Working Poor

Working Poor (arbeitende Arme) bezeichnet Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit keinen "existenzsichernden Lebensunterhalt" () verdienen. Analog zur Vielfältigkeit der Begriffe "arm" und Beschäftigung gibt es jedoch bisher keine einheitliche statistische Definition des Begriffs. Oft werden nur Vollzeitbeschäftigte berücksichtigt.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Ursachen von Armut trotz Erwerbstätigkeit sind im Wesentlichen prekäre Arbeitsverhältnisse auf Grund anhaltender Strukturkrisen des Arbeitsmarktes. Merkmale prekärer Arbeitsverhältnisse sind:

Situation in den europäischen Ländern

Europäische Union

Als armutsgefährdet gilt gemäß Definition der Europäischen Union, wenn jemand weniger als 60 % des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens des Landes zur Verfügung hat (in Österreich: 785 Euro pro Monat).

Deutschland

Definition?

Im Jahr 1998 waren in Ostdeutschland 3,9% und im Westen 2,7% der Bevölkerung sowohl arm als auch erwerbstätig. Selbst die Anzahl der in Vollzeit erwerbstätigen Armen beträgt noch über eine Million (nach Strengmann-Kuhn 2003). Dabei ist im EU-Vergleich der Anteil der working poor an der Gesamtbevölkerung in Deutschland noch am zweitniedrigsten (nach Dänemark). Es wird aber befürchtet, dass durch die Reformen der sozialen Sicherungssysteme und die Ausweitung der Niedriglohnsegmente auf dem Arbeitsmarkt die Zahl der working poor in Zukunft erheblich ansteigt.

Schweiz

In der Schweiz sind Working Poor als "erwerbstätige Personen, die in einem die Armutsgrenze unterschreitenden, d.h. armen Haushalt leben" definiert. Als erwerbstätig in diesem Zusammenhang gelten Personen, welche in einem Arbeitsverhältnis stehen, bei dem sie für mindestens eine Arbeitsstunde pro Woche ein Erwerbseinkommen beziehen, oder in einem Haushalt lebt, dessen Mitglieder insgesamt mindestens 36 Stunden pro Woche gegen Entgelt arbeiten, und zwischen 20 und 59 Jahre alt sind (Definition nach BFS). Der kumulierte Erwerbsumfang der Haushaltsmitglieder bedeutet nichts anderes, als dass insgesamt für den Haushalt eine Vollzeitbeschäftigung von mindestens 90% besteht.

Im Jahr 2003 betrug der Anteil von Working Poor an der erwerbstätigen Gesamtbevölkerung im Durchschnitt 7.4%, mit steigender Tendenz. Über ein Viertel dieser Personen lebt in einem Haushalt mit mindestens zwei Vollzeitstellen, was von der Politik mit Besorgnis zur Kenntnis genommen wird.

Als besonders armutsgefährdete Gruppen unter den Erwerbstätigen nennt das BFS Einelternfamilien (WP: 20.4%) und kinderreiche Familien (WP: 20.5%), Selbständigerwerbende (13.8%), darunter vor allem die "Ich-AGs", unter denen sich 18.3% Working Poor befinden. Auch Erwerbstätige mit befristeten Arbeitsverträgen oder Verträgen "auf Abruf" (WP: 15.9%) sowie WiedereinsteigerInnen (WP: 10.1%) haben trotz Erwerbstätigkeit ein hohes Armutsrisiko. Daneben korreliert der Ausbildungsstand sowie die Herkunft mit dem Armutsrisiko.

Die Entwicklung der Anzahl Working Poors in der Schweiz geht zum Teil mit der Entwicklung der Erwerbslosenquote - zeitverschoben um 2 bis 3 Jahre - parallel. Das Bundesamt für Statistik sieht einen statistischen Zusammenhang zwischen Arbeitslosenquote und dem Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse, welche ihrerseits wiederum zum Anstieg der Working Poor führen. Diese Zusammenhänge werden durch unabhängige Untersuchungen des seco bestätigt.

Literatur

Siehe auch

Weblinks


Kategorie:Arbeit Kategorie:Arbeitsmarkt

See also: Working Poor, Arbeitsentgelt, Arbeitsmarkt, Armut, Armutsgrenze, BFS, Deutschland, Erwerbslosenquote, Erwerbstätigkeit, Europäische Union