Wertvorstellung
Dieser Artikel befasst sich mit Werten als Wertevorstellungen, geht also soziologisch vor. Weiteres siehe: Wert (Begriffsklärung), Wert
Werte sind Eigenschaften (Qualitäten), die Dingen, Ideen, Beziehungen u.a.m. von Einzelnen (sozialen Akteuren) oder von Gruppen von Menschen oder von einer Gesellschaft beigelegt werden, und die den Wertenden sehr wichtig und wünschenswert sind. Man kann hierbei zwischen materiellen Werten und immateriellen Werten unterscheiden. Werte sind die konstitutiven Elemente der Kultur, sie definieren Sinn und Bedeutung innerhalb eines Sozialsystems (Gruppe, Gesellschaft, etc.)
Durchaus denkbar, dass Anderen die gleichen "Werte" absolut unwert, abscheulich, verfolgenswürdig oder verächtlich vorkommen. Warum und wie so oder anders bewertet wird, bearbeiten die Sozialwissenschaften, was die Werte taugen, ist Gegenstand der Philosophie.
Aus Werten (z.B. dem Wert der Achtung des Eigentums) lassen sich soziale Normen (konkrete Vorschriften für das soziale Handeln) ableiten - z.B. "Wer eine fremde bewegliche Sache, in der Absicht, sie sich anzueignen, wegnimmt ...". Doch gehen historisch konkrete Gebote wie "Du sollst nicht stehlen!" oft ihren Wert-Abstraktionen voraus. Werte sind ein zentraler Bestandteil vieler Verhaltensvorschriften, jedoch sind sie nicht selber Verhaltensvorschriften.
Werte werden häufig über die Sozialisation an nachfolgende Generationen weiter gegeben. Dies geschieht jedoch nicht vollständig, so lässt sich beispielsweise in den westlichen Industriegesellschaften innerhalb der letzten Jahrzehnte ein Wertewandel weg von materiellen und hin zu post-materiellen Werten beobachten (vergleiche hierzu die Wertewandeltheorie von Ronald Inglehart). Die Ursachen für den Wertewandel sind vielfältig (veränderte Umweltbedingungen, Konflikthaltung gegenüber anderen Generationen, etc.). Werte unterscheiden sich von Einstellungen darin, dass Werte stabiler sind.
Das System aller Werte ist nicht widerspruchsfrei: Zum einen stehen einige Werte untereinander in einem immanenten Konkurrenzverhältnis. So steht z.B. der Wert des Wohlstands im Konflikt mit dem Wert der Nachhaltigkeit; oder der Wert der individuellen Freiheit steht im Widerspruch zu nahezu allen anderen Werten. Zum anderen können in einer konkreten Situation Werte miteinander in Konflikt treten, die abstrakt gesehen miteinander vereinbar scheinen. Es ist dann nicht möglich, sich so zu verhalten, dass man allen Werten gleichzeitig gerecht wird. Jedoch werden auch nicht alle Werte als gleichrangig angesehen, so dass auch in solchen Fällen meist eine mehr oder wenige klare Handlungsorientierung gegeben ist.
Problematisch ist auch, wie man die allgemein anerkannten Werte durchsetzt. Aus egoistischer Sicht ist es manchmal vorteilhafter, sich nicht an Wertvorstellungen zu halten, insbesondere dann, wenn man eine gute Chance hat, nicht erwischt zu werden. Deswegen muss eine Gesellschaft ein moralisches und materielles Sanktionssystem aufbauen, damit die Werte möglichst gut von allen eingehalten werden. Ist dieser Druck zu groß, beschneidet man allerdings wieder die individuelle Freiheit des Einzelnen.
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Wichtige Werte unserer Gesellschaft
Im Grundrechtsteil des Grundgesetzes werden einige grundlegende Wertvorstellungen in geltendes Recht umgesetzt. Der Grundrechtsteil gibt insoweit auch eine Rangfolge vor. Jedoch bilden die juristisch abgesicherten Grundwerte nur den kleineren Teil der Wertvorstellungen.
- Menschenwürde
- Einhaltung der Menschenrechte
- die freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit sie nicht andere Rechte oder Normen verletzt
- Gleichberechtigung unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, Glauben, politischen Anschauungen
- Menschlichkeit = Humanität
- Freiheit
- Gerechtigkeit
- Wahrheit
- Offenheit
- Toleranz
- Wohlstand
- Sicherheit
- Nachhaltigkeit
- Umweltschutz
- Tierschutz
- Solidarität
- Fröhlichkeit
- Würde des Einzelnen
- finanzielle Sicherheit
- Schutz vor Krankheit und Naturkatastrophen
Siehe auch
Ethik, Moral, Wertewandel, Tugend, Sittlichkeit, Preußische Tugenden, Sekundärtugend, Grundgesetz, Grundbedürfnis, Quartiarisierung
Literatur
- Ronald Inglehart, Alejandro Moreno, Miguel Basanez, "Human Values and Beliefs: A Cross-Cultural Sourcebook", University of Michigan Press 1998, ISBN 0472108336
- Hrsg. v. Walter Schweidler. Werte im 21. Jahrhundert. Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI), Bd.27. Freiburg (NOMOS) 2001, ISBN 3-7890-6976-0
- Karl-Heinz Hillmann, Wertwandel. Ursachen - Tendenzen - Folgen, Würzburg (Carolus) o. J. [2004], ISBN 3-9806238-1-5
Weblinks
Zitat
Der Volkswirt Ritschl hat in seiner Volkswirtschaftslehre von 1947 (!) angesichts der uferlosen Wertlehren einen nicht unebenen Schüttelreim in einer Fußnote versteckt: Dem, der da lehrt, wehre | nicht seine Wertlehre. | Denn wer lehrt, | stiftet Lehrwert.
