Xenophobie
Die Xenophobie (griechisch ξενοφοβία - Fremdenangst, Kompositum aus ξένος, xénos - der Fremde, Gast und φόβος, phóbos - Furcht) bezeichnet die Furcht vor dem Fremden. In der Gegenwart ist Xenophobie unter diversen Namen wie Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass präsent, sie ist also keine Phobie im medizinischen Sinne. Fremdenfeindlichkeit ist eine ablehnende Einstellung und Verhaltensweise gegenüber anderen Menschen und Gruppen, die vermeintlich oder real fremd sind (z.B. fremde Herkunft, Kultur, Sprache). Sie kann sich durch Geringschätzung oder Feindseligkeit ausdrücken, die bis zur Gewalt reicht.
Der Begriff steht im Gegensatz zur Xenophilie (Fremdenfreundlichkeit) und in einem gewissen Spannungsverhältnis zum Exotismus (einer Art naiven, quasi voyeuristischen Xenophilie), mit welchem er gewisse konstituierende Merkmale gemein hat (z.B. Postulat der eigenen, meist kulturellen, Überlegenheit).
| Inhaltsverzeichnis |
Wurzeln
Xenophobie hat kulturelle ebenso wie biologische und ökonomische Wurzeln:
- biologisch: Tierarten verteidigen das eigene "Territorium", das zur Aufzucht von Nachwuchs benötigt wird.
- kulturell: alles menschliche Verhalten ist kulturell überformt, d.h. kollektive Feindseligkeit ist erworbene Grundstimmung. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Mentalität einer Bevölkerung. Ländliche Gesellschaften mit Grundbesitzerstrukturen, deren Traditionen stark auf fixierten Regeln beruhen, sind Neubürgern gegenüber eher zurückhaltend bis ablehnend eingestellt. Auch die vorherrschende Religion hat nachweislich großen Einfluss auf die beobachtbare Haltung gegenüber Fremden.
Die heutige Redewendung vom Sündenbock beruht auf Berichten aus biblischen Überlieferungen, dass die Sühne für religiöse Übertretungen rituell auf einen Opfer-Ziegenbock übertragen wurde, der dann entweder "in die Wüste gejagt" oder geschlachtet wurde. Nach diesem psychologischen Verhaltensmuster verfahren nicht wenige ortsansässige Bevölkerungen und Gruppen, wenn Menschen von außen dazukommen, die nicht in die hergebrachten Gewohnheiten zu passen scheinen. Auch dies ist eine sehr verbreitete soziale Erscheinung der Xenophobie, die häufig zu "Maßnahmen" des Mobbing führen.
Formen
Auf einigen Inseln hat sich im Zuge einer xenophoben Entwicklung, in der das Moment der Furcht hervorsticht, der so genannte politische Nativismus entwickelt. Der Nativismus betont die angebliche Überlegenheit der eigenen Herkunft und ethnischen Zugehörigkeit gegenüber dem "nur Zugezogenen", Fremden. Dies ist ebenso ein Forschungsgebiet für Politikwissenschaftler wie für Ethnologen wie die Frage, warum extrem feindselige, gewalttätige Ethnien neben sehr aufgeschlossenen, friedlichen Völkern aus der gleichen Herkunft entstehen und koexistieren konnten (Beispiel der historischen nordamerikanischen Indianervölker).
Xenophobie äußert sich unter anderem als Antisemitismus, Homophobie, Islamophobie oder Germanophobie.
Literatur
- Ben Barkow / Stefan Zeidenitz: "Xenophobe's Guide to the Germans". 2003, GB; OVAL BOOKS ISBN 1902825292
- Jan Christopher Cohrs: "Von konstruktiven Patrioten und schwarzen Schafen : nationale Identifikation und Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit". Bielefeld, Univ., Dissertation 2004. urn:nbn:de:hbz:361-5004
- Klaus Wahl: "Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus : Drei Studien zu Tatverdächtigen und Tätern". Berlin, 2001
Siehe auch:
- Xenologie, Xenophilie, Exotismus, Rassismus, Mentalität, Raphael-Lemkin-Institut für Xenophobie- und Genozidforschung
Weblinks
- Eintrag "Fremdenfeindlichkeit" im IDGR Lexikon Rechtsextremismus
- Gudrun Hentges: Rassismus - Streit um die Ursachen, 1.6.2005
