Western
Dieser Artikel befasst sich mit dem Filmgenre, weiteres siehe Wildwestroman.
Der Western ist ein Kino-Genre, in dessen Mittelpunkt der amerikanische Mythos schlechthin, die Eroberung des Mittleren (Wilden) Westens der Vereinigten Staaten im neunzehnten Jahrhunderts steht. Entsprechende Werke der Literatur werden meist als Trivialliteratur gewertet. Eines seiner wesentlichen Merkmale ist Handlungsort und Zeit: Der westliche Teil des nordamerikanischen Kontinents während seiner Besiedlung durch die von Osten kommenden Siedler. Der klassische Western ist in seinen handelnden Figuren, narrativen Elementen, Orten und Stilmitteln stark festgelegt. Im Mittelpunkt steht stets der gute, meist naive, aber körperlich agile Cowboy und sein alter Ego, der kriminelle, skrupellose Bösewicht, Pferde um sich darauf fortzubewegen, zwischen den beiden eine Frau, um die der Kampf zumeist mit Revolvern oder Fäusten ausgetragen wird. Das Fort, die kleine Stadt, die weite Landschaft, die in gewaltigen Totalen eingefangen wird und das Indianerdorf sind die Orte der Handlung. Aufgelöst wird der Konflikt am Ende durch einen Shoot out oder Showdown auf der Hauptstrasse. Zwei zentrale Motive bestimmen das Genre, zum einen die (Selbst-)-Erfahrung an der Grenze, dem "Frontier Land", beispielhaft in Der mit dem Wolf tanzt, wenn Kevin Kostner nach einem missglückten und missverstandenen Selbstmordversuch während einer Schlacht im Bürgerkrieg die Armee verlässt, "um die "Frontier" zu sehen, solange es sie noch gibt". Sowie die Erneuerung einer Gesellschaft durch Gewalt, die Wiederherstellung einer neuen, vitaleren Ordnung, nachdem die alte Ordnung vorher bereits durch Gewalt zerstört wurde. Die vier Phasen der Geschichte der Eroberung des Westens, frühes Vordringen in die Wälder des Ostens während des englisch-französischen Besatzung mittels Pfadfindern und Indianerscouts, Landnahme des Westens durch Planwagentrecks und kleine Siedler, Übergang zur zivilisierten Gesellschaft und schliesslich Beendigung der Entwicklung durch Eisenbahnbahnbau, Indianerkriege und Bürgerkrieg, schlagen sich in den einzelnen Filmen entsprechend wieder. 1903 kam mit Der grosse Eisenbahnraub der erste Western ins Kino, zu einer Zeit also, als es den wilden Westen fast noch tatsächlich gab. Von da an kamen jede Woche neue, zumeist einfach Produktionen im Stile von Bronco Bill ins Kino, die sich auf action- und gewaltgeladene Konfrontation zwischen den Hauptfiguren konzentrierten und sich wenig mit Psychologie, komplexen Charakteren und Handlungen beschäftigten. Von da an bis in die siebziger Jahre hinein kann man den Western als das wichtigste Genre der Filmproduktion der USA bezeichnen, wobei die vierziger und fünziger Jahre als der Höhepunkt der Entwicklung gelten dürfen. Aufgrund der Unverrückbarkeit seiner Elemente muss der Western zunehmend eine Entwicklung nach Innen, in die Tiefe nehmen. Ohne Orte, Figuren und Handlungsablauf anzutasten entstehen der epische, der psychologische Western und schliesslich, Ende der 1960er und Anfang der 1970er nahtlos an das Ende des klassischen Westerns anknüpfend der Spät-Western und Italo-Western, die wesentlich schonungsloser, zynischer und auch zuweilen realistischer mit ihrem Sujet umgehen. Seitdem folgte mit den Filmen Der mit dem Wolf tanzt, Erbarmungslos, Dead Man und The Mission in regelmäßigen Abständen ein Revival dieses immer wieder totgesagten Genres.
| Inhaltsverzeichnis |
Frontier Land
Im Zentrum des Western steht die Besiedlung des so genannte frontier land. Mit dieser "frontier" ist allerdings nicht nur die sich stetig nach Westen verschiebende Grenze der Fallensteller, Trapper, Goldsucher, Siedler und Viezüchter gemeint, tatsächlich geht es um die Konfrontation mit dem eigenen Ich – um eine Grenzerfahrung in zweifachem Sinn also, eine, die sich auf einer tatsächlichen, geographischen und eine, die sich auf einer metaphysischen, individuellen Ebene abspielt. Der Cowboy, Trapper oder Pfadfinder, dessen Urtypus Davy Crockett und Daniel Boone darstellen und der stets im Mittelpunkt der Handlung steht, ist eine in seinen moralischen Werten vom mittelalterlichen Ritter abgeleitete, zutiefst romantische Figur. So wie sich der Ritter von Reiter ableitet, und der Chevalier von Cheval, ist der Westmann ohne sein Pferd undenkbar. Damit und mit seinem fransengeschmückten Lederanzug ist er der Natur näher als der bürgerlichen Gesellschaft, die sich in der Zeit der Industrialisierung und der Besiedlung des Westens durch Weiße krakenartig ausbreitet. Auch wenn er für sie auskundschaftet und ihr vorauseilt, ihre Planwagen-Trecks anführt, sie damit unweigerlich hinter sich herzieht, so lehnt er sie doch im Herzen ab und befindet sich im gleichen Maße auf der Flucht vor ihr. Die Gesetze, denen er folgt, bezieht er nicht aus den Gesetzbüchern der Städte, er leitet sie scheinbar direkt von Gott und aus der Natur ab. Der Begriff Outlaw, jemand also der sich außerhalb der Gesetze stellt, hat nicht nur auf Grund der tief im amerikanischen Bewusstsein verankerten Vorliebe für Gesetzesbrecher und Gangster eine positive Färbung, auch der positive Held des Western ist auf seine Art stets ein "Outlaw" – und damit muss er unweigerlich in Konflikt mit der Gesellschaft geraten. Diese Freiheit, in der Konfrontation mit dem eigenen Ich jenseits der alles regelnden Zivilisation zu triumphieren, ist der eigentliche Kern der zum Gründungsmythos der Vereinigten Staaten im Western verklärten Besiedlung des Westens. Im Spätwestern wird der Verlust dieser Freiheit immer wieder thematisiert, das letzte Stück Land ist besiedelt, das letzte Wildpferd gefangen, Automobile und Maschinengewehre halten Einzug. Bald wird man die Handlung an den letzten unzivilisierten Ort verlegen müssen, den es noch gibt, den Weltraum. So ist weder die Bezeichnung "Space Cowboy" ein Zufall, noch dass der Science-Fiction-Film den Western im Kino ablöst.
- In Sam Peckinpahs The Wild Bunch, der ebenfalls nicht zufällig in Mexiko spielt, geht es um eine von Pike (William Holden) angeführte Bande scheinbar gewissenloser Outlaws, die von seinem alten Freund Thornton (Robert Ryan), einem ehemaligen Mitglied der "Wild Bunch", gejagt werden. In jeder Szene jedoch merkt man Thornton an, dass er lieber an Pikes Seite reiten würde, statt eine Horde zwar auf der Seite des Gesetzes stehender, aber zutiefs unmoralischer Kopfgeldjäger anzuführen. Thornton, Pike und seine "Wild Bunch" sind gealterte Dinosaurier (in einer Szene fällt Pike sogar vom Pferd) die von der modernen Zeit überlebt wurden. Sie sind hässlich, schmutzig, skrupellos und unsympatisch, aber an einer Stelle ihres Herzens besitzen sie etwas, dass in entscheidenden Situationen ihr Handeln bestimmt. Im zentralen Moment, dem Dreh- und Angelpunkt des Films, wählen sie in einem Augenblick persönlicher Freiheit mit einem kurzen "lets go" den sicheren Tod, statt Geld und Überleben. Statt davonzureiten kehren sie, die in keinem Falle mehr eine Zukunft haben, in die Festung des mexikanischen Generals Mapache zurück, um ihren Freund "Angel" zu befreien und dabei den sicheren Tod zu finden.
Fiktion und Wirklichkeit
Cowboy und Westernheld sind Kunstschöpfungen der Populärkultur, die nicht nachträglich, sondern im selben Moment erfunden wurden, als ihre Vorbilder im Westen das Land erkundeten. Der Stenograf des Revolverhelden Duke of Death in Erbarmungslos ist historische Realität. Der berühmte Kit Carson wurde von einem solchen Begleiter für die Groschenhefte der Ostküste zur Romanfigur aufgebaut. Eine reale Figur namens Deadwood Dick hat es nicht gegeben, aber als zunehmend Leser der Deadwood-Dick-Geschichten nach Deadwood zu pilgern begannen, nahm man dort die Produktion von Postkarten mit dem vermeintlichen Konterfei des Westerners auf. Eine geradezu einmalige Rolle in der Geschichte der Entwicklung der amerikanischen Populärkultur nimmt Buffalo Bill mit seinem Zirkus ein. Vor Publikum spielt er dort exakt die Abenteuer nach, die er kurz darauf, nachdem er hutschwenkend aus der Manege in die weite Prärie hinausgaloppiert ist, tatsächlich in der Realität erlebt – und umgekehrt – eine nie wiederkehrende Deckungsgleichheit von Fiktion und Realität. Bei seinem legendären "Rough Rider Congress" ist diese Verquickung ebenfalls nicht mehr zu entwirren. Übten die Cowboys ihre Revolver-, Lasso- und Pferdetricks nur, um in Buffalo Bills Show aufzutreten, oder war dies tatsächlich Bestandteil ihres täglichen Lebens im Wilden Westen? Buffalo Bills Wild West Show gastierte mit ihrem Programm auch in Europa und sorgte damit lange vor dem Film für eine weite Verbreitung des Wild-West-Mythos, und kann damit, zusammen mit den Dime and Nickel Novels der Ostküste aus dem Hause Beadle & Adams als Vorläufer des Western-Films angesehen werden.
Wichtige Regisseure
- Robert Aldrich
- Budd Boetticher
- Sergio Corbucci
- Kevin Costner
- John Ford
- Henry Hathaway
- Howard Hawks
- George Roy Hill
- Walter Hill
- Elia Kazan
- Burt Kennedy
- Sergio Leone
- Sam Peckinpah
- Don Siegel
- William Wyler
- Fred Zinnemann
Bekannte Darsteller
- James Arness
- Charles Bronson
- James Caan
- Lee van Cleef
- James Coburn
- Gary Cooper
- Kirk Douglas
- Clint Eastwood
- Henry Fonda
- Stewart Granger
- Grace Kelly
- Burt Lancaster
- Dean Martin
- Robert Mitchum
- Gregory Peck
- James Stewart
- John Wayne
- Richard Widmark
Bekannte Western-Filmkomponisten
- Elmer Bernstein
- Jerry Goldsmith
- Erich Wolfgang Korngold
- Ennio Morricone
- Miklos Rozsa
- Dimitri Tiomkin
- Luis Bacalov
Bekannte Western TV-Serien
- Bonanza (Originaltitel: Bonanza)
- Am Fuß der blauen Berge (Originaltitel: Laramie)
- Rauchende Colts (Originaltitel: Gunsmoke)
- High Chapparal (Originaltitel: The High Chapparal)
- Die Leute von der Shiloh Ranch (Originaltitel: The Virginian)
- Westlich von Santa Fe (Originaltitel: The Rifleman)
- Unsere kleine Farm (Originaltitel: Little House on the Prairie)
- Dr. Quinn - Ärztin aus Leidenschaft (Originaltitel: Dr. Quinn, Medicine Woman)
Wichtige Western der Filmgeschichte
| Jahr | Titel | Regie | Hauptdarsteller |
|---|---|---|---|
| 1903 | Der große Eisenbahnraub | Edwin S. Porter | George Barnes, Frank Hanaway, Max Aronson, Marie Murray |
| 1924 | Das eiserne Pferd | John Ford | George O'Brien, Madge Beilamy, Francis Powers, James Weich |
| 1930 | Pioniere des Wilden Westens | Wesley Ruggles | Richard Dix, Irene Dunne, Estelle Taylor, Wllliam Collier |
| 1939 | Höllenfahrt nach Santa Fe | John Ford | Claire Trevor, John Wayne, Andy Devlne, John Carradine |
| 1939 | Jesse James, Mann ohne Gesetz | Henry King | Tyrone Power, Henry Fonda, Nancy Kelly, Randolph Scott |
| 1943 | Ritt zum Ox-Bow | William A.Wellman | Henry Fonda, Dana Andrews, Anthony Quinn, Jane Darwell |
| 1946 | Duell in der Sonne | King Vidor | Jennifer Jones, Gregory Peck, Joseph Cotten, Lionel Barrymore |
| 1946 | Faustrecht der Prärie | John Ford | Henry Fonda, Linda Darnell, Victor Mature, Walter Brennan |
| 1948 | Bis zum letzten Mann | John Ford | John Wayne, Henry Fonda, Shirley Temple, Pedro Armendariz |
| 1948 | Red River | Howard Hawks | John Wayne, Montgomery Clift, Colleen Gray, Walter Brennan |
| 1950 | Winchester '73 | Anthony Mann | James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea, Stephen McNally |
| 1950 | Der Scharfschütze | Henry King | Gregory Peck, Helen Westcolt, Millard Mitchell, Jean Parker |
| 1951 | Meuterei am Schlangenfluß | Anthony Mann | James Stewart, Arthur Kennedy, Julia Adams, Rock Hudson |
| 1952 | Zwölf Uhr mittags | Fred Zinnemann | Gary Cooper, Grace Kelly, Thomas Mitchell, Lloyd Bridges |
| 1952 | Viva Zapata | Elia Kazan | Marlon Brando, Jean Peters, Anthony Quinn, Joseph Wiseman |
| 1953 | Mein großer Freund Shane | George Stevens | Alan Ladd, Jean Arthur, Van Heflin, Brandon De Wilde |
| 1954 | Vera Cruz | Robert Aldrich | Gary Cooper, Burt Lancaster, Denise Darcel, Cesar Romero |
| 1954 | Wenn Frauen hassen | Nicholas Ray | Joan Crawford, Mercedes McCambridge, Sterling Hayden |
| 1955 | Der Mann aus Laramie | Anthony Mann | James Stewart, Arthur Kennedy, Donald Crisp, Cathy O'Donnell |
| 1956 | Der Schwarze Falke | John Ford | John Wayne, Jeffrey Hunter, Vera Miles, Ward Bond |
| 1957 | Zwei rechnen ab | John Sturges | Burt Lancaster, Kirk Douglas, Rhonda Fleming, Jo van Fleet |
| 1958 | Weites Land | William Wyler, Gregory Peck | Gregory Peck, Jean Simmons, Carroll Baker, Charlton Heston |
| 1958 | Billy the Kid | Arthur Penn | Paul Newman, Lita Milan, John Dehner, Hurd Hatfield |
| 1959 | Alamo | John Wayne | John Wayne, Laurence Harvey, Richard Widmark, Richard Boone |
| 1959 | Der letzte Zug von Gun Hill | John Sturges | Kirk Douglas, Anthony Quinn, Carolyn Jones, Earl Holliman |
| 1959 | Rio Bravo | Howard Hawks | John Wayne, Dean Martin, Ricky Nelson, Angie Dickinson |
| 1960 | Die glorreichen Sieben | John Sturges | Yul Brynner, Steve McQueen, Horst Buchholz, Eli Wallach |
| 1960 | Denen man nicht vergibt | John Huston | Burt Lancaster, Audrey Hepburn, Audie Murphy, Lillian Gish |
| 1960 | Der Besessene | Marlon Brando | Marlon Brando, Karl Malden, Kathy Jurado, Pina Pellicer |
| 1962 | Der Mann, der Liberty Valance erschoss | John Ford | James Stewart, John Wayne, Vera Miles, Lee Marvin |
| 1966 | Django | Sergio Corbucci | Franco Nero, Jose Bodalo, Loredana Nusciak |
| 1966 | Man nannte ihn Hombre | Martin Ritt | Paul Newman, Fredric March, Richard Boone, Diane Ciiento |
| 1968 | Spiel mir das Lied vom Tod | Sergio Leone | Claudia Cardinale, Henry Fonda, Charles Bronson, Jason Robards |
| 1969 | Das Wiegenlied vom Totschlag | Ralph Nelson | Candice Bergen, Peter Strauss, Donald Pleasence, Bob Carraway |
| 1969 | The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz | Sam Peckinpah | Ernest Borgnine, William Holden, Richard O'Brian, Robert Ryan, Edmond O'Brian |
| 1969 | Zwei Banditen | George Roy Hill | Paul Newman, Robert Redford, Katharine Ross, Strother Martin |
| 1971 | Little Big Man | Arthur Penn | Dustin Hoffman, Martin Balsam, Faye Dunaway, Chief Dan George |
| 1971 | Vier Fäuste für ein Halleluja | E. B. Clucher | Terence Hill, Bud Spencer, Yanti Somer |
| 1973 | Pat Garret jagt Billy the Kid | Sam Peckinpah | Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan, Jason Robards |
| 1990 | Der mit dem Wolf tanzt | Kevin Costner | Kevin Costner, Mary McDonnell, Graham Greene, Rodney A. Grant |
| 1992 | Erbarmungslos | Clint Eastwood | Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Richard Harris |
| 1995 | Dead Man | Jim Jarmusch | Johnny Depp, Robert Mitchum, Gabriel Byrne |
| 2003 | Open Range - Weites Land | Kevin Costner | Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening |
Varianten
- Italo-Western
- Karl-May-Film
- Spät-Western
- Kavallerie-Western
