Whistleblower
Whistleblower (englisch: Pfeifen-Bläser) ist ein Begriff aus der angelsächsischen Rechtssprache.
Negativ gewendet bezeichnet der Begriff einen Petzer, Nestbeschmutzer bzw. Denunzianten, der Interna seines Arbeitsumfelds "ausplaudert". Einem Whistleblower werden hierbei Renommiersucht, persönliches Vorteilskalkül und krasse Illoyalität gegenüber Kollegen und Arbeitgeber zugeschrieben.
Positiv gewendet wird der Begriff für einen Hinweisgeber aus Gewissensgründen verwendet - jemanden, der unlautere Machenschaften von Regierungen, Verwaltungen oder Unternehmen an die Öffentlichkeit bringt, um diese Missstände zu unterbinden. Damit setzt ein Whistleblower nicht selten seinen Arbeitsplatz und sein soziales Ansehen aufs Spiel. Whistleblower werden somit sehr häufig Opfer übler Mobbing-Attacken.
Der Begriff findet bislang keine exakte Entsprechung im Deutschen - gleichwohl wird das Phänomen "Whistleblowing" zunehmend etwa im Rahmen von Wissenschafts- und Verwaltungsethik reflektiert. In Großbritannien und USA werden Whistleblower durch das Gesetz geschützt (Whistleblower-protection-act).
Prominente Whistleblower:
- Dr. David Kelly opferte seine Karriere, weil er der Wahrheit einen Dienst erweisen wollte; er konnte indes dem Druck, der dann auf ihn ausgeübt wurde, nicht lange standhalten.
- Ein israelischer Atomtechniker, Mordechai Vanunu, verriet westlichen Medien, dass Israel die Atombombe besitzt. Er wurde vom Geheimdienst von Italien nach Israel verschleppt und wegen Geheimnisverrats von einem israelischen Gericht zu einer 18-jährigen Haftstrafe verurteilt.
- Katherine Gun, Übersetzerin beim britischen Geheimdienst GCHQ, gab der Öffentlichkeit preis, dass UN-Delegierte vom britischen Geheimdienst abgehört werden. Sie konnte ihre Beteiligung an den Vorbereitungen zum 3. Golfkrieg nicht mit dem Gewissen vereinbaren und wurde vom Gericht freigesprochen.
- Paul van Buitenen, EU-Kontrollbeamter, der sich 1998 öffentlich gegen die betrügerischen Machenschaften einiger Mitglieder der Europäischen Kommission wandte. Als Folge seiner Aktion musste die komplette Kommission zurücktreten. Eine weitere Folge war, dass Paul von Buitenen vier Monate lang beurlaubt wurde (mit Halbierung seines Entgelts) und danach an eine "ungefährliche" Stelle versetzt wurde.
Die persönlichen Konsequenzen für - integre - Whistleblower sind regelmäßig nicht tragbar. In neuerer Zeit werden daher Konzepte zur Wahrung ihrer Anonymität erprobt - etwa die Möglichkeit, via Internet Hinweise auf organisatorische Missstände bzw. Straftaten zu geben.
Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat für Hinweise auf Korruption eigens eine Website in Betrieb genommen: Externer Link LKA
