner von Blomberg, der selber nicht der NSDAP angehörte, dem Nationalsozialismus aber nicht ablehnend gegenüberstand, vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichswehrminister ernannt. Schon am 30. Januar 1933 wird Blomberg zum General der Infanterie und am 30. August 1933 zum Generaloberst befördert.
Nach dem Schein erweckte Blomberg anfangs eine Distanz zur NSDAP, verwendete er doch im Februar 1933 noch die Formel von der Überparteilichkeit der bewaffneten Macht und rückte diesen Ausdruck bewusst in den Vordergrund. Diese Formel umschrieb nicht nur eine traditionelle Position, sondern sollte in Verbindung mit dem Programmpunkt der "Wehrhaftmachung des breiten Volkes" auch das Verhalten der militärischen Führung gegenüber den neuen politischen Gewalten - außerhalb der Exekutive - charakterisieren. Diese Formel der Verpflichtung auf den Grundsatz der Überparteilichkeit implizierte eine klare Distanzierung auch zur herrschenden politischen Partei, der NSDAP.
Nach Ansicht Blombergs hätte das Verlassen dieser Position ein "Herabsinken zur Parteitruppe" bedeutet und die "Grundlagen" aufgehoben, auf denen sich der Aufbau der Reichswehr vollzogen hatte. Diese seit langem eingeübte und bewährte politische Grundhaltung wurde für die militärische Führung plötzlich problematisch, da sich im Sommer 1933 herausstellte, dass der Staat künftig nicht mehr von mehreren Parteien, sondern nur noch von einer einzigen, mit totalitärem Anspruch auftretenden Partei getragen werden würde. Überparteilichkeit in einem Einparteienstaat war nicht nur eine begriffliche, sondern auch eine praktisch politische Unmöglichkeit.
Bereits Anfang März 1933 hat Blomberg die einen Monat zuvor eingenommene Position verlassen und von seinen Befehlshabern nunmehr die "rückhaltlose Unterstützung" der "nationalen Revolution" (der NSDAP) gefordert(1). Die "rückhaltlose Unterstützung" wurde schon deutlich in einem Akt demonstrativen Entgegenkommens, in dem Blomberg Anfang Februar 1934 die Übernahme des Arierparagraphen des Gesetzes vom 7. April 1933 (Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, RGBl. I 1933 Nr. 34 S. 175) für die Reichswehr akzeptiert hatte, welches die Juden aus allen öffentlichen Ämtern ausschloss.
Auch die Übernahme des Parteiabzeichens der NSDAP, das Hakenkreuz, zum offiziellen Symbol der Wehrmacht, wurde von Blomberg verfügt. Anlässlich der Röhmaffaire erlässt Blomberg am 2. Juli 1934 einen Tagesbefehl, der einer politischen Unterwerfung gleichkommt:
"Der Führer hat mit soldatischer Entschlossenheit und vorbildlichem Mut die Verräter und Meuterer selbst angegriffen und niedergeschmettert. Die Wehrmacht als der Waffenträger des gesamten Volkes, fern vom innenpolitischen Kampf, wir danken durch Hingebung und Treue! Das vom Führer geforderte gute Verhältnis zur neuen SA wird die Wehrmacht mit Freude pflegen im Bewusstsein der gemeinsamen Ideale. Der Alarmzustand ist überall aufgehoben." (2)
Noch am Todestag Hindenburgs am 2. August unterstreicht ein Befehl der Wehrmachtsführung ihre bedingungslose Loyalität zu Hitler, für den erst drei Wochen später die Ermächtigung geschaffen wurde. In einem Akt opportunistischen Übereifers lässt Blomberg in allen Garnisonen und auf allen Schiffen Offiziere und Mannschaften auf den neuen Oberbefehlshaber Adolf Hitler vereidigen:
"Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen".
Bisher bezog sich die Formel des Eidestextes auf "Volk und Vaterland". Nun ist Hitler die unbedingte Bezugsperson. Am 16. März 1935 legt Blomberg dem Kabinett einen Erlass vor, in dem Hitler sich offiziell als Chef des Staates und als Chef der Regierung bestätigen lässt.
Von jetzt an treibt er den Ausbau der Reichswehr zur Wehrmacht im Sinne der nationalsozialistischen Aufrüstung mit aller Energie voran, wobei ihm der Chef des Ministeramts, Oberst von Reichenau (später Generalfeldmarschall), intensiv hilft.
Im Zuge der Umgestaltung von 1935 des Reichswehrministeriums wird der Reichswehrminister zum Reichskriegsminister, um dann am 20. April 1936 zum ersten Generalfeldmarschall des Dritten Reiches befördert zu werden. Damit wollte Hitler eine besondere Annäherung an das traditionelle Offizierkorps als "eine Ehrung für die gesamte deutsche Wehrmacht, für jeden einzelnen Offizier und für jeden deutschen Soldaten" erreichen. Damit war auch eine "Dankesadresse" zu sehen, dass Blomberg im Zuge des "Röhm-Putsches" zu der Ermordung von zwei Generälen, der Generäle von Bredow und Kurt von Schleicher, während der Mordaktionen am 30. Juni 1934 geschwiegen hatte. Doch Blomberg stand unerschütterlich an Hitlers Seite, obwohl ihn General Erwin von Witzleben und Oberst von Manstein gedrängt hatten, dagegen bei Hitler zu protestieren. Auch hatte die Reichswehr unter Blombergs Führung Loyalität Hitler gegenüber bei der Entmachtung der SA gezeigt. Historisch wird dies als eine Unterordnung des alten preußischen Offizierkorps unter die Herrschaft der NSDAP interpretiert.
Weiterhin hatte Blomberg die Benennung Hitlers zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht und den Fahneneid auf die Person Hitler akzeptiert. Doch dies nützte alles nichts, als 1938 bekannt wurde, dass er in zweiter Ehe eine ehemalige Prostituierte geheiratet hatte. Göring und Heinrich Himmler waren die treibenden Kräfte, dass er im Zuge der Fritsch-Blomberg-Affäre am 4. Februar 1938 seinen Abschied einreichen musste. Mit seiner zweiten Heirat hatte er auch gegen eine von ihm erlassene Dienstvorschrift verstoßen, die bei Heiraten von Offizieren besondere Bedingungen vorsah.
Aufgrund des nahen zeitlichen Zusammenhangs einer Erklärung Hitlers (Hossbach-Protokoll 5.11.37.), dass H. den Krieg wünsche und der Hochzeit Blombergs mit Margarte Gruhn (und Hitler als Trauzeugen) am 12.1.38. sowie die näheren Umstände der überstürzten Heirat, stellt sich die Frage, ob Blomberg sich mit dieser erstaunlichen Hochzeit nicht selbst "aus der Affaire" ziehen wollte. Immerhin war die Frau 34 Jahre jünger als er. Angeblich bekam ihr ungefähr gleichalter Freund zufällig Ende 37 durch Göring eine Stelle in Argentinien! Die ablehnende Haltung Blombergs als gelernter Kriegshandwerker gegen einen Mehrfrontenkrieg ist im Zweifel der Siegesgewissheit begründet. Mit dieser Heirat musste er diesen kaum zu gewinnenden Krieg nicht führen. Es wäre also zu prüfen, ob man nicht von einem "gewollten Schicksal" sprechen kann.
Diese Entlassung nutzte Hitler, indem er nicht nur das Amt des Reichskriegsministers abschaffte, sondern sich auch zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht ernannte. Eine regelrechte "Säuberung" trat ein, indem Hitler über 40 ältere Generäle in den Ruhestand schickte und 34 weitere versetzen ließ. Göring wurde zum Generalfeldmarschall und damit zum ranghöchsten Offizier der Wehrmacht ernannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Aus Anlass seines vierzigjährigen Dienstjubiläums wurde Blomberg Chef des 73. Infanterieregiments; diese Stellung hat er aber nie eingenommen. Er starb 1946 als Zeuge in einem Nürnberger Gefängnis im Rahmen des Kriegsverbrecherprozesses.
Auszeichnungen
- Königlicher Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern
- Ehrenkreuz für Frontkämpfer
- Verwundetenabzeichen (1914) in schwarz
- Eisernes Kreuz (1914) 2. und 1. Klasse
- Pour le Mérite
Weblinks
Literatur
- (1) lfZ-Archiv, ED 1, Band 1, Aufzeichnung Liebermann über die Befehlshaberbesprechung
- (2) Philippe Mason, Die Deutsche Armee, München 1996, ISBN 3-7766-1933-3
Werner von Blomberg | Hermann Göring | Walther von Brauchitsch | Albert Kesselring | Wilhelm Keitel | Günther von Kluge | Wilhelm Ritter von Leeb | Fedor von Bock | Wilhelm List | Erwin von Witzleben | Walter von Reichenau | Erhard Milch | Hugo Sperrle | Gerd von Rundstedt | Erwin Rommel | Georg von Küchler | Erich von Manstein | Friedrich Paulus | Ewald von Kleist | Maximilian von Weichs | Ernst Busch | Wolfram Freiherr von Richthofen | Walter Model | Ferdinand Schörner | Robert Ritter von Greim | Eduard Freiherr von Böhm-Ermolli (ehrenhalber)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Blomberg, Werner Eduard Fritz von |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Deutscher General und Minister |
| GEBURTSDATUM | 2. September 1878 |
| GEBURTSORT | Stargard, heute Polen |
| STERBEDATUM | 14. März 1946 |
| STERBEORT | Nürnberg, Deutschland |
