Woronesch

Woronesch (russisch Воронеж, englische Transkription ist Voronezh) ist eine russische Stadt mit rund 805.600 Einwohnern (Stand: 2004) in der Oblast Woronesch. Sie liegt rund 500 km südöstlich vom Moskau am Don. Die geographischen Koordinaten sind: 51,72° Nord, 39,26° Ost.

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Geschichte

Woronesch wurde 1586 als Festung gegründet. Zar Peter der Große gründete 1695 eine Schiffswerft, die den Grundstock für das Wachstum der Stadt bedeutete. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Woronesch zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des südwestlichen Russlands. Im Zweiten Weltkrieg war es 1942 bis 1943 von der Wehrmacht besetzt und erlitt große Schäden. Nach dem Krieg wurde Woronesch wieder aufgebaut, auch die Nikolsk-Kirche und der Potemkin-Palast aus dem 18. Jahrhundert.


Am 9. Oktober 1989 geriet Woronesch weltweit in die Schlagzeilen der Boulevardpresse, als die offizielle sowjetische Nachrichtenagentur über eine UFO-Landung in der Stadt berichtete.

Sehenswürdigkeiten

Die Stadt ist noch ein Geheimtipp für Russlandtouristen. Woronesch ist eine Schatzkiste der Architektur. In ihrem Stadtbild vereinigt die Stadt den Stil des Barock mit dem prächtigen Governeurspalais im Zentrum mit dem Stil des Klassizismus, der von einem weiteren Palais des Governeurs und ein Gebäude von Giacomo Quarenghi im Stadtbild vertreten wird. Letzteres wurde zwar nach dem Zweiten Weltkrieg erweitert, aber stilistisch nicht verändert. Überall in der Stadt gibt es Vertreter der verschiedensten Bauepochen, so auch den stalinistischen Zuckerbäckerstil wie bei den Theatern und dem Gebäude der Regierung der Süd-östlichen Eisenbahn oder den Historismus und Jugendstil wie beim Bristol-Hotel (frühes 20. Jahrhundert). In den 80ern wurde das Puppentheater errichtet. Dieses Gebäude wurde von Litauschen Malern geplant und geschaffen. Die Architektur ist eine magische Komposition und schafft eine herausragende Verbindung von Architektur und Malerei. Es gibt es eine Reihe von sehenswerten orthodoxen Kirchen im klassisch-russischen Stil sowie zwei bekannte orthodoxe Klöster, darunter ein Höhlenkloster. In einem großen Freilandmuseum ist außerdem eine ausgegrabene altertümliche Siedlung der Alanen zu sehen.

Rings um Woronesch herum gibt es daneben viele Relikte der Kurgankultur und andere interessante archäologische Objekte.

Wirtschaft und Verkehr

Heute ist Woronesch die größte Stadt in der Schwarzerderegion im südwestlichen Russland, einer der Kornkammern des Landes. Hier angesiedelte Industriebetriebe arbeiten vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Chemie und Nahrungsmittelproduktion. Gebaut werden hier unter anderem die in Osteuropa noch weit verbreiteten Verkehrsflugzeugtypen Iljuschin Il-86 und Il-96. Auch Raketenantriebe, Fahrzeugreifen und landwirtschaftliche Geräte werden hier im großen Stil produziert. In der nahegelegenen Stadt Nowoworonesch (Neu-Woronesch) gibt es mehrere Atomkraftwerke.

Woronesch ist ein Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt und besitzt einen Flughafen sowie einen Binnenhafen am Don. Der öffentliche Personennahverkehr basiert russlandtypisch auf einem chaotischen System aus Stadtbussen, Trolleybussen und Straßenbahnen.

Die Stadt Woronesch wird aufgrund industriebedingter Verschmutzung im Volksmund auch Sektor Gasa (Gaza-Streifen; kann aber auch als Sektor des Gases übersetzt werden) genannt. Die dort beheimatete, gleichnamige Punkband sang einst, dass man dort nicht älter als 40 Jahre werde. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber das Stadtbild ist in der Tat in weiten Teilen industriell geprägt.

Bildung und Kultur

In Woronsch gibt es eine Universität (die ihren Sitz in Tartu hatte und 1918 nach der Unabhängigkeit Estlands hierher verlegt wurde) und zahlreiche weitere Bildungsinstitutionen sowie Museen und Theater. Die Universität hat einen hohen Bekanntheitsgrad und Studenten aus Asien, Afrika und Lateinamerika geben ihr einen internationalen Flair.

Weiterführende Bildungseinrichtungen am Ort:

bekannte Söhne und Töchter der Stadt

Woronesch ist die Heimatstadt des russischen Schriftstellers Iwan Bunin, der auch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Von 1934–38 lebte der Dichter Ossip Mandelstam hier in Verbannung.

Weblinks

See also: Woronesch, 1586, 1695, 1989, 2004, 9. Oktober, Afrika, Alanen