William Godwin
thumb|William Godwin William Godwin (* 3. März 1756 in Wisbech, Cambridgeshire; † 7. April 1836) war ein englischer Schriftsteller.
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Leben
Godwin war erst Prediger einer Dissentergemeinde in Suffolk, dann in London Beamter unter dem Ministerium Grey.
Als Schriftsteller trat er zuerst mit seinen Sketches of history in six sermons (Lond.1784) aus.
Größere Beachtung sand sein Inquiry concerning political justice (Lond. 1792; 3. Ausl. 1797, 2 Bde.; deutsch, Frankf. 1803).
Als um 1794 die Hochverratsprozesse begannen, trat er mit schonungsloser Schärfe gegen die Gerichte auf, während er gleichzeitig in seinem Roman Caleb Williams (Lond. 1794, 3 Bde., u. öfter; deutsch, Leipz. 1797-98, 2 Tle.) die englische Kriminalgesetzgebung angriff.
1796 verheiratete er sich mit der Schriftstellerin Mary Wollstonecraft und fing in London einen Buchhandel an; die von ihm unter dem Namen Edward Baldwin verfassten Kinderschriften verlegte er selbst.
Godwin der Anarchist
Godwin gibt 1793, schon als bekannter Gelehrter, seine bedeutendste politisch-philosophische Arbeit „Political justice and its influence on general virtue and happiness“ heraus. In seinem Hauptwerk zu Deutsch: „Untersuchung, die politische Gerechtigkeit betreffend“ profiliert er sich als leidenschaftlicher Kritiker der kapitalistischen Gesellschaft. Neben seinem Buch – was aufgrund seiner Komplexität nur in intellektuellen Kreisen Aufmerksamkeit findet – schreibt er noch mehrere utopistische Romane und erreicht so eine größere Leserschar.
Als Anhänger der Vernunft und der Rationalität meint Godwin die Menschen seien immer der Vernunft und logischen Argumenten zugänglich – der einzige Weg zum individuellen Glück bestünde darin Tugend zu üben. Die einzige Herrschaft die der Mensch akzeptieren solle sei die Vernunft. Nur durch das Vertrauen des Beherrschten in ihr System halte sich dieses. Das Vertrauen in das System resultiere aus dem Unwissen der Menschen. Die Allgemeine Bildung aller Menschen müsse daher vorangetrieben werden.
Godwin lehnt die gewalttätige Revolution ab, denn Gewalt fördere nur das entstehen einer neuen Autorität, denn Revolution sei nicht von Vernunft sondern von Leidenschaft geprägt – Revolutionen müssten nicht mit Gewalt, sondern mit Gerechtigkeit durchgeführt werden – die Reichen zur Vernichtung ihrer Privilegien zu zwingen hält Godwin für das falsche Mittel. Die Revolution verfrüht gewaltvoll herbeizuführen würde, sollte diese gelingen, zu einer negativen Anarchie führen, da die Menschen mit ihrer neuen Freiheit nicht umzugehen wüssten – eine Orientierungsunsicherheit wäre die Folge einer verfrühten gewaltvollen Revolution. Zu seiner, zuvor beschriebenen Ablehnung der Gewalt, passt sein Revolutionsbegriff. Revolution ist für ihn ein Zustand ständiger Evolution. Die Revolution und der Übergang zum Anarchismus stellt sich Godwin als einen Prozess vor der sich „zwanglos“ verwirklicht. Die Demokratie sieht er dabei als Übergangsphase zur Anarchie, denn in ihr könne die Unwissenheit der Menschen beseitigt werden. Die Menschen werden einfach nicht mehr mit dem Staat kommunizieren, nicht mehr mit ihm kooperieren. Dadurch, dass sie sich nicht als Gegenmacht darstellen sind sie nicht angreifbar und die Staatsgewalt läuft ins Leere. Durch die Revolution werde der Hauptkonfliktstoff - der Staat - aus der Welt genommen.
Godwins Mittel zu Revolution ist die freie Diskussion in der, nach seiner Ansicht, letztendlich die Wahrheit siegen werde. Er will den Anarchismus mit dem „geschriebenen und gesprochenen Wort“ verbreiten – er will die Aufmerksamkeit der Menschen wecken, sie nicht durch „Überredung“ zu Anarchisten machen, sondern jede Schranke des Denkens entfernen um „jedem den Tempel der Wissenschaft und das Feld für eigene Studien zu öffnen“. Godwin hält nicht von dem klassischen Modell der Ehe. Sie sei auf der Illusion der ewigen Liebe gebaut. Die Ehe sei eine tyrannische Einrichtung, sie sei die Konsequenz der Feigheit der Männer die, um einen Verlust ihrer Frau an einen Überlegenen vorzubeugen, diese als Eigentum monopolisieren würden. Godwins Version von der Zukunft der Beziehung zwischen Mann und Frau war das heute praktizierte „Suchen“ nach dem, bei dem man sich am Glücklichsten fühlt, welches damals noch weitgehend revolutionäre wie Begriffe wie Scheidung und wechselnde Partnerschaften, also eine sehr freie und moderne Einstellung, umfasste.
Godwin forderte wie andere Philosophen und Vordenker seiner Zeit bereits Ende des 18. Jahrhunderts die völlige Gleichberechtigung der Frauen. Godwin selbst heiratete zweimal in seinem Leben. Seine zweite Frau, Mary Wollstonecraft, eine der ersten Frauenrechtlerinnen war bekannt geworden durch ihr 1792 erschienenes Werk: „Die Rechte der Frauen“. Godwins Gesellschaftskritik beinhaltete auch eine Kritik am Strafsystem. Gefängnisse und speziell Einzelhaft kritisierte er weil sie den Sinn der Strafe verfehlen würden. Er setzte vielmehr auf „Resozialisierung“ um einem Täter die Möglichkeit zu geben zu bereuen. Er setzt auf eine „milde Strenge“ - eine alternative Strategie deren Nutzen für die Strafpolitik werden erst heute z.T. in die Wirklichkeit umgesetzt. Wichtig für die von Godwin proklamierte Revolution war auch der technische Fortschritt. Dies würde, so glaubte Godwin, schon in kurzer Zeit zu einer großen Entlastung des Menschen führen - Maschinen würden die Arbeit übernehmen, damit der Mensch nur noch eine halbe Stunde pro Tag arbeiten müsse. Godwin stört vor allem die Notwendigkeit der menschlichen Kooperation zur Bedienung der Maschinen wie er es in seiner Zeit am entstehenden Kapitalismus erlebt. Man müsse möglichst schnell zu Automation übergehen – der Mensch müsse wieder Herr der Maschinen werden – und damit auch seiner Zeiteinteilung.
Als Anhänger des Egalitarismus fordert Godwin nicht die die Kollektivierung des Eigentums oder die Abschaffung des Privateigentums (was die Kommunisten wollten), sondern die gleichmäßige Verteilung desselbigen an alle Menschen. Die Gedankengänge Godwins waren für die damalige Zeit zu komplex um ein größeres Publikum zu erreichen und fanden daher nur unter Intellektuellen eine Verbreitung – vielleicht auch ein Grund warum sein Hauptwerk „Political justice and its influence on general virtue and happiness“ von der monarchischen Autorität nicht verboten wurde. Godwin fordert bereits eine Gesellschaft ohne Zwänge, ohne Staat und auch dem Egoismus erteilt er eine Absage. Eine Gesellschaft die sich auf diese Prinzipien und auf Edelmut und Vernunft gründet ist die ideale Gesellschaft für Godwin. Deshalb wird er auch von vielen als einer der Begründer des individualistischen Anarchismus angesehen.
Werk
Von seinen Werken nennen wir noch:
- The enquirer: reflexions on education, manners and literature (1797, 1823)
- History of the life of Geoffrey Chaucer (1803, 2 Bde.)
- Inquiry concerning the power of increase in the numbers of mankind (1821)
- Thoughts on man (1831)
- History of the Common wealth of England" (1824-28,4 Bde.)
- Lives of the necromancers (1834)
Seine Romane Saint-Leon (1799, 4 Bde.), FleetWood (1805, 3 Bde.), Mandeville (1817, 3 Bde.) und Cloudesley (1830, 3 Bde.) fanden viel Beifall; mit den Tragödien Antonio (1801) und Faulkner (1807) fiel er durch.
Literatur
- K. Paul: William Godwin, his friends and contemporaries (Lond. 1876, 2 Bde.).
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Godwin, William |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Englischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 3. März 1756 |
| GEBURTSORT | Wisbech, Cambridgeshire |
| STERBEDATUM | 7. April 1836 |
| STERBEORT | |
