Windisch AG

Wappen
98px|Wappen von Windisch
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4123
PLZ: 5210
Koordinaten: 47° 29' n. Br.
8° 13' ö. L.
Höhe: 357 m ü. M.
Fläche: 4.91 km²
Einwohner: 6657 (31. Dezember 2004)
Website: www.windisch.ch
Karte
299px|Karte von Windisch

Windisch ist eine Gemeinde im Bezirk Brugg des Kantons Aargau in der Schweiz. Sie ist bekannt als Standort des römischen Legionslagers Vindonissa und des Klosters Königsfelden.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Gemeinde liegt auf einem Sporn über einer Flussschlaufe der Reuss, rund zwei Kilometer vor der Mündung in die Aare. Aare und Reuss bilden dabei eine Halbinsel; auf dieser liegt, unterhalb einer steilen Geländestufe von 50 Metern, der Ortsteil Unterwindisch. Auf einer Länge von rund 1600 Metern folgt ein künstlich angelegter Kanal dem linken Ufer der Reuss; er wurde um 1830 angelegt, um für eine Fabrik die Wasserkraft zu nutzen. Ganz im Süden verengt sich die Reuss zu einer rund 50 Meter breiten Schlucht. In der Aare wiederum liegt die Insel Geissenschachen, auf der sich ein Teil einer Kaserne der Schweizer Armee befindet.

Die Fläche der Gemeinde beträgt 491 Hektaren, davon sind 120 bewaldet und 211 Hektaren überbaut. Die höchstgelegene Stelle ist das 468 Meter hohe Hölzli, die tiefste Stelle ist der Zusammenfluss von Aare und Reuss auf einer Höhe von 328 Metern.

Nachbargemeinden sind Brugg im Westen und Norden, Gebenstorf und Birmenstorf im Osten, Mülligen im Südosten sowie Hausen im Süden. Windisch ist vollständig mit Brugg und Hausen zusammengewachsen.

Geschichte

Auf dem Gemeindegebiet befand sich ein römisches Legionslager mit dem Namen Vindonissa, dessen bestens wiederhergestellte Ruinen man heute wieder besichtigen kann. Das Lager war von 14 n. Chr. bis 101 n. Chr. das Hauptquartier von drei verschiedenen Legionen. Nach einer längeren zivilen Phase entstand im späten 4. Jahrhundert ein Kastell. Für das 6. Jahrhundert ist ein Bischofssitz und eine Münzprägestätte belegt.

thumb|Klosterkirche Königsfelden Das bedeutendste mittelalterliche Bauwerk ist die Klosterkirche Königsfelden. Deren Bau erfolgte auf Initiative der Habsburger, welche ihren Stammsitz ca. 2 km südwestlich von Windisch hatten. Am 1. Mai 1308 war König Albrecht umweit des Reussübergangs bei Windisch von seinem Neffen, Herzog Johann von Schwaben, ermordet worden. Zum Gedenken an diese Familientragödie stiftete die königliche Witwe Elisabeth ein Kloster, das Königsfelden genannt wurde. Die ersten Mönche zogen 1311 ein. 1397 schenkten die Habsburger dem Kloster das Eigenamt mit sämtlichen dazu gehörenden Herrschaftsrechten. Nach der Einführung der Reformation im Jahre 1528 wurde das Kloster aufgehoben und in den Sitz des Berner Landvogts umfunktioniert.

Ab 1415 war Windisch ein Teil des Untertanengebiets der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das jahrhundertealte Untertanenverhältnis der Dorfbewohner wurde 1798 beim Einmarsch der Franzosen und mit der Ausrufung der Helvetischen Republik beendet. Windisch kam zum Kanton Aargau, der vorerst nur die ehemaligen bernischen Untertanengebiete umfasste. 1803 wurde das Gebiet des Kanton Aargau um die Kantone Baden und Fricktal erweitert. Ein Jahr später übernahm das neu geschaffene Staatswesen das ehemalige Kloster Königsfelden; seither dient dieser Gebäudekomplex als Psychiatrische Klinik.

1828 errichtete der „Spinnerkönig“ Heinrich Kunz in Unterwindisch eine grosse Spinnerei, welche die Wasserkraft der Reuss ausnutzte; damit begann in Windisch das industrielle Zeitalter. Trotz des früh erfolgten Anschlusses ans Eisenbahnnetz ging es der Gemeinde finanziell überhaupt nicht gut. 1863 wurde ein Teil des Gemeindebannes an die Stadt Brugg verkauft. Kein sorgfältig überlegter Schritt; heute stehen dort der Bahnhof, ein Einkaufszentrum und mehrere Industriebetriebe. Windisch konnte diesen Bedeutungsverlust durch den Bau der Höheren Technischen Lehranstalt (aus der später die Fachhochschule Aargau) hervorging) wieder wettwachen. 1986 wurde das 2000-jährige Bestehen von Vindonissa/ Windisch gefeiert. Zwischen 1980 und 2000 nahm die Einwohnerzahl um über 12% ab, hat sich seither jedoch wieder stabilisiert.

Sehenswürdigkeiten

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1900 2389
1930 3585
1950 4363
1960 5377
1970 7444
1980 7598
1990 6915
2000 6650

Am 31. Dezember 2004 lebten 6657 Menschen in Windisch, der Ausländeranteil betrug 30,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 34,4 % römisch-katholisch, 33,9 % reformiert, 4,5 % christlich-orthodox und 9,1 % moslemisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 80,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,9 % Italienisch, 3,2 % Serbokroatisch, 2,9 % Türkisch, 2,2 % Albanisch, 0,9 % Portugiesisch, 0,8 % Spanisch, je 0,5 % Englisch und Französisch.

Behörden

Legislative

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Windischer Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 40 Mitgliedern. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Er kann Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Einwohnerrat wird im Proporzwahlverfahren gewählt.

Bei den Wahlen im November 2001 erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:

Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden, sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Die 5 Gemeinderäte sind:

Judikative

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Brugg zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Birr, Birrhard, Habsburg, Hausen bei Brugg, Lupfig, Mülligen, Scherz und Schinznach-Bad verantwortlich ist.

Wirtschaft

In Windisch gibt es rund 2800 Arbeitsplätze, davon sind mehr als 85% im Dienstleistungssektor. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in Brugg oder in der Region Baden.

Verkehr

Windisch liegt sehr verkehrsgünstig. Der SBB-Bahnhof Brugg liegt exakt an der Gemeindegrenze; dieser Bahnhof ist ein wichtiger Schnellzugshalt mit Zügen nach Basel, Bern und Zürich und ist die Endstation der Linie S12 der Zürcher S-Bahn. Postautolinien führen vom Bahnhof nach Birr, Birrhard, Dättwil und Unterwindisch. Der Anschluss Birrfeld der Autobahn A3 liegt knapp drei Kilometer südlich.

Bildung

In insgesamt fünf Schulhäusern werden alle Volksschulstufen bis hinauf zur Bezirksschule angeboten. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Aarau, Baden und Wettingen.

1997 entstand in Windisch aus der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) die technische Abteilung der Fachhochschule Aargau. Weitere Standorte der FH sind Aarau, Brugg und Baden.

Literatur

Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa, Bände I-XVII, davon die Neuesten:

Weblinks


See also: Windisch AG, 1. Mai, 1308, 1311, 1397, 1415, 1528