Wunderheilung

Wunderheilungen sind Heilungen oder Besserungen von schweren Erkrankungen, die den gültigen Naturgesetzen angeblich widersprechen, also "übernatürlich" sind. Diese Definition unterscheidet sie von den Spontanheilungen.

In der Geschichte der christlichen Religion spielt der Glaube an die Existenz von Wunderheilungen eine wichtige Rolle. Wie andere Wunder auch werden sie als direkte "Fingerzeige" Gottes, also Nachweise seines Wirkens, gesehen. Die katholische Kirche entwickelte im ausgehenden Mittelalter ein differenziertes, justizähnliches System zur Beurteilung und Kanonisation von Wunderberichten.

Wunderheilende Orte

Die meisten Wunderheilungen sind mit Wallfahrtsorten, insbesondere solche mit Marienkult, verbunden. Herausragend sind die zahlreichen Berichte aus den beiden Orten Lourdes und Fátima. Beide Orte besitzen "Ärztebüros", die sich die Untersuchung und Dokumentation von aufgetretenen Besserungen zur Aufgabe gemacht haben. Lourdes hat außerdem eine "Ärztekommission" und eine katholische "kanonische Kommission", so dass die dort aufgetretenen Heilungen in der Vergangenheit auch die offizielle kirchliche Anerkennung erlangen konnten.

Lourdes wird von ca. 50 000 Schwerkranken pro Jahr besucht. Die Akten des Ärztebüros enthalten seit 1858 etwa 5000 Heilungsberichte, davon wurden insgesamt 65 kirchlich anerkannt. Besondere Häufungen traten um 1900 und wieder um 1950 auf; seither haben die gestiegenen wissenschaftlichen Ansprüche der Kommissionen die Anerkennung sehr erschwert. Die letzte Anerkennung einer Wunderheilung in Lourdes erfolgte 1978.

Fátima hat eine etwas geringere Bedeutung als Heilort; seine Berichte sind nicht kirchlich anerkannt. Der Konstanzer Theologe und Mediziner Andreas Beck hat mit einigen Doktoranden 17 Falldokumentationen aus Fatima untersucht und veröffentlicht, den letzten aus dem Jahr 1948.

Wunderheilungen aus Kirchenakten

Katholische Heilig- und Seligsprechungsprozesse stützen sich gelegentlich auf Wunder, die der Heilige zu Lebzeiten oder später auf Fürbitte hin gewirkt haben soll. Die Arbeitsgruppe um Beck fand 43 Fallberichte aus dem langen Zeitraum 1232 - 1950, sowie 20 "Auferweckungen" von Personen, die zuvor für tot erklärt worden waren (1232 - 1686). Nach heutigen Kriterien kommt den Berichten, obgleich mit hoher Akribie erstellt, nur wenig Beweiswert zu.

Es ist offensichtlich, dass die abnehmende Häufigkeit von Wunderberichten, -dokumentationen und diesbezüglicher öffentlicher Diskussion im Zusammenhang mit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Medizin steht. Der Vatikan allerdings hält noch weitgehend an seinem jahrhundertelangen Anspruch, Wunder rechtsgültig defineren zu können, fest. Der von Pius X. erlassene Antimodernisteneid wurde bis 1967 von jedem Theologen verlangt: Miracula cognosco tanquam signa certissima divinitus ortae christianae religionis (ich erkenne die Wunder an als außerordentlich sichere Zeichen der von Gott herrührenden christlichen Religion). Andere Konfessionen stellen die Frage, ob Wunderheilungen tatsächlich auftreten, in das Belieben der Gläubigen.

Literatur

Siehe auch: Spontanheilung


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andere Religionen, Naturreligionen, Scharmanismus, Medizinmänner (Indianer), Okkultismus etc.

See also: Wunderheilung, 1232, 1686, 1948, 1950, 1978, Antimodernisteneid, Christentum, Fátima