Xiwangmu
Xīwángmǔ (chin. 西王母 = Königinmutter des Westens) auch Hsi Wang Mu, ist eine der ältesten chinesischen Gottheiten, die im mittelalterlichen Daoismus als Unsterbliche, Lehrerin und Symbol der Transzendenz und Vermittlerin zwischen den himmlischen und den irdischen Reichen eine herausragende Rolle spielte, aber auch im heutigen Daoismus, besonders bei den Himmelsmeistern ist sie noch eine hohe Gottheit.
Neben den religiösen Kulten gab es in China auch immer wieder Volkskulte um diese Göttin.
Ihre Spuren lassen sich bereits in der Shang-Zeit (ca.1600-ca.1028 v.u.Z.) nachweisen, aber erst später nimmt ihre Gestalt konkrete Züge an.
Während der Zeit der streitenden Reiche (403-221 v.u.Z) erscheint sie als Lehrerin, Göttin des Westens, Göttin heiliger Berge, göttliche Weberin, Schamanin und Sternengöttin.
Im Zhuangzi wird Xiwangmu als Göttin des Westens und des Himmels erwähnt, die das Dao verwirklicht hat und so Unsterblichkeit und göttliche Macht besitzt.
Im Daoismus der Tang-Zeit (618-907) wurde die Königinmutter des Westens als höchste weibliche Gottheit angesehen, die das höchste Yin symbolisierte, an der Schöpfung des Kosmos mitgewirkt hatte und die kosmische Harmonie aufrechterhielt.
Ihr Wohnort war der Kunlun, ein heiliger Berg im Westen, auf dem ein perfektes und harmonisches Paradies zu finden ist, welches als Mikrokosmos ein ideales Abbild des Makrokosmos ist und das der Sitz der Götter in der irdischen Welt ist.
Zur Ikonographie Xiwangmus gehören der weiße Tiger, das Leopardenfell, der dreibeinige blaue Vogel, der sheng-Haarschmuck (eine Art Spindel), der neunschwänzige Fuchs, Sonne und Mond, der Thron mit Tiger und Drache (Yin und Yang) und der Hase, der das Elixier der Unsterblichkeit bereitet. Ihr Gefährte ist Dongwangfu, der Königvater des Ostens, der in Glaube und Kult nie die gleiche herausragende Rolle spielte wie Xiwangmu.
In vielen Gräbern findet man Darstellungen der Göttin, da man hoffte, sie würde nach dem Tod die Seele in das Paradies der Unsterblichen geleiten.
In der Tang-Zeit genoss die Königinmutter des Westens höchstes Ansehen und Verehrung und viele hunderte von Gedichten handelten von ihr.
Der Shangqing-Daoismus führte seine Autorität auf sie zurück, sie erschien hier als Lehrerin, die die essentiellen Werke der Transzendenz enthüllte und als Hüterin der Geheimnisse der Unsterblichkeit, die daoistische Adepten auf dem Weg zu dieser unterrichtete. Ihr Wohnsitz, der Kunlun wurde als Bibliothek angesehen, aus der die heiligen Werke des Daoismus stammten. In der daoistischen Praxis war sie Adressat von Gebeten, Ritualen, Invokationen, Visualisationen und Imagination in denen der Adept z.B. den Kunlun besucht, um hier seine magischen Kräfte zu entwickeln.
Trotz der positiven Darstellung als Lehrerin und Bewahrerin des kosmischen Gleichgewichts hat die Göttin auch eine zerstörerische Seite. Als höchstes Yin ist sie auch eine Göttin des Todes und Zerstörerin.
Im chinesischen Mittelalter wurden viele Geschichten erzählt und aufgeschrieben, die vom Zusammentreffen Xiwangmus mit Menschen, insbesondere Herrschern, handelten.
Kategorie:Chinesische Mythologie
