Westdeutschland

Der Begriff Westdeutschland wurde und wird sowohl mit geographischem als auch politischem Hintergrund gebraucht.

Geografisch gesehen ist Westdeutschland in einem engeren Sinne vor allem das Rheinland und Westfalen (letzteres wird auch Norddeutschland zugeordnet), dann etwa Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Politisch bezeichnet Westdeutschland das Gebiet der alten Bundesrepublik (also während der deutschen Teilung bis 1990), oder auch den damaligen Staat selbst. Besonders das Ausland bezeichnete die Bundesrepublik der Einfachheit halber oft als Westdeutschland.

Westdeutschland wurde im Sprachgebrauch oft in Abgrenzung zu West-Berlin benutzt. Wenn ein Westberliner in ein anderes Bundesland reiste, fuhr er erst einmal nach Westdeutschland. Das tatsächlich bereiste Bundesland war ein Unterbegriff für ihn. Auch Politiker verwendeten diese Terminologie gerne zur logischen Abgrenzung. Gemäß Artikel 2, Absatz 1 der Verfassung von Berlin war Berlin auch vor 1990 ein Land der Bundesrepublik Deutschland, dieser Artikel konnte jedoch keine Wirkung entfalten, da er von den in Berlin maßgeblichen Alliierten zurückgestellt war.

Im westlichen Sprachgebrauch gab es neben Westdeutschland noch Mitteldeutschland, also das Gebiet der SBZ/DDR, und Ostdeutschland, die Gebiete jenseits von Oder und Neiße (Ostpreußen, Westpreußen, Hinterpommern, Neumark und Schlesien). Die DDR nach Ostdeutschland einzuordnen wurde mit Rücksicht auf die Heimatvertriebenen und ihre Organisationen vermieden, selbst dann noch, als zwischenstaatliche Verträge die Realitäten manifestierten und es östlich der Oder-Neiße-Linie kein Deutschland mehr gab. Der Begriff Mitteldeutschland wurde seit Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts offiziell nicht mehr und auch sonst kaum mehr verwendet.

Erst 1972 wurde die DDR von Westdeutschland durch den Grundlagenvertrag quasi namentlich anerkannt, eine eigene Staatsbürgerschaft der DDR wurde aber bis zum Ende der DDR nicht akzeptiert.

Bis zur zweiten Hälfte der 1960er Jahre sprach auch die DDR häufig von Westdeutschland, da bis dahin die DDR noch von einem zu vereinigenden Gesamtdeutschland ausging. Später vermied man in der offiziellen DDR-Sprache zeitweilig die Bezeichnung Westdeutschland zur Umgehung des offiziellen Namens "Bundesrepublik Deutschland". Als Zwischenlösung konnte man auch Westdeutsche Bundesrepublik hören.

See also: Westdeutschland, 1990, 20. Jahrhundert, Alliierte, Berlin, Bundesrepublik Deutschland, DDR-Sprache, Deutsche Demokratische Republik, Deutschland, Geographie