Wilhelmstraße (Berlin-Mitte)
Die Wilhelmstraße ist eine Straße im Berliner Bezirk Mitte. Sie beginnt im Norden an der Dorotheenstraße und endet am Halleschen Tor in Kreuzberg. Wichtige Kreuzungen sind die mit der Leipziger Straße und dem Boulevard Unter den Linden.
Bis zum zweiten Weltkrieg befand sich dort u.A.
- das Reichsschatzamt (Reichsfinanzministerium) (Nr. 61)
- das Preußische Staatsministerium (Nr. 63)
- das Geheime Zivilkabinett (Nr. 64)
- das Preußische Justizministerium (Nr. 65)
- das Preußische Kultusministerium (Nr. 68)
- die Britische Botschaft (Nr. 70)
- das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Nr. 72)
- das Palais des Reichspräsidenten der Weimarer Republik (Nr. 73)
- das Reichskanzleramt (Nr. 74)
- das Auswärtige Amt (Nr. 75/76)
- die Alte Reichskanzlei (Nr. 77/78)
- die Reichskanzlei (Ecke Wilhelmstraße/Voßstraße)
- das Reichsverkehrsministerium (Nr.79/80)
- das Reichsluftfahrtministerium (Nr.81-85)
- das Prinz-Albrecht-Palais (Nr. 102), Sitz des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS und
- das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Wilhelmplatz 8/9)
In dieser Zeit verwendete man den Begriff "Wilhelmstraße" als Synonym für Außenministerium, ähnlich wie man es heute noch in Frankreich mit Quai d'Orsay macht.
Nach 1945 blieb als Folge der Bombardierungen und Straßenkämpfe sowie der Sprengungen durch die sowjetischen Besatzer bzw. die DDR vom Charakter der "alten" Wilhelmstraße nicht viel übrig. Zwischen der Behren- und der Voßstraße wurden Wohn- und Geschäftshäuser in Plattenbauweise mit verhältnismäßig aufwendigen Fassaden errichtet.
Heute befinden sich an der Wilhelmstraße wieder die Britische Botschaft, das Bundesfinanzministerium (Nr. 97), Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (Nr. 54) und die Bundeszentrale der SPD. Das Ausstellungsgelände Topographie des Terrors grenzt ebenfalls an die Wilhelmstraße (hat dort aber keinen Eingang).
Namen der Wilhelmstraße
Ursprünglich hieß die Straße Lange Straße.
Der in Ost-Berlin gelegene Teil der Wilhelmstraße hieß während der DDR-Zeit Otto-Grotewohl-Straße.
Der ehemalige Wilhelmplatz mit den Denkmälern preußischer Feldherren des Berliner Bildhauers August Kiß ist heute zum einen Teil der Wilhelmstraße, zum anderen überbaut.
Aus der Geschichte
- In der 2. Etage des Hauses 3a befanden sich die Verlagsräume der Zeitschrift Zukunft seit ihrer Gründung 1892 bis zum Weggang ihres Herausgebers Maximilian Harden von Berlin im Jahr 1922.
- Im Haus Nr. 12 kam am 17. August 1885 der spätere Schriftsteller Kurt Hiller zur Welt, das Schandmaul der Weimarer Republik genannt.
- Im Haus Nr. 23 wohnte der am 7. Januar 1903 in München geborene Lyriker, Dramatiker und Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer, wegen seiner mächtigen Gestalt von seinen Freunden Elefant genannt.
- Im Hause Nr. 39 wohnte der Künstler Adolph Menzel mit seinen Eltern seit 1830. Da der Vater zwei Jahre später starb, mußte der Sohn mit lithographischen Arbeiten die Familie ernähren. 1839 zog die Familie in die Zimmerstraße.
- In der 2. Etage des Hauses Nr. 43 wohnte seit 1880 der Schriftsteller Otto Brahm, der neben Theodor Fontane Kritiken für die Vossische Zeitung schrieb. Er zog 1906 aus seiner Junggesellenwohnung in eine größere am Luisenplatz.
- Im Haus Nr. 63 wohnte Jakob Burckhardt seit dem 27. September 1841, seitdem er von seinen Reisen durch das Rheinland und Belgien nach Berlin zurückgekehrt war. Er unterrichtete hier den Sohn des holländischen Gesandten ("von 11 Uhr morgens bis 9 Uhr abends") und gab Stellung und Wohnung Ende September 1842 wieder auf, um an den Schiffbauerdamm zu ziehen.
- Im Haus Nr. 68 wohnte in den Wintermonaten 1830/31 Friedrich de la Motte Fouqué, der Verfasser der Undine.
- Im Haus Nr. 73 befand sich das Palais des Grafen Schwerin. Hier hatte der Philosoph Friedrich Schleiermacher seine letzte Wohnung. Er starb hier am 12. Februar 1834 an einer Lungenentzündung.
- Im Haus Nr. 78 wohnten zwei Wochen nach ihrer Heirat Ludwig Achim von Arnim und Bettina von Arnim (Bettina Brentano) im Gartenhaus des Vossischen Palais'. Das Palais lag an der jetzigen Kreuzung Wilhelm-/Voßstraße. Im Frühjahr 1814 zog man aus Ersparnisgründen auf das Gut Wiepersdorf bei Jüterbog zurück.
- In das neuerbaute Haus Nr. 97 zog 1836 der berühmte Schriftsteller Willibald Alexis ein, von der Zimmerstraße her. Es wurde bald eine Begegnungsstätte der literarischen und künstlerischen Gesellschaft Berlins. Im Herbst 1837 zog Emanuel Geibel von der Französischen Straße zu ihm und genoß die "großartige Aussicht von meinem Turmzimmer". Das Haus mußte später dem Durchbruch der Zimmerstraße Platz machen.
- Haus Nr. 102 war das Prinz-Albrecht-Palais, in dem Amalie, Prinzessin von Preußen lebte.
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