Wilhelm Reich
Wilhelm Reich, (* 24. März 1897 in Dobzau, Galizien, † 3. November 1957 in Lewisburg, Pennsylvania, USA.) war der Begründer der wissenschaftlich nicht anerkannten Orgontherapie.
Wilhelm Reich studierte in Wien ab 1919 zunächst Jus, dann - durch Sigmund Freud beeinflusst - Medizin. Ohne jemals eine Lehranalyse abgeschlossen zu haben, praktizierte er als Psychoanalytiker, wobei er sich in seinen Schriften unter anderem um eine Synthese von Marxismus und Psychoanalyse bemühte. Mitte der 20er Jahre erfolgte der Bruch mit Freud, 1934 wurde er auf Betreiben Paul Federns aus der Internationalen Psychoanalytischen Gesellschaft ausgeschlossen, nachdem er 1930 aufgrund seiner Kritik an der Parteiführung bereits aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden war.
Nach der Emigration in die USA übte er großen Einfluss auf Psychotherapeuten wie Ronald D. Laing, Alexander Lowen und Fritz Perls aus. Beachtung fand Reich vor allem mit seiner Beschreibung psychischer Blockaden, die er als "Charakterpanzer" bezeichnete, und die sich in der Verspannung bestimmter abgrenzbarer Muskelgruppen ("Muskelpanzer") äußeren würden. Die von ihm entwickelte Vegetotherapie diene laut Reich dazu, den Muskel- wie den Charakterpanzer aufzulösen.
Seine "Entdeckung" des Orgons als sich auf alle Lebensbereiche auswirkende Bioenergie führte zur Begründung der Orgontherapie. Diese Energieform sei nach Reich und seinen Anhängern die biophysikalische Grundlage für die Wirksamkeit der Psychotherapie, wirke bakterizid, töte Krebszellen und sei in so genannten Akkumulatoren speicherbar. Ein Verbot dieser "Orgon-Kästen" sowie die Verfügung, diese Kästen selbst sowie alle seine Bücher zu vernichten, ließ Reich an der Kompetenz des Gerichts in Sachfragen zweifeln, und führte 1956 zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen Missachtung des Gerichts. Während der Haft starb Reich an plötzlichem Herztod.
Seine Orgontheorie wird oft in geistiger Nähe zu vermeintlichen oder tatsächlichen Entdeckungen Nikola Teslas bezüglich einer universellen Ätherenergie gesehen.
Werke
- Der triebhafte Charakter (1925). In: Frühe Schriften I, Köln 1977
- Die Funktion des Orgasmus (1927). Revidierte Fassung: Frühe Schriften II, Köln 1982
- Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse (1929)
- Der Einbruch der Sexualmoral (1932). Erweiterte und revidierte Fassung: Köln 1972
- Die Massenpsychologie des Faschismus (1933). Erweiterte und revidierte Fassung: Köln 1971
- Charakteranalyse (1933). Erweiterte Fassung: Köln 1970
- Was ist Klassenbewusstsein? (1934) - (Pseudonym "Ernst Parell")
- Die Sexualität im Kulturkampf (1936), Neuauflage u.d.T. Die sexuelle Revolution, Frankfurt/M 1966
- Die Bione (1938)
- The Function of Orgasm (1942). Deutsch u.d.T. Die Funktion des Orgasmus (völlig verschieden von dem Buch gleichen Titels 1927), Köln 1969
- The Cancer Biopathy (1948). Deutsch u.d.T. Der Krebs, Köln 1974
- Listen, Little Man! (1948). Deutsch u.d.T. Rede an den kleinen Mann, Frankfurt/M 1984
- Ether, God, and Devil (1949). Deutsch u.d.T. Äther, Gott und Teufel, Frankfurt/M 1983
- Cosmic Superimposition (1951)
- The ORANUR Experiment - First Report (1951)
- People in Trouble (1953). Deutsch u.d.T. Menschen im Staat, Frankfurt/M 1982; verbesserte Auflage Frankfurt/M 1995
- The Murder of Christ (1953). Deutsch u.d.T. Christusmord, Olten und Freiburg 1978
- Contact with Space, The ORANUR Experiment - Second Report (1957)
Im Verlag und Vertrieb Zweitausendeins erschienen 1995-1997 Reichs "Späte Schriften" in deutscher Übersetzung in 6 Bänden: 1) Die Bionexperimente; 2) Orop Wüste (Artikelsammlung), 3) Das ORANUR-Experiment - Erster Bericht; 4) Das ORANUR-Eperiment - Zweiter Bericht; 5) Die kosmische Überlagerung; 6) Christusmord
Postum erschienen außerdem einige Bücher mit (auto-)biographischem Material:
- Reich Speaks of Freud, New York 1967. Deutsch auszugsweise u.d.T. Wilhelm Reich über Sigmund Freud, o.O., o.J. (1969ff)
- Beverley A. Placzek (ed.): Record of a Friendship (Correspondence Wilhelm Reich / Alexander Neill), New York 1981. *Deutsch u.d.T. Zeugnisse einer Freundschaft, Köln 1986
- Leidenschaft der Jugend (frühe Arbeiten und autobiogr. Ms.), Köln 1994
- Beyond Psychology (Letters and Journals 1934-1939), New York 1994. Deutsch u.d.T. Jenseits der Psychologie, Köln 1996
- An American Odyssey (Letters and Journals 1940-1947), New York 1999
Quellen
- Wilhelm Reich - Leben und Werk
- Orgontherapie - Zentrum für Orgontherapie, Berlin
- Kritische Evaluation der Lebensenergie-Forschung von Wilhelm Reich
Literatur
- Karl Fallend, Bernd Nitzschke (Hg.): Der 'Fall' Wilhelm Reich. Suhrkamp, Ffm., 1997, ISBN 3518288857 (Neuaufl. im Psychosozial-Vlg., ISBN 3898061477)
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reich, Wilhelm |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | altösterreichischer Psychonanalytiker |
| GEBURTSDATUM | 24. März 1897 |
| GEBURTSORT | Dobrzcynica |
| STERBEDATUM | 3. November 1957 |
| STERBEORT | Lewisburg, Pennsylvania |
